Übungswissen in Religion und Philosophie

Internationale Konferenz an der Freien Universität Berlin zum Thema Übungswissen am 4. und 5. Dezember 2014

Nr. 410/2014 vom 25.11.2014

Die Produktion, Weitergabe und der Wandel von sogenanntem „Übungswissen“ ist Thema einer Tagung am 4. und 5. Dezember 2014 an der Freien Universität. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer befassen sich dabei mit der Leitthese, der zufolge sich Wissen durch beständiges Wiederholen in Übungen verändert. Diese wird in interdisziplinären Gesprächen diskutiert und mit Beispielen in Verbindung gebracht, die eine Stabilisierung von Wissensbeständen durch Einübung bezeugen. An der Konferenz beteiligt sind Wissenschaftler aus dem In- und Ausland und zahlreiche Vertreter des Sonderforschungsbereiches (SFB) 980 „Episteme in Bewegung. Wissenstransfer von der Alten Welt bis in die Frühe Neuzeit“. Die Konferenz wurde initiiert vom SFB-Teilprojekt „Askese in Bewegung: Formen und Transfer von Übungswissen in Antike und Spätantike“ unter der Leitung von Prof. Dr. Almut-Barbara Renger. Die Veranstaltung ist öffentlich, der Eintritt frei.

In vielen vormodernen Religionen und Philosophien war die regelmäßige Durchführung geistiger und körperlicher Übungen von fundamentaler Bedeutung für die Erfüllung inner- und außerweltlicher Zwecke und Ziele, darunter Reinigung und Erlösung, Charakterformung, Seelenruhe und Glück. Die Konferenz nimmt solche Übungen – moralische, dialogische sowie dietätische und gymnastische – sowie ihre Methoden und Zielsetzungen in den Blick. Es geht dabei vor allem um Prozesse der Produktion, Weitergabe und Veränderung von Wissen, die mit den Übungen verbunden waren. Ziel der Tagung ist es, anhand allgemeiner theoretischer Überlegungen und des Einbeziehens historischer Quellen aus dem euroasiatischen Raum den Zusammenhängen zwischen wiederholender Übung, Wissensgenerierung und -wandel nachzugehen und die Entwicklung der wissenschaftlichen Betrachtung des Themas zu beleuchten. Dabei dienen verschiedene Forschungsfragen als Arbeits- und Diskussionsgrundlage, beispielsweise „Welches Wissen diente den Quellen zufolge als Basis der Übungen und wie wurde geübt?“ – „Wurde dieses Wissen durch wiederholende Übung stabilisiert oder transformiert?“ Und: „Welches neue Wissen wurde gegebenenfalls durch Übung produziert?“ Ein weiteres Thema wird außerdem sein, welche Rolle hierbei personale und apersonale Formen des Wissenstransfers wie Meister-Schüler-Beziehungen und mediale Aufbereitungen von Wissen spielen.

Vortragende sind international renommierte Wissenschaftler wie der Religionswissenschaftler Prof. Dr. Peter Bräunlein von der Universität Göttingen, der Philosoph Prof. Dr. Christoph Horn von der Universität Bonn, der Kirchenhistoriker Prof. Dr. Christoph Markschies von der Humboldt Universität zu Berlin und der Historische Anthropologe Prof. Dr. Christoph Wulf von der Freien Universität Berlin. Den Abendvortrag wird der bekannte Literaturwissenschaftler Niklaus Largier von der University of California, Berkeley halten. Er spricht zum Thema „Wissen am Rand des Schweigens: Körper und Stimme in der Praxis der Gebetsübung.“ 

Zeit und Ort

  • Donnerstag, den 4. Dezember 2014, von 11.00 bis 21.00 Uhr und Freitag, den 5. Dezember 2014, von 9.00 bis 15.00 Uhr
  • Freie Universität Berlin, SFB-Villa, Sitzungsraum, Schwendenerstraße 8, 14195 Berlin. U-Bahnhof Thielplatz (U3)

Weitere Informationen

Prof. Dr. Almut-Barbara Renger, Institut für Religionswissenschaft der Freien Universität Berlin,
Telefon: 030 / 838-51483, E-Mail: renger@zedat.fu-berlin.de

Im Internet

www.sfb-episteme.de/veranstaltungen/Vorschau/Workshop_C02_Uebungswissen.html