Arbeit in Stichpunkten

Kurz-fundiert

23.10.2006

chinesische_mauer
chinesische_mauer

Eine Menge Arbeit steckt in diesem Heft. Doch einige Aspekte geben nicht genug her für einen ganzen Text, sind aber zu schade, um aus dem Magazin zu fallen. Was vom Thema übrig bleibt, ist hier in Stichpunkten zusammengefasst – damit keine Arbeit liegen bleibt.

Woher kommt das Wort Arbeit?

Arbeit ist „ein uraltes, viel merkwürdige Seiten darstellendes Wort“, dessen Herkunft „schwankt“, schreiben die Gebrüder Grimm in ihrem Wörterbuch von 1854. Bis heute ist nicht zweifelsfrei geklärt, woher das Wort kommt. Wahrscheinlich hat es sich aus einem Verb gebildet, das im germanischen Sprachraum untergegangen ist und die Bedeutung hatte „verwaist sein“ oder „ein zu schwerer körperlicher Tätigkeit verdingtes Kind sein“. Das Verb leitet sich ab vom indogermanischen Wort „orbhos“ für „verwaist“ oder „Waise“. Im Deutschen hat es bis ins Niederhochdeutsch hinein die Bedeutung von „Mühsal“, „Plage“ oder „schwere körperliche Anstrengung“. Erst Martin Luther sorgt mit seiner Lehre vom allgemeinen Priestertum für eine Neuinterpretation: Der Begriff wandelt sich und wird verstanden als der sittliche Wert der Arbeit, als Beruf des Menschen in der Welt. Das Wort verliert seinen herabsetzenden Sinn. Fortan bezeichnet es das berufliche Tätigsein des Menschen.

Was versteht die Naturwissenschaft unter Arbeit?

In der Physik ist Arbeit definiert als Produkt aus einer Kraft F und einem Weg s. Das Formelzeichen für Arbeit ist W – für das englische Wort „work“. Wenn eine Kraft einen Körper um eine bestimmte Distanz verschiebt, wird an dem Körper Arbeit verrichtet, die als Energie in dem Körper gespeichert oder weitergegeben wird. Wenn die Kraft in Richtung des zurückgelegten Weges wirkt und konstant ist, gilt für die Arbeit folgende Formel: W = F · s. Physikalische Arbeit wird in der Einheit Joule (J) angegeben.

An wie vielen Tagen ruht die Arbeit in Deutschland?

Die Zahl der Feiertage schwankt je nach Bundesland. Im wirtschaftlich erfolgreichen Bayern gibt es 14 Feiertage, in einigen nördlichen Bundesländern sind es nur neun – so auch in Berlin. Im Schnitt sind es für die ganze Bundesrepublik rund elf Tage im Jahr. Im europäischen Vergleich bewegt sich Deutschland damit im Mittelfeld, im Vergleich zu katholisch geprägten Ländern wie Spanien oder Portugal ist es eher wenig. In Deutschland entscheidet einzig der Kalender darüber, ob durch einen gesetzlichen Feiertag unter der Woche nicht gearbeitet werden muss, oder ob Sonn- und Feiertag zusammenfallen und es für Arbeitnehmer heißt: Pech gehabt. Die US-Amerikaner haben das pragmatischer gelöst: Im Jahr 1971 verfügte Präsident Richard Nixon, dass vier Feiertage in jedem Fall auf einen Montag fallen. Bei feststehenden Daten wie Weihnachten oder Neujahr gilt: Falls die Feste auf Samstag oder Sonntag fallen, ist der Freitag davor oder der Montag danach automatisch frei. In Japan ist es ähnlich. Wirtschaftswissenschaftler streiten darüber, ob und in welchem Umfang es ökonomisch sinnvoll ist, Feiertage zu streichen. Eine gängige Rechung lautet: Ein Tag Mehrarbeit bedeutet eine Milliarde Euro Mehreinnahmen für Staats- und Sozialkassen. Das Wirtschaftswachstum würde ein Feiertag weniger allerdings nicht unbedingt ankurbeln – schließlich harpert es hierzulande eher bei der Nachfrage und weniger bei der Produktivität.

Roboter
Die FU-Fighters: Wenn Roboter vom Sport für die Arbeit lernen
Foto: FU-Fighters

Welche Arbeit verrichten Roboter?

