Lediglich die Grünen gewinnen zurzeit Mitglieder

Aktuelle Erhebung des Parteienforschers Prof. Dr. Oskar Niedermayer von der Freien Universität Berlin

Nr. 183/2011 vom 15.06.2011

Die im Bundestag vertretenen Parteien haben einer aktuellen Erhebung der Freien Universität Berlin zufolge mit Ausnahme der Grünen im Jahr 2010 Mitgliederverluste hinnehmen müssen. Den im Jahresvergleich mit 5,6 Prozent stärksten Rückgang erlitt die Linkspartei. Sie kam Ende 2010 auf 73.658 Mitglieder, wie die Auswertung des Politikwissenschaftlers Prof. Dr. Oskar Niedermayer weiter ergab. Die Linke musste damit zum ersten Mal seit der Vereinigung von WASG und PDS im Jahr 2007 einen Mitgliederrückgang verkraften. Einen Verlust von fünf Prozent verzeichnete die FDP, die Ende 2010 noch 68.541 Mitglieder hatte. Die Freien Demokraten hatten 2008 und 2009 allerdings Mitglieder hinzugewonnen gehabt; ihre Mitgliederzahl liegt zurzeit auf dem Niveau der Jahre 1997/1998. Die CSU büßte 3,3 Prozent ein und kam Ende 2010 auf 153.890 Mitglieder.

Die CDU bleibt mit 505.314 Angehörigen bundesweit mitgliederstärkste Partei; sie verlor allerdings im Jahresvergleich drei Prozent. Die Partei mit der zweitgrößten Mitgliederzahl war die SPD; sie büßte zwei Prozent ein und kam auf 502.062 Mitglieder. Die Grünen gewannen im dritten Jahr in Folge Mitglieder hinzu, im Jahr 2010 wuchs die Zahl der Mitglieder um zehn Prozent auf 52.991. Für die Grünen war es der stärkste Zuwachs seit Mitte der neunziger Jahre.

Die Erhebung wird in der nächsten Ausgabe der Zeitschrift für Parlamentsfragen veröffentlicht. Ausgewertet wurden Angaben der Mitgliederverwaltungen der Parteien.

Betrachtet man den Zeitraum seit 1990, so haben der Studie zufolge alle Parteien mit Ausnahme der Grünen Mitglieder verloren, wenn auch in sehr unterschiedlichem Maße: Am stärksten hat es die Linke getroffen, die – trotz des Zuwachses durch die Vereinigung von PDS und WASG – Ende 2010 fast drei Viertel weniger Mitglieder hatte als die PDS Ende 1990 (minus 73,8 Prozent). Die Grünen haben durch den starken Zuwachs 2010 sowohl im Vergleich zu 1990 als auch gemessen an ihrem 1998 erreichten Höchststand (damals 51.812)  Mitglieder hinzugewonnen (plus 28,3 Prozent gegenüber 1990). Im Vergleich zu 1990 verlor die FDP 59,3 Prozent der Mitglieder, die SPD büßte 46,8 Prozent ein, die CDU 36 Prozent, die CSU 17,4 Prozent.

Insgesamt waren 1980 – also nach dem Hinzukommen der Grünen, in der alten Bundesrepublik – fast vier Prozent der beitrittsberechtigten Bevölkerung (knapp zwei Millionen Bürger) in einer der fünf Parteien organisiert. Ende 1989 waren es noch 3,6 Prozent, nach der Vereinigung und dem Hinzukommen der damaligen PDS 3,7 Prozent. Ende 2009 gehörten nur noch knapp zwei Prozent der beitrittsberechtigten Bevölkerung einer der sechs wichtigen deutschen Parteien an (für Ende 2010 lagen bei Redaktionsschluss noch keine Bevölkerungsdaten vor). Es ist somit eine kontinuierlich abnehmende gesellschaftliche Verankerung des Parteiensystems zu beobachten, die in neuester Zeit zwar etwas gebremst erscheint, aber noch nicht gestoppt ist.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Oskar Niedermayer, Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien Universität Berlin, Telefon: 030 / 838-54959, E-Mail: niederm@zedat.fu-berlin.de

Literatur

Oskar Niedermayer: Parteimitgliedschaften im Jahre 2010, Zeitschrift für Parlamentsfragen, 42. Jahrgang, Heft 2, 2011 (erscheint in Kürze)

Weitere Informationen und Schaubilder sind in Kürze erhältlich

www.polsoz.fu-berlin.de/polwiss/forschung/systeme/empsoz/schriften/Arbeitshefte/ahosz18.pdf