Valeska-Gert-Gastprofessur für Tanz und Performance eingerichtet

Belgischer Choreograph und Performancekünstler Michael Laub übernimmt erste Dozentur

Nr. 278/2006 vom 14.12.2006

Am Institut für Theaterwissenschaft der Freien Universität Berlin ist zum Wintersemester 2006/2007 eine künstlerische Gastprofessur für Tanz und Performance eingerichtet worden. Damit werden den Studierenden Einblicke in künstlerische Verfahren und die kritische Reflexion neuerer Entwicklungen in Tanz und Performance sowie die Auseinandersetzung mit neuen Medien in Kunst und Kultur ermöglicht. Der Akzent liegt dabei in der Verbindung von Theorie und Praxis, die eine wesentliche Grundlage für die tanzwissenschaftliche Arbeit im „DanceLab“ am Institut für Theaterwissenschaft der Freien Universität und am Zentrum für Bewegungsforschung unter der Leitung von Prof. Dr. Gabriele Brandstetter bildet. Gefördert wird die Gastprofessur vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und von der Akademie der Künste Berlin.

Die erste Besetzung der Künstlerdozentur erfolgt durch den renommierten belgischen Choreographen und Performancekünstler Michael Laub. Seit den achtziger Jahren arbeitet Laub mit der Gruppe „Remote Control Productions“ an den Schnittstellen von Theater, Tanz, Stimme und Film, dessen Wirkungsweisen er auf die Bühne überträgt. Gemeinsamer Fluchtpunkt in der Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Medien ist die Erforschung von Bewegung und des körperlichen Ausdrucks. Am Institut für Theaterwissenschaft wird sich Laub dem Thema „Porträt/Selbstporträt“ widmen, wobei er nicht nur seine eigene Arbeit ausführlich vorstellen, sondern auch einen Raum für szenische Experimente und grundsätzliche Fragen der Selbstdarstellung öffnen wird.

Namenspatronin der Gastprofessur ist eine der innovativsten Tänzerinnen der historischen Avantgarde, Valeska Gert (1892–1978), deren Schaffen thematisch in einem hohen Maße durch die Stadt Berlin geprägt war. Ihr Name ist verknüpft mit einem ästhetisch und politisch gleichermaßen anspruchsvollen Programm: In ihrer experimentellen und avantgardistischen Praxis, in der Selbstreflexion des eigenen choreographischen Wirkens, der kritischen Revision bestehender Körperbilder und in der originellen Verbindung von Bewegung, Medien (Film) und Performance steht Valeska Gert stellvertretend für Tänzer und Choreographen, die es zu &Mac226;entdecken’ gilt und deren Geschichte noch zu schreiben ist. Darin liegt eine wichtige Aufgabe der noch jungen Disziplin der Tanzwissenschaft.

Weitere Informationen

Isa Wortelkamp, Institut für Theaterwissenschaft der Freien Universität Berlin, Tel.: (030) 838-503 35, Mobil: 0177 / 283 69 58, E-Mail: isaworte@aol.com

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