Unsichtbares sichtbar machen

Endoskopische Navigation erleichtert sicheres Operieren.

25.02.2013

Ein Messeraufsatz der Firma Scopis liefert den Ärzten während einer Operation Daten aus dem Körperinneren.
Ein Messeraufsatz der Firma Scopis liefert den Ärzten während einer Operation Daten aus dem Körperinneren. Bildquelle: Scopis

Kleiner Aufwand, große Wirkung: Ein von den Initiatoren des Start-up-Unternehmens Scopis entwickelter Messaufsatz wird an einem Endoskop für die Hals-Nasen-Ohren-Chirurgie befestigt und liefert während eines Eingriffs genaue Daten aus dem Inneren der Patienten. Mit einem Blick auf den Monitor sehen Chirurgen – zum Beispiel während einer Operation der Nasennebenhöhlen – in Echtzeit, was sie von außen nicht erkennen können: Wo sich ihr Instrument gerade befindet, wo das kranke Gewebe liegt oder an welchen Stellen sie besonders vorsichtig sein müssen. Damit bietet Scopis als erstes Unternehmen weltweit dem Arzt die Möglichkeit, die endoskopische Visualisierung um weitere Informationen zu ergänzen.

So können fehlende anatomische Landmarken durch künstliche, direkt in die Endoskopie eingeblendete Navigationspunkte ersetzt werden. Dies verbessert die Orientierung im Operationsgebiet beträchtlich. Eingriffe werden damit sicherer für die Patienten. Das Operationsteam und die Krankenhäuser wiederum sparen Zeit und damit Geld. Die Idee für das Mess- und Navigationssystem hatte Scopis-Gründer Bartosz Kosmecki während seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Berliner Zentrum für Mechatronische Medizintechnik, einer gemeinsamen Einrichtung der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der Fraunhofer-Gesellschaft. Mit seinem Kollegen Andreas Reutter baute er einen Prototyp und gründete die Scopis GmbH. Die erste große Hürde war genommen, als der High-Tech Gründerfonds seine Zusage für eine Anschlussfinanzierung gab. Vom Fachbereich Mathematik und Informatik der Freien Universität Berlin stieß Christopher Özbek als Software-Chef zum Team. Unter dem Namen Scopis Navigation kam 2011 das erste Produkt auf den Markt, im vergangenen Jahr erreichte der Umsatz des Unternehmens bereits die Grenze von einer Million Euro.

„Eltern des Erfolgs waren vor allem das Berliner Zentrum für Mechatronische Medizintechnik, das die Ausgründung und Lizenzierung der Technologie ermöglicht hat, die Freie Universität mit profund als Unterstützerin in der Gründungsphase sowie ein starkes Team der Scopis“, sagt Kosmecki rückblickend.

Zeit zum Ausruhen blieb dem Gründer nach den ersten Erfolgen nicht: „Vertrieb und Kundenbetreuung erfordern Zeit, nebenher forschen und entwickeln wir ständig an bestehenden und neuen Produkten.“ So wurde das Navigationssystem inzwischen auch in die Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgie und Neurochirurgie eingeführt. Ein neuartiges Instrumenten-Lande- und Alarmsystem ermöglicht dabei in der Neurochirurgie die Einblendung eines Zielführungspfades, um etwa einen Tumor erreichen zu können, ohne das umliegende Hirngewebe zu zerstören. „Das ist ein großer Fortschritt und bisher einzigartig“, sagt Kosmecki. „Je mehr und je präzisere Informationen der Arzt bekommt, desto sicherer kann er operieren.“

Noch 2013 soll die Scopis-Technologie auf die Weichgewebschirurgie übertragen werden. Kunden hat Scopis inzwischen im In- und Ausland gefunden. Die Zulassung für den chinesischen Markt steht unmittelbar bevor.