Vorwort

fundiert: Netzwerke
fundiert: Netzwerke

23.11.2006

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
die Small-World-Theorie besagt, dass jeder über sechs bis sieben Stationen mit jedem anderen Menschen auf der Erde vernetzt sein kann. Wir alle sind also, jedenfalls in der Theorie, in ein weltweites Netzwerk eingebunden und diese Netzwerke werden zunehmend wichtig: Vom Familienverbund über das mittelerweile unverzichtbare elektronische Internet bis zu nationalen und internationalen Netzwerken – Grund genug, dem Thema aus wissenschaftlicher Sicht eine Ausgabe zu widmen.

Die Politikwissenschaftlerin Marianne Beisheim erklärt in ihrem Beitrag, wie globale Politiknetzwerke und Public Privat Partnerships bei regionalen und überregionalen Hilfsprojekten zusammenarbeiten. Nach China führt der Beitrag des Sinologen Jens Damm: Das Reich der Mitte ist nicht nur wirtschaftlich auf der Überholspur – auch beim Internet hat China längst aufgeholt. Chinesisch ist nach Englisch die meistgenutzte Sprache im World Wide Web. Einige Jahrhunderte zurück wendet sich der Blick des Historikers Ralf Lützelschwab – auf das Kardinalskolleg im Mittelalter. Im Interview erfahren Sie, wie sich die Kardinäle in der Zeit vom 11. bis 16. Jahrhundert gegenüber dem Papst positionierten und wie sie sich untereinander vernetzten. Mit dem Netzwerk der katholischen Kirche befasst sich auch der Theologe Michael Bongardt. Trotz ihrer hierarchischen Struktur funktioniert sie doch wie ein Netzwerk.  Die Juristin Sigrid Boysen geht der Frage nach, ob der „alte“ Nationalstaat in Zukunft durch Netzwerke abgelöst wird und welche Perspektiven sich der Rechtswissenschaft mit dem Begriff des Netzwerks öffnen. Von islamischen Netzwerken berichtet Annabelle Böttcher. Sie beschreibt deren Strukturen und unterschiedliche Formen – und welche Voraussetzungen nötig sind, um an die Spitze eines islamischen Netzwerks zu gelangen. Networking betreiben auch Unternehmer – diesen Aspekt nehmen die Wirtschaftswissenschaftlerin Michalea Haase und der Kommunikationswissenschaftler Matthias Müller-Prothmann unter die Lupe. Alte und neue Formen des Regierens haben Claudio Franzius und Matthias Kötter im Blick: Unter den Bedingungen der Europäisierung und Globalisierung verändern Netzwerke die Perspektive auf Staat und Recht, so die Politologen. Um ein kleines, aber doch sehr wichtiges Netzwerk geht es im Beitrag der Wirtschaftswissenschaftler C. Katharina Spieß und Jürgen Schupp: die Familie. Als Ort der Sicherheit hat diese Gemeinschaftsform keineswegs an Bedeutung verloren – auch nicht bei den Jugendlichen. Was haben die Kunstgeschichte und das Internet gemein? Die „Schule des Sehens“. Der Kunsthistoriker Maximilian Benker erklärt, wie sich Studierende der Kunstgeschichte mit einem neuen Online-Lernprogramm und wenigen Mausklicks die Welt der Kunst und der Kunstgeschichte erschließen können und warum es so gut funktioniert. Mit dem technischen Fortschritt beschäftigt sich auch der Wirtschaftswissenschaftler und Informatiker Ilias Michalarias und beschreibt das Mobile Computing durch drahtlose Netze – die Möglichkeit, jederzeit und überall Informationen zu empfangen und zu senden. Wie aber sind Netzwerke überhaupt strukturiert? Welche Funktionen und Eigenschaften haben sie, und wie handeln die Akteure innerhalb eines Netzwerks? Die Antworten finden Sie im Interview mit dem Netzwerkanalytiker und Soziologen Rainer Diaz-Bone.

Die Redaktion wünscht Ihnen eine spannende und abwechslungsreiche Lektüre!

Ilka Seer, Bernd Wannenmacher & Kerrin Zielke

Letzte Aktualisierung: 16.04.2012