„Schriftbildlichkeit“ – Perspektivenwechsel in der Schriftforschung

Eröffnung des neuen DFG-Graduiertenkollegs an der Freien Universität

Nr. 124/2009 vom 22.05.2009

Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Graduiertenkolleg zur Erforschung der Schriftbildlichkeit wird am Dienstag, den 26. Mai, an der Freien Universität offiziell eröffnet. Es ist eine gemeinsame Initiative von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Freien Universität, der Technischen Universität, der Humboldt-Universität und der Universität Potsdam. Die Veranstaltung findet um 18 Uhr im Vortragssaal des Graduiertenkollegs im Institut für Philosophie statt.

Das Graduiertenkolleg ist multidisziplinär angelegt. In ihm arbeiten zwölf Doktoranden, drei Postdoktoranden und einige assoziierte Nachwuchswissenschaftler aus Fächern wie der Tanz- und Musikwissenschaft, der Ägyptologie und Altorientalistik, der Slawistik und Literaturwissenschaft, der Philosophie, der Mathematik, der Medien- und der Kunstwissenschaft jeweils an zentralen Schrift-Phänomenen ihrer Disziplinen. Sprecherin ist Sybille Krämer, Professorin für Philosophie an der Freien Universität.

Das Grußwort zur Eröffnung spricht die Vizepräsidentin der Freien Universität Berlin Prof. Dr. Dr. h. c. sc. Christine Keitel-Kreidt. Als Festredner werden die international renommierten Kulturwissenschaftler und Schrifttheoretiker Prof. Dr. Aleida Assmann und Prof. Dr. Jan Assmann zu den Themen „Lesen als Kippfigur“ und „Etymo-Graphie“ sprechen. Die Mitglieder des Kollegs stellen ihre Forschungsprojekte in Form von Posterpräsentationen und einer Videoarbeit vor. Ein künstlerischer Beitrag mit Gesang nach mittelalterlichen Neumennotationen reflektiert den Schriftgebrauch in ästhetischen Kontexten. Darüber hinaus ist in den Räumen des Graduiertenkollegs an diesem Abend temporär eine von der Künstlerin Anke Becker kuratierte Archivauswahl des Projektes „Anonyme Zeichner“ zu besichtigen.

„Unser Kolleg widmet sich dem geisteswissenschaftlichen Schlüsselthema der Schrift und zielt dabei einen Perspektivenwechsel an von einem phonographisch-sprachzentrierten hin zu einem ikonographisch-lautsprachenneutralen Schriftkonzept“, erläutert Professorin Sybille Krämer. Schriften würden also in genau jenen Dimensionen untersucht, in denen sie mehr leisten, als „nur“ ein Medium zum Aufzeichnen mündlicher Sprachen zu sein.

Warum ist Schrift mehr als nur „aufgeschriebene Sprache“? Wieso gibt es Kreuzworträtsel? Worin gleichen sich die verschiedenen Notationen von Sprache, Tanz und Musik – und worin unterscheiden sie sich? Dies sind einige der Kernfragen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Graduiertenkollegs „Schriftbildlichkeit: Über Materialität, Wahrnehmbarkeit und Operativität von Notationen“, das im vergangenen Wintersemester seine Arbeit an der Freien Universität Berlin aufgenommen hat. Ziel der Arbeit ist es, die explorative und kreative Leistungskraft von Schriften zu Tage zu fördern, indem Zusammenhänge zwischen Sichtbarkeit und Handhabbarkeit in wissenschaftlichen oder künstlerischen, in alltäglichen, spielerischen oder religiösen Schriftpraktiken untersucht werden.

Um die Kontakte zu renommierten Schriftforschern in aller Welt herzustellen, ist für alle Stipendiaten des Kollegs ein mehrmonatiger Auslandsaufenthalt verbindlich. Darüber hinaus wird im Rahmen des Graduiertenkollegs ein breites interdisziplinäres und auch öffentliches Vorlesungs- und Tagungsprogramm organisiert, in dessen Rahmen international angesehene Wissenschaftler nach Berlin eingeladen werden. In Kooperation mit dem ebenfalls an der Freien Universität angesiedelten Exzellenzcluster TOPOI bietet das Graduiertenkolleg im laufenden Sommersemester die öffentliche Vorlesungsreihe „Darstellungsräume. Schrift, Bild, Tanz, Klang“ an.

Weitere Informationen

Zeit und Ort:

  • Dienstag, 26. Mai 2009, 18 Uhr, Einlass ab 17.30 Uhr
  • Vortragssaal des Graduiertenkollegs, Institut für Philosophie der Freien Universität, Habelschwerdter Allee 30, 14195 Berlin

Weitere Infomationen erteilt Ihnen gern:

  • Dr. Rainer Totzke, Graduiertenkolleg Schriftbildlichkeit, Institut für Philosophie, Freie Universität Berlin, Telefon: 030 / 838-54102, E-Mail: totzke@grako-schrift.fu-berlin.de

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