Der Regen bringt es an den Tag

Der britische Archäologe Kevin Lane ist Alexander von Humboldt-Stipendiat an der Freien Universität

03.05.2012

Der britische Archäologe Dr. Kevin John Lane forscht am Prähistorischen Institut der Freien Universität und als Gast von Prof. Dr. Michael Meyer, Topoi-Sprecher der Freien Universität Berlin.
Der britische Archäologe Dr. Kevin Lane forscht am Prähistorischen Institut der Freien Universität und als Gast von Prof. Dr. Michael Meyer, Topoi-Sprecher der Freien Universität Berlin. Bildquelle: Verena Blindow

Seine Karriere als Archäologe hat Kevin Lane einem starken Regenguss und einer großen Portion Zufall zu verdanken. Als Sechsjähriger machte der Brite in seinem Geburtsort Gibraltar seinen ersten Fund: Teile eines menschlichen Skeletts, die, eingegraben hinter der Stadtmauer von Gibraltar, durch heftige Regenfälle freigeschwemmt worden waren. Der heute 40-jährige promovierte Archäologe forscht zurzeit als Alexander von Humboldt-Stipendiat an der Freien Universität Berlin.

Für einen gestandenen Archäologen wäre der Fund an diesem Ort vielleicht nichts Ungewöhnliches gewesen, da im 19. Jahrhundert die Opfer von Epidemien üblicherweise in Massengräbern nahe der Stadtgrenze bestattet wurden. Doch für den jungen Kevin Lane war das Abenteuer der Beginn seiner archäologischen Laufbahn.

Nach seinem Bachelor- und Masterstudium in Großbritannien wurde Lane an der University of Cambridge promoviert: mit einer Arbeit über die Zusammenhänge von Gesellschaft und Wirtschaft im Norden Perus zur Zeit der Inkakultur. Obwohl sich sein Forschungsinteresse seitdem hauptsächlich auf Peru richtet, wendet er sich gegenwärtig einem anderen südamerikanischen Land zu: Argentinien.

Als Stipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung forscht Kevin Lane zurzeit am Institut für Prähistorische Archäologie der Freien Universität Berlin. Gemeinsam mit seinem Gastgeber und Mentor Professor Michael Meyer hat Lane ein Forschungsprojekt entwickelt, in dessen Mittelpunkt ein grundsätzlicher Vergleich zwischen dem Inka-Reich und dem Römischen Reich steht. Untersucht wird die Beziehung  zwischen kolonialisierten Einheimischen und ihren unabhängigen Nachbarn.

 Als Beispiel nennt Lane das Kopieren militärischer Strategien: „Als die Inkas anfingen, die Stämme im südlichen Teil ihres Reiches zu erobern, haben andere Stämme die Eroberungsstrategien übernommen, weil sie gesehen haben, dass sie funktionieren.“ Lane vergleicht die Situation an der germanisch-römischen Grenze an Rhein und Elbe mit der südlichen Grenze des Inka-Reichs im Nordwesten Argentiniens. Er hofft auch, durch seine Arbeit Wissenschaftler aus Europa und Südamerika zusammenführen und das allgemeine Interesse an dem Thema stärken zu können.

Der britische Wissenschaftler kam 1994 zum ersten Mal nach Berlin, wo er fünfeinhalb Jahre lang als Archäologe für verschiedene Firmen arbeitete. In dieser Zeit lernte er Deutsch und traf mit Professor Michael Meyer – seit 2011 Direktor des Exzellenzclusters Topoi –  zusammen, der ihn 2010 nach Berlin einlud. An der Freien Universität fühle er sich sehr wohl, sagt Lane. Er hofft, auch nach Abschluss des Forschungsprojekts  mit den Wissenschaftlern der Freien Universität in Kontakt zu bleiben. Was dann folgt? „Ich habe viele Möglichkeiten“, sagt Lane. „Sehen wir mal, was die Zukunft bringt.“

Weitere Informationen

Kevin Lane, Freie Universität Berlin, Institut für Prähistorische Archäologie, E-Mail: kevin.lane.72@googlemail.com