Unterwegs mit den Buchpiraten

Lesung und Gespräch zum Thema Piraterie in Literatur und Kunst am 6. Dezember 2014 um 17 Uhr in der Literaturwerkstatt Berlin

Nr. 414/2014 vom 27.11.2014

Piraten entern, erobern, nehmen in Besitz. Buchpiraten entern fremde Bücher. Immer mehr Autoren bedienen sich in diesem Sinne am Fundus der Tradition: Werke der Weltliteratur werden abgeschrieben, gekürzt, alphabetisch sortiert oder einfach kopiert und unter eigenem Namen publiziert. Diese Formen der Aneignung sind Thema einer Veranstaltung am 6. Dezember 2014 um 17 Uhr in der Literaturwerkstatt Berlin. „Inzwischen hat die Zahl der Pirateneditionen die kritische Masse überschritten“, sagt Annette Gilbert, Literaturwissenschaftlerin von der Freien Universität und Herausgeberin der kürzlich erschienenen Anthologie Reprint. Appropriation (&) Literature (luxbooks, 2014), die die Veranstaltung einleiten wird. Im Folgenden stellen Künstler aus dem In- und Ausland ihre Werke, die sich als „Original Pirate Material“ (originalkopiertes Material) bezeichnen lassen, vor. Moderiert wird die Veranstaltung von der Berliner Literaturwissenschaftlerin Maria Zinfert. Die fremdsprachlichen Teile der Veranstaltung werden ins Deutsche übersetzt. Die Veranstaltung der Literaturwerkstatt Berlin ist öffentlich, der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 3 Euro.

„Dass sich die Lektüre dieser angeeigneten Texte lohnt, möchten wir an diesem Abend unter Beweis stellen“, erklärt Annette Gilbert. Die Künstler, die ihre Werke im Rahmen der Lesung präsentieren, stehen für unterschiedliche Formen der Aneignung: Der britische Künstler Simon Morris wird am Beispiel von vier seiner experimentellen Werke – unter anderem zu Freud, Kerouac und Perec – eine Poetik des Anderslesens entwerfen: Eating the Book (Das Buch essen). Jérémie Bennequin, Künstler aus Frankreich, wird sein neues Buch OMAGE à Broodthaers et Mallarmé präsentieren. Und Michalis Pichler aus Deutschland wird seine Versionen von Mallarmés Würfelwurf und Statements zur Appropriation sowie Gedichte und andere postnative Manifestationen vorstellen. Darüber hinaus wird der schwedische Soundpoet Pär Thörn gemeinsam mit der Berliner Tänzerin Takako Suzuki das alphabetisch geordnete Wortmaterial aus Strindbergs Roman Röda rummet (Das rote Zimmer) effektvoll zu Gehör bringen.

Die Veranstaltung der Literaturwerkstatt Berlin wird unterstützt von der Freien Universität Berlin und der Volkswagen-Stiftung.

Zeit und Ort

  • Samstag, 6. Dezember 2014, um 17.00 Uhr
  • Literaturwerkstatt Berlin, Knaackstr. 97 (Kulturbrauerei), 10435 Berlin. U-Bahnhof Eberswalderstraße (U2)

Im Internet

Weitere Informationen

Dr. Annette Gilbert, Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Freien Universität Berlin, E-Mail: annette.gilbert@fu-berlin.de