Chinesische Meister im Dahlemer Winter

David Hinton ist Samuel Fischer-Gastprofessor im Wintersemester 2013/14 an der Freien Universität

Nr. 257/2013 vom 05.09.2013

Der US-amerikanische Autor und Übersetzer David Hinton ist der 30. Samuel-Fischer-Gastprofessor für Literatur an der Freien Universität Berlin. Im Wintersemester 2013/14 leitet er am Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft ein Seminar mit dem Titel „Another Universe: Wilderness thought in ancient chinese and modern american poetry“ („Eine andere Welt: Konzepte von Wildnis in alter chinesischer und moderner amerikanischer Poesie“). Hinton ist der erste Übersetzer seit fast einem Jahrhundert, der sich mit den Meisterwerken der chinesischen Philosophie  beschäftigt, darunter Tao Te Ching, Chuang Tzi, Analects und Mencius. Seine zahlreichen Übersetzungen von klassischer chinesischer Poesie wurden vielfach für ihre Werktreue gelobt. Hintons Antrittsvorlesung findet zu Semesterbeginn statt, der Termin wird noch bekanntgegeben.   

Die alte chinesische Poesie unterscheidet sich fundamental von dem Bild, das in der westlichen Tradition gepflegt wird. Das Universum in jener Vorstellung ist ein lebendes, harmonisches Ganzes; die Integration des Menschen darin ist das Thema der alten chinesischen Künste Poesie, Malerei und Kalligraphie. Die zeitgenössische philosophische Bewegung „deep ecology“, die die westlichen Künste im 20. Jahrhundert stark beeinflusst hat, setzt sich verstärkt mit dieser Tradition auseinander.

In Hintons Seminar lesen Studierende philosophische und poetische Texte des alten China in englischer Übersetzung und im Anschluss daran moderne amerikanische Poesie, die von jener beeinflusst ist. Zusätzlich werden weitere Aspekte der alten chinesischen Kultur behandelt: Zen-Buddhismus, Malerei, Kalligraphie sowie die  sogenannte „Earth Art“-Bewegung im modernen Europa und Amerika. Dabei handelt es sich um eine Strömung, in der Kunst aus natürlichen Materialien geschaffen wird. Für den Kurs ist keine Kenntnis der chinesischen Sprache nötig. Die Teilnahme steht Interessierten aller Fachrichtungen offen. Der Kurs wird mittwochs von 14.00 bis 16.00 Uhr angeboten; die erste Sitzung findet am 16. Oktober statt.

David Hinton erhielt zahlreiche Stipendien, unter anderem von der Guggenheim-Stiftung, das National Endowment for the Arts des US-Kongresses sowie zwei der bekanntesten Auszeichnungen für die Übersetzung von Poesie in den USA: den London Translation Award von der Academy of American Poets und den PEN Translation Award. Sein Essayband „Hunger Mountain: A Field Guide to Mind and Landscape“ wurde von der britischen Zeitung The Guardian in die „Best Books of 2012“-Liste aufgenommen.

Weitere Informationen

Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, E-Mail: avl@zedat.fu-berlin.de

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