Gesang von Zebrafinken erfolgreich manipuliert

Wissenschaftler der Freien Universität weisen erstmals Zusammenhang zwischen Gendefekt und Spracherwerb nach

Nr. 020/2007 vom 06.12.2007

Wissenschaftlern der Freien Universität um die Biologin Prof. Dr. Constance Scharff ist es durch Versuche mit Zebrafinken erstmals gelungen, einen Zusammenhang zwischen einem Gendefekt und dem korrekten Erwerb von Lautäußerungen nachzuweisen. Die Forscher schalteten dazu bei den Tieren das sogenannte Gen FOXP2 stumm mit der Folge, dass sie schlechter sangen. Die Erkenntnisse sind deshalb bedeutsam, weil das Lernverhalten von Singvögeln als Modell für den menschlichen Spracherwerb gilt. Singvögel erwerben wie Menschen die Sprache durch das Nachahmen von Lauten. Die Ergebnisse der Studie wurde in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift PLoS Biology veröffentlicht.

Die Wissenschaftler manipulierten Gehirngegenden junger Zebrafinken, die für das Erlernen von Gesang wichtig sind, um die Produktion des Gens FOXP2 zu unterbinden. In der Folge konnten die Finken den Gesang ihrer Artgenossen schlechter imitieren: Sie kopierten den Gesang unvollständig und imitierten das, was sie imitierten, schlechter als gewöhnlich. Die Ergebnisse ließen Rückschlüsse auf den Spracherwerb von Menschen zu. Das Gen FOXP2 ist offenbar nicht nur an der Entwicklung von Gehirngegenden beteiligt, die für das Sprechen und Singen wichtig sind, sondern es steuert auch den Erwerb dieser Fähigkeiten, indem es an der Steuerung von Mund, Zunge und Kehlkopf beteiligt ist. Denn Patienten mit Mutationen des Gens FOX2, die unter der Sprachstörung Developmental Verbal Dyspraxia leiden, sprechen vereinfacht – ähnlich den Finken im Versuch. Sie sprechen zudem Worte, die sie benutzen, variabler aus.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Constance Scharff, Institut für Biologie der Freien Universität Berlin,
Telefon: 030 / 838-53848, scharff@zedat.fu-berlin.de