Nach 86 Jahren: Forscher klären Schneetod auf

20.02.2014

Der Mathematiker Guillaume Jouvet von der Freien Universität Berlin und der Glaziologe Martin Funk von der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich haben die Umstände des Todes von vier Männern, drei davon Brüder, im Jahr 1926 aufgeklärt. Damals waren die Männer nicht von ihrer Bergtour auf den Großen Aletschgletscher zurückgekehrt. 2012, nach 86 Jahren, fanden zwei englische Alpinisten die sterblichen Überreste der Brüder im ewigen Eis; der vierte Mann bleibt verschollen.

Ausgehend vom Fundort der Knochen haben Jouvet und Funk mithilfe eines Computermodells den Ort zurückverfolgt, an dem die Männer höchstwahrscheinlich starben. Ursprünglich hatten die Mathematiker und Glaziologen das Modell erstellt, um Wachstum und Schwund des Aletschgletschers zu verstehen. Das Simulationswerkzeug stellte erstmals das dreidimensionale Fließfeld des Gletschers dar und ließ Aussagen über die Fließgeschwindigkeit im Innern des Gletschers zu. Jouvet und Funk hoffen, bei der Lösung weiterer ungeklärter Fälle helfen zu können, zum Beispiel beim Verschwinden eines Flugzeugs, das 1946 auf dem Gauligletscher in den Berner Alpen abstürzte. Die Passagiere - amerikanische Militärangehörige - konnten gerettet werden; die Maschine verschwand im Eis.