Der Gefühlsblindheit auf der Spur

Tagung zum Thema Alexithymie am 8. und 9. November 2010 an der Freien Universität

Nr. 299/2010 vom 08.10.2010

Die Ursachen des Persönlichkeitsmerkmals Gefühlsblindheit – Alexithymie – stehen im Mittelpunkt einer internationalen Fachkonferenz am 8. und 9. November 2010 an der Freien Universität Berlin. Erwartet werden 15 der profiliertesten Forscher auf diesem Gebiet aus dem In- und Ausland. Organisiert wird die „Berlin Alexithymia Conference 2010“ von der Arbeitsgruppe Alexithymie des Exzellenzclusters „Languages of Emotion“ der Freien Universität Berlin.

Alexithymie ist weit verbreitet: Zehn Prozent der deutschen Bevölkerung ist einer Studie der Universitäten Leipzig und Düsseldorf zufolge hochalexithym. Bei Menschen mit psychischen Erkrankungen ist es jeder Vierte. Menschen mit Alexithymie können eigene Emotionen nur schwer ausdrücken. Möglicherweise sind deshalb auch andere emotionale Kompetenzen – wie die Fähigkeit, die Gefühle anderer richtig zu deuten und angemessen darauf zu reagieren – weniger stark ausgebildet. Eine Krankheit ist Alexithymie nicht, sondern ein Persönlichkeitsmerkmal: Ist es stark ausgeprägt, können Betroffene dennoch sehr darunter leiden.

Die Ursachen sind vielfältig. Genetische Faktoren spielen wahrscheinlich ebenso eine Rolle wie das Aufwachsen in einer gefühlsarmen Familie, eine stark reglementierende Erziehung oder traumatische Erlebnisse. Deshalb werden auf der Konferenz Mediziner, Neurowissenschaftler, Psychologen und Psychotherapeuten gemeinsam über neue Forschungsansätze diskutieren.

Die Erforschung der Alexithymie ist einer der Schwerpunkte des Clusters „Languages of Emotion“, denn sie ist nicht nur für die Verbesserung der Situation von Betroffenen relevant: Wenn diese Störung, bei der körperliche und psychische Faktoren so eng miteinander verbunden sind, besser verstanden wird, trägt das auch zum Wissen über menschliche Emotionen insgesamt bei.

Im Zentrum des Konferenzprogramms stehen das Zusammenspiel auslösender Faktoren und die Bereiche, auf die sich Alexithymie auswirken kann, darunter Mimik und Gestik, das Schmerzempfinden oder die Empathiefähigkeit. Studien mit bildgebenden Verfahren wie Kernspintomografie ermöglichen Einblicke in die Emotionsverarbeitung im Gehirn. Auch Wissenschaftler der Forschungsprojekte des Clusters werden ihre Ergebnisse vorstellen.

Ort und Zeit

  • Berlin Alexithymia Conference 2010, Seminarzentrum der Freien Universität Berlin,Otto-von-Simson-Straße 26, U-Bahnhof Dahlem-Dorf oder Thielplatz (U3)
  • 8. und 9. November 2010

Die Tagungsgebühr beträgt 80 Euro; Anmeldung auf der Tagungswebsite

Weitere Informationen

Dr. Nina Diezemann, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Cluster Languages of Emotion, Telefon 030 838 57864, E-Mail: nina.diezemann@fu-berlin.de

Programm, Registrierung und Teilnehmerliste

www.languages-of-emotion.de/de/bac2010