Von Wahlkämpfern und Wirtschaftsmächten

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Viele Institute der Freien Universität haben eigene Alumni-Vereine. Bei den Politologen vernetzt der OSI-Club die Ehemaligen und kümmert sich um die Themen Afrika und politische Kommunikation. Er schafft es, Spitzenpolitiker, renommierte Wissenschaftler und erfahrene Journalisten an die Uni zu locken.

Zwielichtige Typen kamen in sein Büro am Pariser Platz mit Blick aufs Brandenburger Tor, erzählt Gabor Steingart, damals Leiter des „Spiegel“-Hauptstadtbüros. Sie spielten ihm eine DVD vor; darauf der Beweis, dass ein prominenter Fernsehmoderator intensive Kontakte zum Rotlicht-Millieu pflegte. Die „Halunken“, wie Steingart sie nennt, verlangten einige Tausend Euro. Der Journalist lehnte ab, das Geschäft kam nicht zustande. Doch die Situation droht zu eskalieren: Der Computer spuckt die DVD nicht wieder aus, die Typen halten es für einen Trick, sie schreien, schimpfen, drohen.

Selten berichten Hautstadt-Journalisten offen von ihrem Job, ihren Arbeitsbedingungen, ihrem Kontakt zu Informanten, Tipp-Gebern und zu den Mächtigen. Bei den Ringvorlesungen am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft (OSI) geben sie Auskunft, erzählen Anekdotisches  wie Steingart, und sie denken öffentlich nach über das Verhältnis zwischen Macht und Medien, zwischen Politik und Kommunikation. Dort berichtet „Stern“-Reporter Jens König, wie der damalige Außenminister Frank-Walter Steinmeier die Biographie von Guido Westerwelle vorstellte - und welche Inszenierung er dahinter vermutet. Tissy Bruns vom „Tagesspiegel“ erklärt, warum die Demokratie in einer Krise steckt. Der damalige stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg verrät, warum Politik auf Inszenierung nicht verzichten kann. Der Polito-Linguist Josef Klein spannt einen Bogen von „Cicero bis Obama“. Jeweils 60 Minuten Einblick in die Praxis von Politik und Kommunikation, organisiert vom OSI-Club, dem Alumni- und Förderverein am Institut.

Denn der OSI-Club versteht sich nicht nur als Netzwerk der Ehemaligen, die sich untereinander austauschen können bei Veranstaltungen wie dem „Besuch am Arbeitsplatz“ oder dem „ClubAbend“. Er fördert auch die Lehre am Institut. Dabei konzentriert er sich zum einen auf das Thema politische Kommunikation, zum anderen auf Afrika. Zu beiden Themen gibt es regelmäßig Ringvorlesungen, die in einer eigenen Bücher-Edition dokumentiert sind. Aber auch reguläre Seminare stellt der Club auf die Beine. So will er Lücken im Lehrangebot schließen und das Profil des Instituts bundesweit stärken.

Seit sich der OSI-Club 2001 gründete, ist er stetig gewachsen: Mittlerweile hat er 800 Mitglieder, von Berlin bis Boston, von Helsinki bis Hanoi. All seine Aktivitäten stützt er auf ehrenamtliches Engagement, ein fünfköpfiger Vorstand, angeführt vom Fernsehjournalisten und OSI-Alumnus Christian Walther, leitet die Geschäfte; unterstützt von einzelnen Mitgliedern, die sich um eine Praktikumsbörse kümmern, die Internetseite betreuen und den Print-Newsletter erstellen.

Die Ringvorlesung zum Superwahljahr ging im Sommer zu Ende, nun läuft die Veranstaltungsreihe „Afrika als Wirtschaftsmacht: Wachstumspole, Potentiale und Perspektiven.“ Der Titel erinnert ein wenig an den Club selbst - wirtschaftlich noch keine Macht, aber voller Potential und Perspektiven.

 

Von Katrin Grothe