Der Steinbrück-Sound

Wissenschaftler der Freien Universität Berlin und der Universität Bern haben die Rhetorik des SPD-Kanzlerkandidaten in seiner Zeit als Finanzminister untersucht

Nr. 297/2012 vom 11.10.2012

Die Reden des SPD-Politikers Peer Steinbrück stehen im Mittelpunkt eines gemeinsamen Forschungsvorhabens von Wissenschaftlern der Freien Universität Berlin und der Universität Bern. Analysiert wurden die Metaphern, mit denen Steinbrück in seiner Zeit als Bundesfinanzminister (2005 bis 2009) die Finanzkrise sprachlich beschrieben hat. Verglichen wurde Steinbrücks Rhetorik mit der Sprache in  themenverwandten Artikeln des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“. Die Studie, die im Rahmen des interdisziplinären Projekts „Emotionen in der Wirtschaftskrise“ am Cluster Languages of Emotion der Freien Universität Berlin gemacht wurde, zeigt den Wissenschaftlern zufolge nicht nur, wie unterschiedlich das Nachrichtenmagazin und Politiker Steinbrück die Krise in sprachliche Bilder fassten. Sie enthülle auch das unverwechselbare rhetorische Profil des SPD-Kanzlerkandidaten.

Die Literaturwissenschaftler Nina Peter, Doktorandin der Freien Universität Berlin, und Oliver Lubrich, Professor für Germanistik und Komparatistik an der Universität Bern, zeigen, dass in den „Spiegel“-Artikeln zur Finanzkrise zahlreiche Metaphern verwendet werden, die die Unberechenbarkeit der Krise und die Ohnmacht politischer Gegenmaßnahmen betonen. Beispiele sind „Finanz-Tsunami“ oder „Kernschmelze an der Finanzmärkten“.

Steinbrück habe den Wissenschaftlern zufolge vergleichbare Sprachbilder als Finanzminister vermieden. Seine Rhetorik stelle den Handlungsspielraum von Politikern und Gesellschaft in den Mittelpunkt: Metaphern wie „Spielregeln“ oder „Verkehrsregeln“ suggerierten, dass die Finanzkrise durch politisches Eingreifen und Regulieren überwunden werden könne.

Einen ausführlichen Artikel über die Ergebnisse des Forschungsprojekts finden Sie in campus.leben, dem Online-Magazin der Freien Universität

Weitere Informationen

Im Internet

www.fu-berlin.de/campusleben

Nina Diezemann, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Cluster Languages of Emotion der Freien Universität Berlin, Telefon: 030 / 838-57864, E-Mail: nina.diezemann@fu-berlin.de

Literatur

Nina Peter, Catarina von Wedemeyer, Christine Knoop und Oliver Lubrich: „Sprachbilder Der Krise. Metaphern im medialen und politischen Diskurs“, in: Krise, Cash & Kommunikation: Die Finanzkrise in den Medien, hg. von Anja Peltzer, Kathrin Lämmle, Andreas Wagenknecht, Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft 2012, S. 49–69.

Nina Peter: „Kollabierende Sprachsysteme: Zwei Strategien sprachlicher Verarbeitung der Geldwirtschaft“, in: Finanzen und Fiktionen. Grenzgänge zwischen Literatur und Wirtschaft, hg. von Christine Künzel, Dirk Hempel, Frankfurt am Main/New York: Campus, 2011, S. 137–154.