Publizist und Schriftsteller Gerhard Schoenberner mit Ehrendoktorwürde der Freien Universität Berlin geehrt

Lebenswerk der öffentlichen Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit gewürdigt

Nr. 229/2011 vom 08.07.2011

Der Publizist und Schriftsteller Gerhard Schoenberner ist am Freitag mit der Ehrendoktorwürde der Freien Universität Berlin ausgezeichnet worden. Der Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften der Universität bezeichnete Schoenberner in der Begrünung als einen der Pioniere der öffentlichen Auseinandersetzung mit den Verbrechen während des Nationalsozialismus‘.

Gerhard Schoenberner, Jahrgang 1931, hatte zahlreiche Funktionen inne; auf ihn gehen viele Initiativen zurück: Von 1973 bis 1978 war er Direktor des Goethe-Instituts in Tel Aviv, das damals noch „Deutsches Kulturzentrum“ hieß. Er war Mitglied der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) und wandte sich als Vertreter der öffentlichen Hand gegen die Aufweichung von deren demokratischen Grundsätzen während des Kalten Kriegs. Als Jurymitglied der verschiedenen Auswahlkommissionen der Bundesfilmförderung und Juryvorsitzender des Kuratoriums „Junger deutscher Film“ der Länder setzte er die Förderung des sogenannten neuen deutschen Films durch. Gemeinsam mit dem Filmhistoriker Ulrich Gregor war er verantwortlich für den Aufbau des „Internationalen Forums“, des alternativen zweiten Hauptprogramms der Berliner Filmfestspiele. Schoenberner war Kurator großer Filmreihen im In- und Ausland und Berater ausländischer Filmfestivals.

Seit 1976 ist Schoenberner Mitglied des westdeutschen PEN-Zentrums; von 1991 bis 1995 war er Vizepräsident und Beauftragter von dessen Initiative Writers in Prison. Im Auftrag des Goethe-Instituts hielt er an zahlreichen Universitäten im Ausland Vorträge und Seminare zur Filmgeschichte und zur Benutzung des Films als Mittel politischer Propaganda. Schoenberner war 1983 Gründungsvorsitzender der Bürgerinitiative „Aktives Museum – Faschismus und Widerstand in Berlin“; er war als Mitglied der Fachkommission des Berliner Senats Mitinitiator der später errichteten Gedenkstätte „Topographie des Terrors“. Die Umwidmung der sogenannten Wannsee-Villa zur Gedenkstätte „Haus der Wannsee-Konferenz“ geht unter anderem auf sein Engagement zurück. Er war deren Gründungsbeauftragter und erster Direktor von 1989 bis 1996. Im Jahr 1992 wurde die von ihm konzipierte Ausstellung „Die Judenverfolgung 1933–1945“ eröffnet.

Schoenberner ist Autor zahlreicher Bücher, Dokumentationen, Ausstellungen und Filmen. Zu seinem bedeutendsten Werken zählt das 1960 erschienene und in mehreren Übersetzungen und Neuauflagen veröffentlichte Buch Der gelbe Stern. Die Judenverfolgung in Europa 1933–1945. Es war die erste fundierte zeithistorische Dokumentation und Aufarbeitung der Judenverfolgung während des Nationalsozialismus; sie gilt bis heute als Standardwerk. Für die ARD produzierte er 1969 die zwölfteilige Reihe „Film im Dritten Reich“.

Für sein Wirken wurde Schoenberner unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse und als erster Deutscher mit dem renommierten Leo-Eitinger-Preis der Universität Oslo für besonderes Engagement auf dem Gebiet der Menschenrechte geehrt.