Sarah Stroumsa

16.04.2013

Sarah Stroumsa, Islamwissenschaftlerin und Judaistin, ist für ein Jahr als Alexander-von-Humboldt-Stipendiatin an der Freien Universität Berlin.
Sarah Stroumsa, Islamwissenschaftlerin und Judaistin, ist für ein Jahr als Alexander-von-Humboldt-Stipendiatin an der Freien Universität Berlin. Bildquelle: Verena Blindow

Wissenschaft kann Grenzen überwinden. Im Fall der renommierten Islamwissenschaftlerin und Judaistin Professorin Sarah Stroumsa trifft dies in besonderem Maße zu. Als Israelin, deren Vorfahren Deutsch sprachen und die neben jüdischer Philosophie arabische Sprach- und Literaturwissenschaft studierte, ist die ehemalige Rektorin der Hebrew University in Jerusalem Widerstand gewohnt – aber auch, ihn zu überwinden. Die 63-jährige Wissenschaftlerin verbringt derzeit als Alexander-von-Humboldt-Stipendiatin ein Jahr an der von Professorin Sabine Schmidtke geleiteten Research Unit Intellectual History of the Islamicate World an der Freien Universität.

 Stroumsas Forschungsgebiet umfasst die Ideengeschichte sowie die Geschichte der Philosophie und Theologie in der Islamischen Welt im Mittelalter: „Wir haben großes Glück, dass verhältnismäßig viele Dokumente aus dieser Zeit überliefert sind“, sagt Sarah Stroumsa. „Das gibt uns Einblicke in die Entwicklung der jüdischen, muslimischen und christlichen Geistesgeschichte.“ Durch die Fülle an Material bleibe Islamwissenschaftlern genug Raum für eigene Forschung. Dabei konzentriert sich Stroumsa auf das Wirken und Denken jüdischer, muslimischer und christlicher Gelehrter, das der Wissenschaftlerin zufolge nicht separat betrachtet werden kann.

In ihrem aktuellen Projekt „Thinkers of ,This Peninsula‘: New Perspectives in the Philosophy of al-Andalus“ steht die vor allem von Muslimen bewohnte Iberische Halbinsel während des Mittelalters im Zentrum. In Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern des Berliner Forschungszentrums, das die Islamwissenschaftlerin Sabine Schmidtke vor mehr als zwei Jahren an der Freien Universität ins Leben gerufen hat, sollen neue Erkenntnisse über die großen Philosophen des islamischen Spaniens gewonnen werden.

„Durch die Arbeit im Forschungszentrum kann ich Wissenschaftlern begegnen, die ich in Israel aufgrund der Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palästinensern sonst nicht treffen könnte“, sagt Stroumsa. Ein weiteres Anliegen ist ihr daher der akademische Austausch über politische Grenzen hinweg. Zu diesem Zweck hat Stroumsa mit einem palästinensischen Kollegen vor mehr als fünf Jahren eine Online-Plattform ins Leben gerufen: zum Informationsaustausch ohne Barrieren.

Für Stroumsa stehen bei ihren Forschungsarbeiten vor allem die intellektuelle Herausforderung und die Freude an ihrer Arbeit im Vordergrund. Doch liege es in der Natur der Sache, dass die gleichzeitige Beschäftigung mit muslimischer und jüdischer Geschichte im Nahen Osten auch zum Politikum werde. „Manche Gegner der israelischen Regierung fordern einen ,akademischen Boykott‘, um das Land zu isolieren. Doch meiner Meinung nach besteht die Hauptaufgabe einer Universität darin, Brücken zu schlagen.“

Weitere Informationen

Am 24. April um 18 Uhr hält Sarah Stroumsa einen öffentlichen Vortrag zur Rolle von Philosophen in der mittelalterlichen Welt des Islam: „The Solitude of the Engaged Philosopher: Andalus and Sefarad“. Veranstaltungsort: Staatsbibliothek zu Berlin, Potsdamer Str. 33, 10785 Berlin