Martin Posth

Die Beweglichkeit eines Automannes

Martin Posth
Der Unternehmensberater Martin Posth war lange in Vorständen großer Autokonzerne und brachte VW nach China
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03.12.2007

Als Martin Posth 1978 promovierte, war er schon seit fünf Jahren berufstätig. Man kannte ihn als jüngsten Personalvorstand eines Großunternehmens, der die Krise nach der Ölkrise zu meistern hatte. Später war er VW-Chef in Hongkong, schließlich machte er als Pionier in China von sich reden. Heute ist Posth Unternehmensberater vor allem für die asiatischen Märkte.

Die Audivertriebsstätten sollten in den VW-Konzern überführt werden. Posth musste das personalpolitisch umsetzen. Den Betriebsübergang regelt der § 613a BGB, der schließlich Thema von Posths ungeplanter Dissertation wurde. Prof. Franz-Jürgen Säcker vom Institut für Wirtschaftsrecht im Fachbereich Rechtswissenschaft hatte nachgefragt, ob er bei ihm promovieren wolle. „Säcker schöpft Wissen aus der Praxis“, erinnert sich sein Doktorand heute, und er lädt Firmenvorstände in seine Seminare ein, um die praktische Note in die graue Theorie zu bringen. Auch Martin Posth ist immer wieder vortragender Gast in Dahlem.

Dann kam Shanghai. „Shanghai war das Beste in meinem Leben“, erzählt Martin Posth. „Ich habe nie wieder so viel gelernt. Damals wussten wir nicht genug über China" sagt er heute. 1984 kam er nach Anting bei Shanghai, um das Joint-Venture zwischen der staatlichen chinesischen Autofabrik STAC und dem Volkswagen-Konzern vorzubereiten und auf die Beine zu stellen – das erste seiner Art. Die Autofabrik war ein abbruchreifes Abenteuer, Shanghai hatte noch nichts mit der Glitzermetropole zu tun, die es heute auch ist, und „Langnasen“ waren in China anders als heute eine exotische Seltenheit. In dem 50 : 50 Joint-Venture hatte keiner der Partner eine Stimmenmehrheit, bei jeder Entscheidung musste man den Konsens schaffen, Sprachprobleme überwinden und in eine fremde Kultur eintauchen.

Tut man das nicht, wird es teuer, weiß der Chinakenner und geht noch einen Schritt weiter zurück in der Analyse zahlloser gescheiterter Geschäfte deutscher Unternehmen in China. „Das Problem liegt vor dem Problem“, erklärt Posth. „Die deutschen Unternehmen haben Spitzenprodukte, weltbeste Technologie und können sich vor lauter Selbstbewusstsein gar nicht vorstellen, dass sie etwas nicht wissen könnten.“ Erst einmal zuhören und nicht alles von vornherein besser wissen, rät Posth und kommt zum entscheidenden Punkt.

„Die Sprache der Wissenschaft ist so schrecklich“

„Die Menschen sind die spielentscheidende Kraft“, sagt der Personalexperte. „Vergessen Sie China, wenn Sie keine chinafähigen Leute haben, schicken Sie Ihre besten Leute hin und nicht die, die Sie loswerden wollen und gehen Sie davon aus, dass Ihre Geschäftspartner inzwischen an den weltbesten Universitäten studiert haben.“ Fehlende kulturelle Kenntnisse und überhebliches, borniertes Auftreten sind die häufigsten Ursachen für das Scheitern aller Mühen, weiß Posth und bedauert, dass den „weichen Faktoren“ im internationalen Geschäft immer noch zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Das Wissen darüber existiert zwar, aber es wird mit teuren Folgen ignoriert – auch weil es sich nicht verständlich machen kann.

„Die Sprache der Wissenschaft ist so schrecklich“, sagt Posth, „dass ich nicht einmal die Frage begreife. Wie soll ich da die Antwort verstehen?“ Wissenschaft muss konkret sprechen, findet er. Anstatt nur mit sich selbst zu reden, muss sie sich mehr als bisher als einen Teil des Ganzen betrachten und sich gesellschaftlich integrieren. Viel welthaltiges Wissen, das dringend benötigt wird, liegt brach. „Wir verschwenden Geld und vergeuden Zeit“, warnt Posth. Viele Unternehmen machen teure Fehler, weil sie bei konventionellen Unternehmensberatungen nicht das Wissen finden, das sie eigentlich brauchen. Eine Folge mangelnder Kenntnisse sind alle die martialischen Bücher zu China, die derzeit den Markt überschwemmen. „Eine Katastrophe“, sagt der Chinakenner.

„1000 Tage in Shanghai“, Posths Erfahrungen als Pionier in China, sind eine Alternative – seit seinem Erscheinen Ende 2006 steht es auf so mancher Bestsellerliste.

Von Susanne Weiss

Stand 04.06.2011

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