Afrikanischer Schriftsteller Nuruddin Farah neuer Samuel-Fischer-Gastprofessor an der Freien Universität Berlin

Nr. 57/2007 vom 12.04.2007

Foto von Nuruddin Farah
Nuruddin Farah wird neuer Samuel-Fischer-Gastprofessor

Einer der bedeutendsten Schriftsteller Afrikas, der gebürtige Somalier Nuruddin Farah, lehrt im Sommersemester 2007 als Samuel-Fischer-Gastprofessor an der Freien Universität Berlin. Sein englischsprachiges Seminar „Narratives of Subversion“ findet ab dem 17. April jeweils dienstags um 18 Uhr am Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Freien Universität Berlin statt.

Nuruddin Farah wurde 1945 in Baidoa im Süden Somalias geboren. Er studierte in Indien und lehrte anschließend an der Universität von Mogadischu. Nach einer veröffentlichten Kurzgeschichte und dem Theaterstück „A Dagger in Vacuum“ brachte sein erster Roman „From a Crooked Rib“ 1970 Nuruddin Farah internationale Annerkennung. 1973 verfasste er den Text „Tallow Waa Talee Ma“ in somalischer Sprache, dessen Veröffentlichung allerdings durch Zensur verhindert wurde. 1974 ging der Autor daraufhin ins Exil nach England, wo er in London und Essex Theaterwissenschaften studierte. In seiner Heimat musste Nuruddin Farah die Verfolgung durch die Militärdiktatur unter Siyad Barre, der Somalia bis 1991 beherrschte, befürchten – die ihn tatsächlich in Abwesenheit zum Tode verurteilte. Bis 1996 kehrte Farah daher nicht mehr nach Somalia zurück. Seine Zeit im Exil verbrachte er seit 1976 an verschiedenen Orten: Von Italien, über Los Angeles, Nigeria, Gambia, Uganda und Äthiopien fand Nuruddin Farah schließlich 1999 in Kapstadt seine derzeitige Wahlheimat.

Mit „Sweet and Sour Milk“ begann 1979 Farahs erste Romantrilogie „Variations on the Theme of an African Dicatorship“, zu der auch „Sardines“ (1981) und „Close Sesame“ (1983) gehören. Mit seiner zweiten Trilogie „Blood in the Sun“ und dem damit beginnenden Roman „Maps“ (1986) gelangte Farah schließlich zu dem internationalen Weltruhm, den er seitdem genießt.

In seinen Romanen attackiert Farah die politische Korruption vieler autoritärer postkolonialer Regime in Afrika und widmet sich dem damit verbundenen Identitätsverlust Somalias. „Maps“, „Duniyas Gaben“ und „Geheimnisse“ schildern die Suche vieler Afrikaner nach sozialer, persönlicher und familiärer Identität. In seinem 2003 erschienenen Roman „Links“ schildert Farah das Leben eines Exilanten, der in seine Heimat Somalia zurückkehrt und sich im Zwiespalt sieht: zwischen den Kulturen, Sprachen und Religionen. Farah beschreibt damit einen Konflikt, der nichts weniger als die Zerrissenheit eines ganzen Landes widerspiegelt.

Die Werke Nuruddin Farahs wurden in 20 Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen geehrt, unter anderem mit dem internationalen Neustadt-Literaturpreis.

Die Samuel-Fischer-Gastprofessur wird seit 1998 gemeinsam vom S. Fischer Verlag, dem DAAD, der Freien Universität Berlin und dem Veranstaltungsforum der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck vergeben. Bislanghatten so renommierte Autoren wie der Literaturnobelpreisträger Kenzaburô Ôe, Marlene Streeruwitz, Michèle Metail, Feridun Zaimoglu, Etgar Keret, Alberto Manguel, Yann Martel und zuletzt der kubanische Filmemacher Fernando Pérez die Samuel-Fischer-Gastprofessur inne.

Termin und Ort:

Das englischsprachige Seminar „Narratives of Subversion“ findet ab dem 17. April 2007 jeweils dienstags um 18 Uhr statt. Freie Universität Berlin, Raum KL 24/122d, Habelschwerdter Allee 45, 14195 Berlin, U-Bhf. Dahlem-Dorf (Linie U3).

Weitere Informationen

  • Dr. Oliver Lubrich, Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Freien Universität Berlin, Telefon: 030 / 838-55003, E-Mail: lubrich@zedat.fu-berlin.de
  • Christina Rühlmann, Veranstaltungsforum der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, Telefon: 030 / 27 87 18 22, E-Mail: christina.ruehlmann@vf-holtzbrinck.de

Im Internet unter:

www.complit.fu-berlin.de/gastvortraege/gastvortraege.html