Hans Joachim Schädlich erhält den Berliner Literaturpreis 2014

Preisträger nimmt die Berufung der Freien Universität Berlin auf die Heiner-Müller-Gastprofessur für deutschsprachige Poetik an

Nr. 281/2013 vom 27.09.2013

Mit dem Berliner Literaturpreis 2014 hat die Stiftung Preußische Seehandlung auf Beschluss ihrer Preisjury den Schriftsteller Hans Joachim Schädlich ausgezeichnet. Hans Joachim Schädlich nimmt die mit dem Preis verbundene Berufung der Freien Universität Berlin auf die „Heiner-Müller-Gastprofessur für deutschsprachige Poetik“ an. Der mit 30.000 Euro dotierte Berliner Literaturpreis zeichnet Autoren aus, die mit ihrem literarischen Werk in den Gattungen Erzählende und Dramatische Literatur sowie Lyrik einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur geleistet haben.

Seit 2005 bietet der Preis mit der „Heiner-Müller-Gastprofessur für deutschsprachige Poetik“ am Peter-Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Freien Universität Berlin den Preisträgern jeweils im Sommersemester ein Forum für Textarbeit mit Studierenden der Universitäten und Hochschulen in Berlin und Brandenburg. Bisherige Preisträger und Dozenten waren Herta Müller, Durs Grünbein, Ilija Trojanow, Ulrich Peltzer, Dea Loher, Sibylle Lewitscharoff, Thomas Lehr, Rainald Goetz und Lukas Bärfuss.

Der Jury des Berliner Literaturpreises 2014 gehören Peter-André Alt, Jens Bisky, Ulrich Janetzki, Ulrich Khuon und Kristin Schulz an. In der Begründung für die Preisvergabe heißt es:

 "Der Erzähler Hans Joachim Schädlich ist ein Meister in der Kunst, etwas zu sagen, ohne es direkt zu sagen. Lakonie bestimmt sein Schreiben seit „Versuchte Nähe“ (1975). Sie verdankt sich den moralischen Überzeugungen dieses Autors, seinem Willen zur Wahrheit und einer treffenden, nicht korrumpierten Sprache. Ohne zu moralisieren, dem Leser die Flucht ins bequeme Psychologisieren nahezulegen, erzählt Schädlich von den Verheerungen des 20. Jahrhunderts. Seine Geschichte vom ewigen Spitzel „Tallhover“ (1986) ist längst klassisch geworden; sein Roman „Kokoschkins Reise“ (2010) führt in die Epizentren des Totalitarismus. Die Kunst der Reduktion hat Schädlich, fernab der literarischen Moden, aufgefächert und zugleich radikalisiert wie in „Sire, ich eile!“, seinem schmalen Roman über Friedrich den Großen und Voltaire. In wenigen knappen Sätzen vergegenwärtigt er tatsächliches und fiktives Geschehen mit einer Intensität und Anschaulichkeit, die in der deutschen Gegenwartsliteratur konkurrenzlos ist. Seine Bücher entwerfen neue, irritierende Formen der Rede, mal bitter und sarkastisch, mal weise und tröstlich. Dieses funkelnde, reiche Lebenswerk ist ein nicht zu ersetzendes Gegengift gegen Dummheit, Übereilung und Schlamperei."

 Der Berliner Literaturpreis wird am 26. Februar 2014 in Berlin im Roten Rathaus vom Regierenden Bürgermeister und Vorsitzenden des Rates der Stiftung Preußische Seehandlung, Klaus Wowereit, verliehen. Der Präsident der Freien Universität, Univ.-Prof. Dr. Peter-André Alt, wird die Berufung auf die Heiner-Müller-Gastprofessur vornehmen. Die Laudatio auf den Preisträger hält der Literaturwissenschaftler und Journalist Dr. Lothar Müller.

Nähere Informationen erteilen Ihnen gern:

  • Dr. Ute Bredemeyer, Stiftung Preußische Seehandlung, Tel.: 030 / 30308792
  • Carsten Wette, Freie Universität Berlin, Tel.: 030 / 838-731 89