DFG bewilligt Kolleg-Forschergruppe zur Rolle des Völkerrechts im globalen Wandel

Kooperationen der Humboldt-Universität zu Berlin, der Universität Potsdam und der Freien Universität Berlin

Nr. 436/2014 vom 17.12.2014

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Freien Universität Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) und der Universität Potsdam bilden den Kern einer neuen Kolleg-Forschergruppe „The International Rule of Law – Rise or Decline? – Zur Rolle des Völkerrechts im globalen Wandel“. Das Projekt wird als eine von bundesweit fünf neu bewilligten Forschergruppen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zunächst bis 2019 finanziert.

Seit einiger Zeit gibt es Entwicklungen, welche die Vorstellung einer wertgebundenen Verrechtlichung auf globaler Ebene infrage stellen. Hierbei handelt es nicht nur um einzelne zwischenstaatliche Krisen, etwa die Ukraine-Krise oder seerechtliche Territorialstreitigkeiten in Ost- und Südostasien, die eine Verstärkung von Denken in geopolitischen Einflussräumen nahelegen. Auch Versuche von Staaten, drängende globale Aufgaben durch völkerrechtliche Rechtssetzung anzugehen, stoßen auf Schwierigkeiten, etwa im Bereich des Klimaschutzes oder Welthandelssystems. Während der völkerrechtliche Diskurs ungeachtet dieser Entwicklungen weiterhin durch den Gedanken einer zunehmenden Ersetzung des Denkens in Kategorien nationalstaatlicher Souveränität durch Verantwortung gegenüber der Weltgemeinschaft geprägt wird, gibt es Phänomene, die eine Abschwächung des Einflusses des Völkerrechts nahelegen und Fragen in Hinblick auf einen möglichen Wandel von dessen Rolle aufwerfen. Lässt sich unter diesen Bedingungen weiterhin eine wertorientierte Verrechtlichung der internationalen Beziehungen wahrnehmen, oder wird diese Entwicklung durch Reformalisierungs- oder gar Entrechtlichungsprozesse abgelöst? Oder beobachten wir heute bloße Verzögerungen eines langfristigen wertorientierten Verrechtlichungsprozesses?

Ziel der Kolleg-Forschergruppe ist es, erkennbare Veränderungsprozesse des Völkerrechts und seiner Voraussetzungen in interdisziplinärer Zusammenarbeit zu beleuchten und auf deren normative Bedeutung hin zu bewerten. Dies erfordert, Perspektiven der Politikwissenschaft einzubeziehen, insbesondere der Theorie und der Praxis der internationalen Beziehungen. Im interdisziplinären Dialog sollen einerseits Wahrnehmungsdivergenzen betrachtet werden, andererseits aber auch die relative Bedeutung einzelner Tendenzen im Hinblick auf die Zukunft des Völkerrechts als zentraler normativer Ordnung der internationalen Beziehungen bewertet werden.

Die Kolleg-Forschergruppe

Die Kolleg-Forschergruppe besteht aus den drei antragstellenden Völkerrechtlerinnen und -wissenschaftler Prof. Dr. Heike Krieger, Prof. Dr. Georg Nolte (HU) und Prof. Dr. Andreas Zimmermann (Universität Potsdam) sowie den beteiligten drei Politikwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler Prof. Dr. Markus Jachtenfuchs (Hertie School of Governance, Prof. Dr. Andrea Liese (Universität Potsdam) und Prof. Dr. Michael Zürn (Wissenschaftszentrum Berlin). Hinzu kommen Senior Fellows, Junior Fellows, ein Practitioner-in-Residence und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Kolleg-Forschergruppe wird an der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität untergebracht.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Georg Nolte, Humboldt-Universität zu Berlin, Sprecher der Kolleg-Forschergruppe, Tel.: 030 2093-3349, E-Mail: georg.nolte@jura.hu-berlin.de