Berliner Literaturpreis 2016 an Feridun Zaimoglu verliehen

Preisträger auf die Heiner-Müller-Gastprofessur für deutschsprachige Poetik an der Freien Universität Berlin berufen

Nr. 046/2016 vom 17.02.2016

Der Schriftsteller Feridun Zaimoglu hat den Berliner Literaturpreis 2016 der Stiftung Preußische Seehandlung erhalten. Er erhielt die Ehrung am Mittwochabend im Berliner Rathaus aus den Händen des Regierenden Bürgermeisters von Berlin und Vorsitzenden des Rates der Stiftung Preußische Seehandlung Michael Müller. Der Präsident der Freien Universität Berlin, Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Peter-André Alt, würdigte Feridun Zaimoglu im Namen der Jury als einen Autor, der durch sein „sprachgewaltiges erzählerisches und dramatisches Werk“ überzeuge. „Abseitsstehende und Ausgegrenzte“ seien bei ihm zentrale Figuren und Akteure. Alt berief den Schriftsteller auf die mit dem Preis verbundene Heiner-Müller-Gastprofessur für deutschsprachige Poetik am Peter-Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft im Sommersemester 2016.

Prof. Dr. Peter-André Alt betonte, die Freie Universität zeige mit dieser Verbindung zwischen Literaturpreis und Gastprofessur, wie sehr ihr die Begegnung zwischen literarischer Praxis und Wissenschaft am Herzen liege. Die kreative und die akademisch-wissenschaftliche Welt zusammenzubringen, sei der Hochschule ein wichtiges Anliegen. „In den Geisteswissenschaften weltweit herausragend, möchte die Freie Universität den Dialog durch Wissenschaft fördern und einen Raum für den Austausch zwischen literarischem Schreiben und Philologie, zwischen Weltliteratur und Poetik schaffen“, erklärte Alt. Die durchaus kontroversen Beiträge Studierender wie Lehrender der Freien Universität zu aktuellen gesellschaftlichen Debatten würden breit rezipiert. An Feridun Zaimoglu gerichtet unterstrich Alt, dieser werde an der Freien Universität demnach „ein anregendes und herausforderndes Umfeld finden“. Der Universitätspräsident dankte zudem der Stiftung Preußische Seehandlung für ihr Engagement und die langjährige gute Zusammenarbeit.

„Zaimoglus Leben und sein Werk spiegeln zentrale Themen unserer Stadt wider“, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller. Er würdigte Feridun Zaimoglu als „genauen und wichtigen Beobachter unserer Gesellschaft“. Seine Erzählweise und seine Sprache träfen jenen Punkt, „an dem es auch manchmal weh tut“. „Nicht zuletzt wird durch seine meisterhafte Sprachkunst erfahrbar, was Fremdsein und was Integration bedeuten“, sagte Müller. Die Laudatio auf Feridun Zaimoglu hielt die Publizistin und Journalistin Dr. Wiebke Porombka.

Zaimoglu wurde 1964 im türkischen Bolu geboren und lebt seit 50 Jahren in Deutschland. In seinem Debüt „Kanak Sprak“ (1995) fand und erfand er eine Sprache für „Mißtöne vom Rande der Gesellschaft“, wie die Jury betonte. Weiter hieß es: „Vielstimmig gestaltet er die Erfahrungen von Einwanderern und Migrantinnen („Leyla“, 2006). Er hat rund ein Dutzend Theaterstücke geschrieben und Shakespeares berühmteste Dramen in eine drastisch-gegenwärtige Sprache übersetzt. Zaimoglu gebietet über das gesamte Repertoire der deutschen Literatur, erzählt anschaulich und burlesk, originell und anspielungsreich, plastisch und unromantisch zugleich. Sein jüngster Roman, die west-östliche Familiensaga „Siebentürmeviertel“ (2015), bettet die Geschichte deutscher Emigranten der dreißiger Jahre in ein Gesellschaftspanorama der frühen Türkei ein, changierend zwischen Pathos und Ironie, Schmerz und Schönheit."

Der mit 30.000 Euro dotierte Preis der Stiftung Preußische Seehandlung und die damit verbundene Gastprofessur an der Freien Universität bestehen seit 2005. Ausgezeichnet werden Autorinnen und Autoren, die mit ihrem literarischen Werk in den Gattungen Erzählende und Dramatische Literatur sowie Lyrik einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur geleistet haben. Die Professur bietet den Preisträgern jeweils im Sommersemester ein Forum für die Textarbeit mit Studierenden der Hochschulen in Berlin und Brandenburg. Bisherige Preisträger und Dozenten waren Herta Müller, Durs Grünbein, Ilija Trojanow, Ulrich Peltzer, Dea Loher, Sibylle Lewitscharoff, Thomas Lehr, Rainald Goetz, Lukas Bärfuss, Hans Joachim Schädlich und Olga Martynova. Der Jury des Berliner Literaturpreises 2016 gehören Peter-André Alt, Sonja Anders, Jens Bisky, Ina Hartwig und Thomas Wohlfahrt an.

Weitere Informationen

  • Dr. Ute Bredemeyer, Stiftung Preußische Seehandlung, Tel.: 030 / 30308792
  • Carsten Wette, Freie Universität Berlin, Tel.: 030 / 838-731 89