Klimaschutz auf dem Prüfstand

28.11.2013

Forschernetzwerk untersucht, wie die Politik effektiver abgestimmt werden könnte

Ein stabiles globales Klima ist Lebensgrundlage für Mensch und Natur. Daher zählt der Kampf gegen die Klimaerwärmung zu den wichtigsten Menschheitsaufgaben. Welche Herausforderungen und Chancen sich durch eine erfolgreiche Klimaschutzpolitik in Indien und Europa ergeben, untersuchen derzeit Wissenschaftler aus beiden Regionen im Projekt Indian-European Multilevel Climate Governance Research Network.

Dem Forschungsnetzwerk gehören Politikwissenschaftler, Ökonomen und Naturwissenschaftler aus Indien, Deutschland und den Niederlanden an. Gemeinsam untersuchen sie die politischen Prozesse der Klimapolitik. „Wir wollen herausfinden, wie die Klimapolitik effektiver abgestimmt werden kann“, erklärt Kirsten Jörgensen das Forschungsziel. Die promovierte Politikwissenschaftlerin ist Netzwerkkoordinatorin am Forschungszentrum für Umweltpolitik der Freien Universität Berlin. Hier wurde der internationale Zusammenschluss 2012 unter der Leitung von Politologieprofessorin Miranda Schreurs initiiert.

Die Wissenschaftler erforschen seitdem, wie die Zusammenarbeit von lokalen Akteuren und Entscheidungsträgern in den indischen Bundesstaaten, auf nationaler Ebene und auf internationaler Ebene funktioniert. Untersucht wird etwa,welche Innovationen zur Verminderung schädlicher Treibhausgase auf lokaler Ebene bestehen und ob diese auf die nationale oder internationale Ebene übertragen werden können. Die Wissenschaftler überprüfen, woran dies scheitern könnte und gehen der Frage nach, was Indien und Europa beim Klimaschutz voneinander lernen können. „Auf Grundlage dieser Untersuchungen sollen Möglichkeiten des Wissenstransfers zwischen Indien und Europa sowie Empfehlungen für die Politik erarbeitet werden“, sagt Wirtschaftsprofessorin Joyashree Roy von der Jadavpur University in Kalkutta.

Die indischen, niederländischen und deutschen Forscher kommen regelmäßig zusammen. Die Eröffnungstagung fand im Frühjahr 2013 an der TERI University in Neu-Delhi statt, im November tagten die Wissenschaftler in Kalkutta. Diskutiert wurde der Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft in Indien und Europa, die Reduktion von Treibhausgasen in der indischen Schwerindustrie und im Verkehr sowie Partnerschaften zwischen deutschen und indischen Städten im Klimaschutz. Weitere Veranstaltungen sind 2014 in Amsterdam und 2015 in Berlin geplant.

Die nationalen Forschungsförderorganisationen aller drei am Netzwerk beteiligten Länder unterstützen das Projekt, das aus dem seit 2008 bestehenden German- Indian Sustainability and Climate Change Dialogue (GISCCD) an der Freien Universität hervorgegangen ist. Dieses Forum führt Entscheidungsträger, Wissenschaftler und Mitarbeiter im Umweltschutz aus Deutschland und Indien zusammen. Sowohl im GISCCD als auch im Forschungsnetzwerk spielen der Studierendenaustausch und die Förderung von Nachwuchswissenschaftlern eine wichtige Rolle. Denn die Erhaltung eines stabilen Klimas als Lebensgrundlage für Mensch und Natur ist eine Aufgabe, die auch künftige Generationen noch beschäftigen wird.