In einer Wirtschafts-Studie der Vereinten Nationen (VN) heißt es, dass im Jahr 2007 über eine Million Industrieroboter in ganz verschiedenen Branchen arbeiten werden. Schon heute zählen die VN-Experten weltweit 800.000 Stück, allein 112.700 in Deutschland. Damit belegt die Bundesrepublik den zweiten Platz auf der Weltrangliste – hinter Japan mit 350.000 Robotern, aber noch knapp vor den USA mit 112.400 Robotern. Mehr als die Hälfte der deutschen Industrieroboter kommen in der Autoindustrie zum Einsatz, etwa 56 Prozent. Dann folgt die chemische Industrie, die Metall verarbeitende Industrie und die Elektronik-Branche. Meist erledigen die Roboter Schweißarbeiten. In der Studie wurden aber auch 21.000 Service-Roboter gezählt. Hier gibt es ganz verschiedenen Modelle mit ganz unterschiedlichen Aufgaben – von einfach bis hochkomplex. Sie reichen von Putzarbeiten bis hin zu medizinischen Operationen in Krankenhäusern. Die Experten erwarten, dass die Nachfrage nach Robotern für den Privatgebrauch steigt – etwa zum Staubsaugen oder zum Rasenmähen. Davon gibt es den Angaben zufolge weltweit etwa 610.000.

Das Gegenteil von Arbeit: Was ist der Unterschied zwischen Urlaub und Ferien?

Kinder haben Ferien, Erwachsene machen Urlaub – dieser Unterschied fällt im täglichen Sprachgebrauch kaum auf, hat sprachhistorisch aber einen Sinn: Urlaub entstammt dem althochdeutschen Wort „arlouben“, das „erlauben“ bedeutet. Im 19. Jahrhundert bürgert es sich bei Militärs und Behörden ein, weil sie den Soldaten oder Beamten erlauben, sich zu entfernen. Manchmal bezeichnet es zu jener Zeit auch die Erlaubnis, ein Dienstverhältnis ganz oder für eine bestimmte Zeit zu verlassen. Erst im 20. Jahrhundert entwickelt sich die heutige Bedeutung – auch weil Angestellte und Arbeiter mittlerweile ein Recht auf Urlaub haben und er ihnen nicht erlaubt oder gewährt wird. Das Wort Ferien hat einen freudigeren Hintergrund: Schon bei den Römern hieß das lateinische Wort „feriae“ einfach freie Tage oder Feiertage. Ein weit verbreiteter Irrtum besagt, Ferien komme von „faire rien“, also „nichts tun“ auf Französisch. Das stimmt nicht.

Was sind „Helden der Arbeit“?

In der DDR bekamen Arbeiter diesen Titel verliehen, wenn sie besonders engagiert waren und beispielsweise das „Plansoll übererfüllt“ hatten. Inzwischen werden die zugehörigen Anstecknadeln billig im Internet versteigert. In China allerdings wählt die Kommunistische Partei auch heute noch ihre „Helden“, und zwar alle fünf Jahre. Bei einer großen Zeremonie am Maifeiertag werden die Auszeichnungen dann vergeben. Paradox des chinesischen Systems: Nicht mehr klassische Modellarbeiter mit Hammer und Sichel in der Faust werden ausgezeichnet, sondern Spitzenverdiener. Im letzten Jahr hieß der Preisträger Yao Ming – Basketballprofi der Houston Rockets aus Texas mit einem Jahreseinkommen von mehr als vier Millionen Dollar.

Welche Krankheiten lassen sich auf die Arbeit zurückführen?

Hautkrankheiten sind laut Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften HVBG die am häufigsten auftretenden Berufskrankheiten. Betroffen sind vor allem Maler, Lackierer, Reinigungskräfte, Friseure und Metallarbeiter. Bei diesen Berufen entsteht zunehmend ein Nachwuchsproblem: Etwa 30.000 Auszubildende brechen hierzulande jedes Jahr ihre Lehre wegen Allergien oder ähnlicher Hautleiden ab. Andere weit verbreitete Berufskrankheiten sind Schwerhörigkeit und Rückenbeschwerden. Jährlich verursachen Berufskrankheiten Kosten von etwa 1,5 Milliarden Euro.

Chinesische Mauer
Die Chinesische Mauer - An keinem anderen Bauwerk wurde länger gearbeitet.
Foto: Photocase

An welchem Bauwerk wurde am längsten gearbeitet?

Den Rekord hält die Chinesische Mauer: Mit ihrem Bau wurde zwei Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung begonnen – und sie war noch lange nicht fertig, als Christoph Kolumbus im Jahr 1492 Amerika entdeckte. Über 2000 Jahre lang haben chinesische Herrscher ihre Untertanen zu Tausenden auf die Baustellen an den Grenzen ihres Reiches getrieben. Auf Platz 2 folgt die alt-ägyptische Tempelanlage von Karnak mit knapp 2.000 Jahren. In Deutschland wurde besonders lange am Kölner Dom gebaut – etwa 600 Jahre lang. Aus Geldmangel haben die Bauherren die Arbeit immer wieder vorübergehend eingestellt.