Konferenz zu menschlichem Verhalten im Art- und Kulturvergleich

Gemeinsames Symposium an der Freien Universität Berlin und der Universität Leipzig 6. und 7. November

Nr. 341/2015 vom 03.11.2015

Was bedeutet es eigentlich, sich "wie ein Mensch" zu verhalten? Eine kleine Gruppe Forscher in Deutschland nähert sich dieser Frage, indem sie den Menschen mit "anderen Primaten" und die verschiedenen menschlichen Kulturen untereinander vergleicht. Mit diesem bislang in der deutschen Forschungslandschaft noch wenig verbreiteten art- und kulturvergleichenden Ansatz beschäftigen sich Wissenschaftler auf einer Tagung an der Freien Universität Berlin und der Universität Leipzig am 6. und 7. November 2015. Die Tagung wurde von Katja Liebal, Professorin für Vergleichende Entwicklungspsychologie an der Freien Universität Berlin, und Daniel Haun, Professor für frühkindliche Entwicklung und Kultur an der Universität Leipzig, gemeinsam konzipiert.

Mit dem Symposium "Why C(omp)are?" wollen die beiden Initiatoren die wissenschaftliche Gemeinschaft mobilisieren, die sich im deutschsprachigen Raum mit diesem Themenbereich beschäftigt. Für ihre Konferenz konnten die Wissenschaftler so renommierte Forscher gewinnen wie Heidi Keller (Hebrew University Jerusalem), Julia Fischer (Universität Göttingen), Michael Tomasello (Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie), Josep Call (University of St. Andrews), Russell Gray (Max Planck Institut für Menschheitsgeschichte), Andrea Bender und Sieghaft Beller (University of Bergen) oder Carel van Schaik (Universität Zürich).

"Wir möchten mehr Wissenschaftler für vergleichende Forschung begeistern und Wege finden, dieses Thema weiter voranzubringen", sagt Haun, der seit einigen Monaten an der Universität Leipzig das "Leipziger Forschungszentrum für frühkindliche Entwicklung" aufbaut.

Der erste Konferenztag an der Freien Universität Berlin am 6. November befasst sich mit der Gegenüberstellung von menschlichem Verhalten und dem der anderen Primaten. "Durch den Vergleich von Menschen mit anderen, den Menschen nah verwandten Arten wie Schimpansen oder Orang-Utans, werden jene Eigenschaften sichtbar, die uns Menschen überhaupt erst zum Menschen machen," erklärt Katja Liebal. Die etwa 170 Tagungsteilnehmer aus Deutschland, Österreich, Dänemark und der Schweiz stellen sich am ersten Tag der Konferenz unter anderem die Fragen: Was sind  Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen menschlicher Sprache und der Kommunikation anderer Primaten? Welche Unterschiede gibt es zwischen Primaten in ihrer Fähigkeit zur Kooperation und welche evolutionäre Geschichte steht hinter diesen Unterschieden?

Der zweite Konferenztag am 7. November an der Universität Leipzig thematisiert die Unterschiede zwischen menschlichen Kulturen. "Der Mensch ist ein kulturelles Wesen. Er formt Kultur und wird durch sie geformt. Die resultierenden Unterschiede zwischen Mitgliedern verschiedener Kulturen, aber auch die interkulturelle Gemeinsamkeiten, nutzen wir, um den Menschen im Kern verstehen zu können", erklärt Daniel Haun. Am zweiten Tag der Konferenz widmen sich die Teilnehmer unter anderem den Fragen: Was sind Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Denken und Handeln zwischen Menschen verschiedener Kulturen? Wie entwickeln sich kleine Kinder in verschiedenen kulturellen Kontexten? Wie können wir kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten nutzen, um den Menschen und seine Geschichte zu verstehen? "Und nicht zuletzt werden wir uns fragen, ob es so etwas wie kulturelle Unterschiede auch bei uns nah verwandten Arten wie Schimpansen oder Orang-Utans gibt. Und so schließt sich der Kreis", sagt Haun.

Weitere Informationen

Veranstaltungswebsite

http://www.ewi-psy.fu-berlin.de/en/einrichtungen/arbeitsbereiche/evolutionaere_psy/Symposium-2015/index.html

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Lesen Sie auch ein Interview mit Professorin Katja Liebal in campus.leben.