Scherer-Preis 2016

Nachwuchspreis für Germanistik der Humboldt-Universität und der Freien Universität Berlin verliehen

Nr. 112/2016 vom 18.04.2016

Die Literaturwissenschaftlerin Anna-Lena Scholz wird für ihre an der Freien Universität Berlin vorgelegte Dissertation mit dem Scherer-Preis 2016 ausgezeichnet. Sie wird für ihre Arbeit zum Thema „Kleist/Kafka – Diskursgeschichte einer Konstellation“ geehrt. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis wird am 21. April 2016 im Rahmen eines festlichen Abendessens in Berlin verliehen.

„Anna-Lena Scholz gelingt mit ihrer Dissertation innovativ das methodologische Experiment, die Rezeption der Autoren Heinrich von Kleist und Franz Kafka als diskurshistorisches Phänomen der germanistischen Theoriegeschichte zu betrachten. Mit Anna-Lena Scholz‘ Arbeit sowie dem anderen für den Scherer-Preis 2016 eingereichten Bewerbungen sei sehr eindrucksvoll die Bandbreite neuer literaturwissenschaftlicher Forschungen demonstriert worden“, betont Nils Fiebig, Sprecher des Vorstandes der Richard M. Meyer Stiftung.

Seit den 1950er Jahren gilt es als ausgemacht, dass Kleist und Kafka eine genuin literarische Verwandtschaft prägt. Anna-Lena Scholz wählte die beiden Autoren für ihre Dissertation jedoch nicht im Blick auf deren jeweiliges Werk, sondern als Referenz für ihre Untersuchung über theoretische Diskurse des 20. Jahrhunderts, die gerade einen literaturhistorischen Mythos um die Verwandtschaft der beiden Autoren etablierten. Mit einem Parcours durch die germanistische Intellektualitäts- und Theoriegeschichte des 20. Jahrhunderts zeichnet die Preisträgerin mit ihrer Dissertation die Transformation literarischer Texte nach, analysiert die germanistischen Kanonisierungsprozesse Kleists und Kafkas und zeigt, wie die Autoren für ästhetische und politische Debatten instrumentalisiert wurden. Die Dissertation wurde an der Freien Universität Berlin von Prof. Dr. Anne Fleig betreut.

Anna-Lena Scholz ist freie Journalistin und schreibt über Hochschulpolitik und Geisteswissenschaften. Von 2010 bis 2014 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Deutsche und Niederländische Philologie der Freien Universität Berlin. Zuvor war sie Mitglied des PhD Net „Das Wissen der Literatur“ an der Humboldt-Universität zu Berlin und Gastdoktorandin am German Department der University of California, Berkeley. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der deutschen Literatur und Philosophie des 20. Jahrhunderts, der Gegenwartsliteratur (insbesondere von Autorinnen), in feministischer Theorie und literaturwissenschaftlicher Geschlechterforschung. Ihre Aufsätze befassen sich mit Elfriede Jelineks „Die Klavierspielerin“, Heinrich von Kleists „Penthesilea“, Georg Büchners „Lenz“ und – gemeinsam mit Anne Fleig – den Romanen von Olga Grjasnowa. Die Dissertation „Kleist/Kafka – Diskursgeschichte einer Konstellation“ erscheint im Juni 2016 im Rombach-Verlag.

Der Scherer-Preis wird alle zwei Jahre von der Richard M. Meyer Stiftung in Kooperation mit der Humboldt-Universität zu Berlin und der Freien Universität Berlin für Dissertationen oder Habilitationen auf dem Gebiet der älteren und neueren deutschen Literatur vergeben.

Mitglieder des Fachbeirates für den Scherer-Preis 2016 waren Prof. Dr. Britta Herrmann, Westfälische Wilhelms-Universität, Münster, Prof. Dr. Cornelia Ortlieb, FAU Erlangen-Nürnberg und Prof. Dr. Nicolas Pethes, Universität Köln.

Preisträger des Scherer-Preis

2010 Thomas Wegmann
Dichtung und Warenzeichen – Zur Beobachtung und Bearbeitung von Reklame im literarischen Umfeld 1850-2000

2012 Charlotte Kurbjuhn
„Eine Spur auf dem Grunde der Einbildungskraft“ Zur Beobachtung der ästhetischen Denkfigur „Kontur“

2014 Burkhardt Wolf
Fortuna di mare – Literatur und Seefahrt

2016 Anna-Lena Scholz
Kleist/Kafka – Diskursgeschichte einer Konstellation

Weitere Informationen

Kontakt

Carsten Wette

Freie Universität Berlin
Tel. + 49 (0)30 838-73189
carsten.wette@fu-berlin.de

Ibou Diop

Humboldt-Universität zu Berlin
Tel. +49 (0)30 20932945
ibou.diop.1@uv.hu-berlin.de

Nils Fiebig

Richard M. Meyer Stiftung
Tel. + 49 (0)40 22759067
n.fiebig@richard-m-meyer-stiftung.de