Die neue Seidenstraße?

PD Dr. Lutz Mez vom Berlin Centre for Caspian Region Studies der Freien Universität: „Transportweg zwischen Europa und Asien bietet enorme wirtschaftliche Chancen“

Nr. 412/2014 vom 26.11.2014

Der Transportweg auf der Schiene zwischen Europa und Asien bietet nach Ansicht von PD Dr. Lutz Mez vom Berlin Centre for Caspian Region Studies der Freien Universität enorme wirtschaftliche Zukunftschancen, vor allem für Zentralasien selbst. Seit dem Sommer 2014 werden Container per Güterzug zwischen Deutschland und China in beide Richtungen binnen 15 Tagen transportiert und damit doppelt so schnell wie per Schiff, hob der Politologe hervor. – Die Schienenverbindung ist ein Teilstück der mehr als 10.000 Kilometer langen sogenannten neuen Seidenstraße, in der Deutschland eine Schlüsselrolle einnimmt. Die geopolitischen Herausforderungen, wirtschaftlichen Möglichkeiten und Perspektiven des eurasischen Transportmarktes waren kürzlich Thema der ersten internationalen Konferenz „Eurasian Transport Integration“ (ETI) in der kasachischen Hauptstadt Astana.

„In den vergangenen Jahren hat sich der Eurasische Kontinent als geopolitische und geoökonomische Einheit rasant weiterentwickelt“, sagte Lutz Mez. Er reiche heute von Südostasien über Zentral- und Westasien, die Türkei, Iran und Russland bis nach Südost- und Westeuropa, außerdem umspanne er über die Arabische Halbinsel hinaus Staaten Ost-Afrikas. Die alte Seidenstraße war ein Netz von Karawanenstraßen, das über tausend Jahre den Fernen Osten mit Europa verband und auf der Handelsgüter sowie Kultur- und Techniktransfer transportiert wurden.

An der Konferenz in Astana nahmen mehr als 230 Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft teil und erörterten die Zukunft der kontinentalen Handels- und Transportintegration. Veranstalter der Konferenz waren das Berlin Centre for Caspian Region Studies der Freien Universität Berlin sowie das Institute of World Economy and Politics (IWEP). Konzipiert wurde die Veranstaltung von Jacopo Pepe, der am BC CARE der Freien Universität als Doktorand tätig ist. Die Konferenz soll in Zukunft jährlich stattfinden, um die geopolitischen Herausforderungen, die wirtschaftlichen Möglichkeiten und die Perspektiven des Eurasischen Transport-Marktes zu thematisieren und gemeinsame Lösungen für Probleme zu erarbeiten.

Der Präsident der Deutsch-Kasachischen Universität in Almaty – der früheren Hauptstadt Kasachstans – und ehemalige Präsident der Freien Universität, Prof. Dr. Johann W. Gerlach sagte: „Der Ausbau der Logistik in Kasachstan und in den anderen zentralasiatischen Ländern ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Entwicklung dieser Länder und ihre wirtschaftliche Zukunft im Zuge der Transport-Integration in Eurasien.“

Prof. Dr. Frederick S. Starr, Chairman des Central Asia-Caucasus Institute und des Silk Road Studies Program der Johns Hopkins University betonte, dass die Wiederentdeckung der Vielzahl alter Handelswege zwischen Europa und Asien ein großer Schritt hin zu einer engeren Kooperation der fünf zentralasiatischen Staaten sei. Ein konkreter Erfolg der Konferenz sei die Gründung einer zentralasiatischen Industrie- und Handelskammer, einschließlich Afghanistans.

Weitere Informationen

PD Dr. Lutz Mez, Berlin Centre for Caspian Region Studies, Tel.: 030 / 838-55585, E-Mail: lutz.mez@fu-berlin.de