Alle Sprachen Berlins

Öffentliche Konferenz zur Sprachenvielfalt in Berlin am 30. September und 1. Oktober 2016 an der Freien Universität Berlin

Nr. 195/2016 vom 06.06.2016

Die Sprachenvielfalt Berlins steht im Fokus einer Konferenz am 30. September und 1. Oktober 2016 an der Freien Universität Berlin. „Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland betrachten während dieser beiden Tage die verschiedenen Formen sprachlicher Vielfalt in Berlin“, erklärt Britta Schneider vom Institut für Englische Philologie, die die Tagung gemeinsam mit Ferdinand von Mengden und Theresa Heyd organisiert hat. Nicht eine einzelne Sprache werde in den Blick genommen, sondern die Stadt selbst zum Untersuchungsgegenstand – als Ort, in dem viele Sprachen nebeneinander verwendet werden und dabei jeweils eine sehr unterschiedliche Geschichte und gesellschaftliche Funktion haben. Die Konferenzsprache ist Englisch. Die Veranstaltung ist öffentlich. Die Tagungsgebühr beträgt 20 Euro, ermäßigt 10 Euro. Um Anmeldung wird gebeten.

Die Teilnehmer der Konferenz beginnen mit einer illustrativ-beschreibenden Bestandsaufnahme der kaleidoskophaften Verschiedenartigkeit der Funktionen von Sprachen und sprachlichen Praktiken im heutigen Berlin und diskutieren über theoretische sprachwissenschaftliche Fragen. Es geht dabei beispielsweise um Fragen wie nach der Rolle ökonomischer Prozesse bei der Entstehung von Sprachräumen. „Wie interagieren online- und offline-Diskurse bei der Produktion von Sprachräumen?“ und „Wie reagieren staatliche Institutionen auf sprachliche Vielfalt – welche symbolischen Auf- und Abwertungsprozesse finden bei der Konstruktion und institutionellen Verankerung von Sprachgebrauch statt?“ „Wie lassen sich Sprache und Raum konzeptualisieren, wenn Sprache, Kultur und Territorium nicht kongruent zueinander sind?“

„Die Besonderheiten Berlins als ehemals geteilter Stadt lenkt die Aufmerksamkeit auf die Tatsache, dass Städte nicht ‚einfach so‘ mehrsprachig sind, sondern dass globale politische, ökonomische und kulturelle Prozesse die sprachliche Landschaft und auch das Ansehen von Sprachen prägen“, erklärt Theresa Heyd. So sei es kein Zufall, dass Türkisch eher in westlichen Teilen der Stadt zu finden ist und der Berliner Dialekt im Osten deutlicher zu hören sei; Englisch wiederum eher wenig in Spandau und Marzahn. Gleichzeitig lasse sich Berlins jüngste Wandlung hin zu einer ‚globalen Stadt‘ des postnationalen Zeitalters am urbanen Sprachgebrauch im wahrsten Sinne des Wortes ablesen. „Dass Texte wie Speisekarten, Party-Flyer und Immobilienanzeigen wie selbstverständlich auf das Englische zurückgreifen, deutet auf die Entstehung einer anglophonen Kultur in der Stadt hin, die wiederum als Standortvorteil eingestuft wird“, erläutert Britta Schneider. „Alle Sprachen haben so ihre eigene Geschichte und Platzierung, verbunden mit ökonomischen Aspirationen oder Zwängen, mit ‚großer’ Politik, mit Lifestyle-Trends und Popgeschichte, mit lokalen Mietenniveaus und nationaler Historie“, sagt Ferdinand von Mengden. Sie machten Berlin zu einem Knotenpunkt in einer global vernetzten Welt; hier sei sprachliche Vielfalt Ausdruck historischer und aktueller, sozialer, ökonomischer und politischer und dabei immer auch transnationaler Prozesse.

Weitere Informationen

Zeit und Ort

  • Freitag, 30. September und Samstag, 1. Oktober 2016
  • Freie Universität Berlin, Habelschwerdter Allee 45, Raum J 32/102, 14195 Berlin. S- und U-Bahnhof Thielplatz (U3) oder Lichterfelde West (S1)

Kontakt

  • Theresa Heyd, Institut für Englische Philologie der Freien Universität Berlin, Telefon: 030 / 838-57684, E-Mail: theresa.heyd@fu-berlin.de
  • Ferdinand von Mengden, Institut für Englische Philologie der Freien Universität Berlin, Telefon: 030 / 838-72340, E-Mail: f.vm@fu-berlin.de
  • Britta Schneider, Institut für Englische Philologie der Freien Universität Berlin, Telefon: 030 / 838-72333, E-Mail: britta.schneider@fu-berlin.de

Im Internet

www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de/en/v/socling-berlin2016/index.html