Fokus auf Gender- und Gesundheitsfragen

Irina Catrinel Crăciun hat in diesem Semester die internationale Gastprofessur für Geschlechterforschung an der Freien Universität inne

18.02.2016

Die Gesundheitspsychologin Irina Catrinel Crăciun ist spezialisiert auf Alters- und Geschlechterforschung.
Die Gesundheitspsychologin Irina Catrinel Crăciun ist spezialisiert auf Alters- und Geschlechterforschung. Bildquelle: Privat

Wie gehen arbeitslose Männer und Frauen mit dem Altern um? Warum wissen Frauen in Rumänien so wenig über Hepatitis? Irina Catrinel Crăciuns Forschungsprojekte sind nah an der Lebensrealität vieler Menschen.

Die rumänische Expertin für Gesundheitspsychologie forscht und lehrt seit Oktober 2015 im Rahmen der Gastprofessur „Dahlem International Network Professorship for Gender Studies“ am Arbeitsbereich Qualitative Sozial- und Bildungsforschung der Freien Universität. Nach der kanadischen Politikwissenschaftlerin Verónica Schild und der iranischen Archäologin Leila Papoli Yazdi gibt Crăciun damit der Professur wieder eine neue Richtung.

Die Geschlechterforschung stehe in Rumänien noch sehr am Anfang, sagt Irina Catrinel Crăciun – im Unterschied zu Deutschland: „Die Vernetzung in Deutschland und an der Freien Universität in diesem Bereich ist hervorragend. Es ist toll, auf Tagungen Wissenschaftler aus den verschiedensten Bereichen kennenzulernen, die das Thema aus anderen Blickwinkeln betrachten. Der interdisziplinäre Dialog mit Literatur- und Theaterwissenschaftlern, Medizinern und Soziologen, die alle in irgendeiner Form die Themen Alter und Gender untersuchen, ist wirklich spannend.“

Irina Catrinel Crăciun studierte, lehrte und forschte an der Universität Babes-Bolyai in Cluj-Napoca, Rumänien. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen Gesundheitskommunikation, Gesundheit im Alter sowie die Entwicklung und Evaluation von Präventionsprogrammen mit einem Fokus auf geschlechtsspezifischen Unterschieden. Die Freie Universität ist der Rumänin bereits vertraut: Von 2007 bis 2010 war sie hier Doktorandin der Gesundheitspsychologie; von 2012 bis 2014 kehrte sie für das von der Alexander-von-Humboldt-Stiftung geförderte Forschungsprojekt „Resources for Positive Aging“ („Ressourcen für ein positives Erleben des Alterungsprozesses“) zurück.

Die Herausforderung, auf Deutsch zu unterrichten

Über die internationale Gastprofessur für Geschlechterforschung an der Freien Universität freut sich Crăciun sehr. Auch wenn sie nur über ein Semester laufe, sei es doch eine riesige Chance zum einen allgemein für ausländische Wissenschaftler, das deutsche Universitätssystem kennenzulernen, und zum anderen für Irina Catrinel Crăciun persönlich, da die Genderforschung in Deutschland viel weiter sei als in Rumänien. „Es war ein großer Vorteil, dass ich die Freie Universität bereits kannte und keine lange Eingewöhnungszeit gebraucht habe“, sagt Crăciun. „Für mich bestand die Herausforderung eher darin, auf Deutsch zu unterrichten.“ Im Rahmen der Gastprofessur gibt sie unter anderem eine „Einführung in die qualitative Forschung“ mit dem Schwerpunkt Alters- und Geschlechterforschung.

Auf diese beiden Bereiche spezialisierte sich Irina Catrinel Crăciun nach der Promotion im Rahmen ihrer Stelle an der Universität Babes-Bolyai. „Ich hatte das Glück, dass meine Chefin einige Projekte mit der World Health Organization (WHO) und Unicef durchgeführt hat, vor allem zu den Themen Gewalt gegen Frauen sowie Gesundheit und Sexualität bei Frauen und Männern. Das hat mein Interesse geweckt, und ich wollte unbedingt mehr zu diesen Themen forschen.“

Forschung zu rumänischen Migrantinnen in Deutschland

Momentan arbeitet Crăciun in zwei Forschungsprojekten von Professor Uwe Flick vom Arbeitsbereich Qualitative Sozial- und Bildungsforschung der Freien Universität. „Ich freue mich sehr über die Möglichkeit, dort forschen zu können“, sagt Irina Catrinel Crăciun. In der Studie „MILEA – Migration – Lebenswelt – Arbeitslosigkeit“ untersucht sie, welche Perspektiven arbeitslose Migrantinnen und Migranten aus der Türkei und Russland auf das Altern und die Gesundheit im Alter haben. Dabei gehe es auch um Bewältigungsmechanismen, wie Menschen – vor allem ältere – mit der Arbeitslosigkeit umgehen und ob dies bei Männern und Frauen unterschiedlich ist.

In dem Projekt „PALQUALSUM: Palliative Lebensqualität – Inanspruchnahme von Versorgungsangeboten durch russischsprachige Migrantinnen und Migranten“ betrachtet Crăciun die Erfahrungen von Menschen, die schwerkranke Angehörige bis zu deren Tod pflegen, und untersucht, ob es eventuelle Unterschiede zwischen Männern und Frauen im Umgang mit dem Sterben gibt.

Derzeit plant die Gastprofessorin ein Forschungsprojekt zur Hepatitis-Prävention. Im Fokus steht dabei, wie sich das Gesundheitswissen von schwangeren rumänischen Migrantinnen in Deutschland verbessern lässt, sodass sie sich vor einer Erkrankung schützen können. „Rumänien ist das Land mit den häufigsten Hepatitis-Erkrankungen in Europa“, sagt Crăciun. Aus anderen Gesundheitspsychologiestudien sei bekannt, dass die rumänische Bevölkerung kaum Präventionsmaßnahmen in Anspruch nehme und generell die Menschen wenig über die Krankheit sprächen. „In diesem Bereich gibt es noch viel zu untersuchen“, sagt Crăciun. Wenn das auf drei Jahre angelegte Projekt gefördert wird, könnte die Arbeit ab April anfangen – und Irina Catrinel Crăciun ihre Forschung an der Freien Universität fortführen.

Weitere Informationen

Die Gleichstellung der Geschlechter und die Förderung der Geschlechterforschung ist seit mehr als drei Jahrzehnten im Selbstverständnis der Freien Universität verankert und deshalb auch zentraler Bestandteil ihres Zukunftskonzepts, mit dem die Universität in der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder 2012 erneut erfolgreich gewesen ist. Die im Wintersemester 2013/2014 eingerichtete Gastprofessur „Dahlem International Network Professorship for Gender Studies“ unterstützt die Aktivitäten zur Verstärkung der internationalen Ausrichtung der Geschlechterforschung an der Freien Universität. Sie wird jährlich an eine herausragende Wissenschaftlerin oder einen herausragenden Wissenschaftler auf diesem Gebiet vergeben.

Kontakt

  • Dr. Nina Diezemann, Presse und Kommunikation, Freie Universität Berlin, Telefon 030 / 838-73190, E-Mail: nina.diezemann@fu-berlin.de