Stefan Weidner wird neuer August-Wilhelm-von-Schlegel-Gastprofessor für Poetik

Nr. 33/2009 vom 20.02.2009

Die vom Deutschen Übersetzerfonds und der Freien Universität Berlin im Wintersemester 2007/08 ins Leben gerufene Gastprofessur ist die erste Professur für Poetik der Übersetzung im deutschsprachigen Raum und wird jährlich im Wintersemester am Peter-Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft eingerichtet. Stefan Weidner ist nach Frank Günther (WS 2007/08) und Burkhart Kroeber (WS 2008/09) der dritte Übersetzer, der in dieses Amt berufen wird.

Stefan Weidner, geboren 1967, gehört als Übersetzer, Autor, Publizist und Kritiker zu den wichtigsten Vermittlern arabischer Kultur in Deutschland. Das Studium der Islamwissenschaften, Germanistik und Philosophie in Göttingen, Damaskus, Berkeley und Bonn schloss er mit einer Arbeit über den libanesischen Dichter Adonis ab, dessen lyrisches Werk er 2004 in deutscher Übersetzung vorstellte (Adonis: Ein Grab für New York. Gedichte 1965-1971. Ammann Verlag). Weidners Übersetzungen von Autoren wie Mahmud Darwish, Fuad Rifka, Taha Muhammad Ali und Mohammed Bennis wurden 2007 mit dem Johann-Heinrich-Voß Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung ausgezeichnet. Die Neuübersetzung des Koran, an der er jetzt arbeitet, schlägt die Brücke von der modernen Lyrik zum kultur- und religionsstiftenden Gründungstext. Seine literarisch-essayistischen Werke („Mohammedanische Versuchungen“, Ammann Verlag 2004; „Fes. Sieben Umkreisungen“, Ammann Verlag 2006 u.a.) sind Annäherungen an die Welt des Islam. In diesem Kontext steht auch dieTätigkeit als Redakteur für die vom Goethe-Institut herausgegebene Kulturzeitschrift „Fikrun wa Fann /Art & Thought“.

Stefan Weidner wird ein Seminar anbieten und eine öffentliche Antrittsvorlesung zu Semesterbeginn halten. Informationen dazu folgen rechtzeitig.

“Poetik der Übersetzung“ – der anspruchsvolle Titel der Professur ist Programm. Denn ihr Zweck sind nicht übersetzungspraktische Fingerübungen für Literaturwissenschaftler, sondern die kritische Reflexion eigener und fremder Übersetzungsmethoden sowie die vergleichende Textanalyse (Original und Übersetzung, Übersetzungsvarianten). Zudem soll die Professur ein exponierter Ort der historischen Reflexion von Methoden und Theorien literarischen Übersetzens werden. August Wilhelm von Schlegel symbolisiert als Namenspatron der Professur einen solchen Anspruch. Schlegel verband in seinemSchaffen philologische Forschung, eigene Dichtung und literarische Übersetzung miteinander.

Der Deutsche Übersetzerfonds und das Peter-Szondi-Institut verstehen die August-Wilhelm-von-Schlegel-Gastprofessur als einen markanten Schritt zu einer Aufwertung der literarischen Übersetzung als einer eigenständigen künstlerischen Leistung. Wenn jedes Jahr im Wintersemester ein Vertreter oder eine Vertreterin der Zunft die Herausforderung annehmen wird, ästhetische, geschichtliche und methodische Probleme der Übersetzung mit Literaturstudenten zu diskutieren, soll damit zugleich der immer noch verbreiteten Unterschätzung des literarischen Übersetzens als eines zweitrangigen „Kunsthandwerks“ entgegengewirkt werden.

Die Einrichtung der Gastprofessur wurde durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien ermöglicht. Ab 2009 wird sie aus Mitteln der Kulturstiftung des Bundes gefördert.

Weitere Informationen

Weitere Informationen erteilen Ihnen gern:

Jürgen Jakob Becker
Deutscher Übersetzerfonds
Telefon: 030 / 81 69 96 25
E-Mail: becker@lcb.de
Internet:  www.uebersetzerfonds.de

Prof. Dr. Georg Witte
Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft,
Telefon: 030 / 838-56123
E-Mail: witte@zedat.fu-berlin.de