Stimme aus Frankreich

13.06.2014

Monique Canto-Sperber, neues Mitglied des International Council der Freien Universität Berlin, ist eine wichtige Akteurin der französischen Exzellenzinitiative.
Monique Canto-Sperber, neues Mitglied des International Council der Freien Universität Berlin, ist eine wichtige Akteurin der französischen Exzellenzinitiative. Bildquelle: Paris Science et Lettres

„Wir haben von den Deutschen die Idee übernommen, aber wir haben sie ganz anders umgesetzt“, sagt Monique Canto-Sperber, wenn sie nach Unterschieden zwischen der deutschen und der französischen Exzellenzinitiative gefragt wird. Die Philosophie-Professorin ist eine Protagonistin der französischen „Initiatives d'excellences“, die im Nachbarland seit 2011 vorangebracht werden – und deshalb eine hervorragende Expertin für den International Council der Freien Universität Berlin, dem sie seit dem vergangenen Jahr angehört.

Das mit Bildungs- und Wissenschaftsfachleuten aus aller Welt besetzte Gremium berät die Universität dabei, wie sie ihr Zukunftskonzept „Internationale Netzwerkuniversität“ weiterentwickeln kann, für das sie 2012 erneut in der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder ausgezeichnet worden ist.

Monique Canto-Sperber ist seit 2012 Präsidentin des Zusammenschlusses Paris Science et Lettres (PSL). Die aus der französischen Exzellenzinitiative entstandene Forschungsuniversität umfasst Elite-Einrichtungen mit oftmals langer Tradition wie die kleinen Elitehochschulen ÉcoleNormale Supérieure (ENS) und das Collège de France. Auch spezialisierte Universitäten, Laboratorien und Kunsthochschulen gehören zum Konsortium, das 2011 gegründet wurde. Es wird mit 750 Millionen Euro gefördert; an seinen Einrichtungen sind 14 000 Studierende eingeschrieben.

Die Förderung solcher Zusammenschlüsse, die in Frankreich „Exzellenzinitiativen“ genannt werden, gehört zu umfassenden Bildungsreformen im Nachbarland. Inzwischen gibt es acht solcher „Initiativen“. Ihr Ziel ist es, Spitzeneinrichtungen – wie die sogenannten Grandes Écoles – und Universitäten zusammenzuführen, um die internationale Sichtbarkeit französischer Forschung zu steigern. Außerdem erhofft sich der französische Staat von interdisziplinärer und institutionenübergreifender Forschung noch mehr wissenschaftliche Innovation.

Diese Rechnung scheint aufzugehen: Die Einrichtung von Paris Science et Lettres habe zu interdisziplinären Forschungskooperationen geführt und neuartige institutionenübergreifende Studiengänge ermöglicht, sagt Monique Canto-Sperber.

Vor ihrem neuen Amt war die Wissenschaftlerin, die vor allem über die Philosophie der Antike gearbeitet hat, Direktorin der Ecole Normale Supérieure (ENS), einer Grande Ecole. „Wir haben versucht, die exzellente Art, in der an der ENS unterrichtet wird, auf die Paris Science et Lettres zu übertragen“, erzählt sie.

Die Verbindung von Forschung und Lehre interessiert Monique Canto-Sperber auch an der Freien Universität Berlin: „Der Lehre wird an der Freien Universität Berlin enorm viel Aufmerksamkeit geschenkt. Besonders gut gefällt mir an dieser Hochschule, wie Forschung von Anfang des Studiums an in die Lehre integriert wird.“