Der jüdische Witz: Symposium zur deutsch-jüdischen Literatur- und Filmgeschichte von Heinrich Heine bis Dani Levy

Eine internationale Tagung an der Freien Universität Berlin diskutiert vom 9. bis 11. Mai die Frage nach der kulturhistorischen Wirkung des jüdischen Witzes

Nr. 100/2013 vom 29.04.2013

Eine internationale Tagung vom 9. bis 11. Mai an der Freien Universität Berlin beschäftigt sich mit dem jüdischen Witz in der deutschsprachigen Kulturgeschichte. Der „jüdische Witz“ wurde in den 1960er Jahren vor allem durch die populäre und in zahlreiche Sprachen übersetzte Sammlung der Schweizer Autorin Salcia Landmann bekannt. Doch ist mit diesen oftmals folkloristischen, jiddischen Witzen mit dem osteuropäischen Schtetl als Schauplatz und ihren Schlemihl- und Wunderrabbifiguren das ganze Phänomen beschrieben? Die Tagung diskutiert die kontroverse Frage, ob es mit Autoren wie Heinrich Heine, Ludwig Börne, Karl Krauß, Kurt Tucholsky nicht auch eine literarische Tradition des jüdischen Witzes gibt. Zum Programm gehört eine Lesung des israelisch-österreichischen Schriftstellers Doron Rabinovici; Abendvorträge halten der amerikanische Kulturwissenschaftler Sander L. Gilman und der in Frankfurt lehrende Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik. Die Tagung ist öffentlich, der Eintritt frei.

Die Tagung möchte die Diskussion um den jüdischen Witz neu eröffnen. Wie notwendig eine solche Aktualisierung ist, zeigen Geschichte und Bedeutung des Begriffs des „Judenwitzes“. Im Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm als „stachlichter, bissiger witz, wie er vorzüglich den juden eigen“ definiert, wurde die Schmähvokabel „Judenwitz“ bereits von jüdischen Autoren des Vormärz’ ironisch bejaht und als „Waffe“ im Prozess der jüdischen Emanzipation und Selbstbehauptung eingesetzt.

Die von PD Dr. Burkhard Meyer-Sickendiek (Freie Universität Berlin) und Prof. Dr. Gunnar Och (Friedrich Alexander Universität Erlangen-Nürnberg) konzipierte Tagung geht dieser literarischen Tradition vom 19. bis zum 21. Jahrhundert nach und fragt nach einem spezifisch jüdischen Witz in der deutschen Literatur- und Filmgeschichte.

Zeit und Ort

  • Donnerstag, 9. Mai bis Samstag, 11. Mai 2013
  • Lesung mit Doron Rabinovici: Freitag, 10. Mai, 20 Uhr
  • Vortrag Sander L. Gilman: Donnerstag, 9. Mai, 20 Uhr
  • Vortrag Micha Brumlik: Freitag, 10. Mai, 16:30 Uhr
  • Seminarzentrum L 115, Freie Universität Berlin, Silberlaube (Erdgeschoss), Otto-von-Simson-Str. 26, 14195 Berlin-Dahlem, U-Bahnhof Dahlem-Dorf oder Thielplatz (U3)

Im Internet

www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de/we04/institut/news/tagung_j__discher_witz

Weitere Informationen

PD Dr. Burkhard Meyer-Sickendiek, Cluster Languages of Emotion, Tel.: 030 / 838-57841, E-Mail: bumesi@zedat.fu-berlin.de