Verleihung des Berliner Literaturpreises an Durs Grünbein

Der Lyriker und Essayist Durs Grünbein erhält am kommenden Dienstag, dem 2. Mai 2006, den „Berliner Literaturpreis“ der Stiftung Preußische Seehandlung

Nr. 69/2006 vom 26.04.2006

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit wird den Preis bei einem Festakt um 20 Uhr im Roten Rathaus in Berlin-Mitte verleihen.

Im Beisein der Preisjury – Sigrid Löffler, Annette Reber, Ulrich Janetzki, Gert Mattenklott und Norbert Miller –, die zugleich als Berufungskommission fungierte, wird der Präsident der Freien Universität Berlin, Professor Dr. Dieter Lenzen, den Preisträger öffentlich auf die Heiner-Müller-Professur berufen.

Die Laudatio hält der Autor Martin Mosebach. Es musiziert das Kairos-Quartett.

Der „Berliner Literaturpreis“ ist mit 30.000 Euro dotiert. Mit ihm würdigt die Stiftung Preußische Seehandlung durch Entscheid der Jury Schriftsteller, deren Werk einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur geleistet hat.
Mit dem Preis ist das ehrenvolle Angebot einer Berufung auf die „Heiner-Müller-Professur für deutschsprachige Poetik“ am Peter-Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Freien Universität Berlin verbunden.

Durs Grünbein wird im Rahmen der Heiner-Müller-Professur im Sommersemester 2006 ein Autorenkolleg an der Freien Universität Berlin abhalten. Um die Teilnahme an diesem Kolleg konnten sich literaturinteressierte Studenten aller Berliner Universitäten mit eigenen Texten bewerben.

Die Preisjury und Berufungskommission begründete ihre Entscheidung für Durs Grünbein unter anderem mit den Worten: „Seine Gedichte haben sich von der aufrüttelnden „Vers-Anarchie“ seiner Anfänge, die der zerfallenden Gegenwart Dresdens ihr Geheimnis abfragte, in genau kontrollierten Bewusstseinsschritten zu einem strengen, aber einzigartig frei schaltenden Formbewusstsein entwickelt. Seit dem Gedichtband „Nach den Satiren“, der zum ersten Mal eine Zäsur im eigenen Schaffen mit einem Epochenwechsel der antiken Dichtung Roms parallel setzte, hat Durs Grünbein in der Architektur seiner Sammlungen und in der meisterhaften Sprach- und Versbehandlung seiner Lyrik die Nähe und Distanz zur Dichtung der römischen Kaiserzeit vermessen. „Porzellan. Poem vom Untergang meiner Stadt“ bezeichnet den extremsten Punkt in der topographischen Überlagerung des Bewusstseins. Eine Reihe von Essay-Bänden hat diese Entwicklung erklärend und erweiternd begleitet. Den Texten über Seneca und Juvenal kommt darin eine für das Selbstbildnis des Autors zentrale und kritische Stellung zu. Als Dramatiker haben ihn in den letzten Jahren ein Libretto über E. A. Poes „Berenice“ und bedeutende Übersetzungen der antiken Tragiker ausgewiesen.“

Weitere Informationen

Christa Müller, Stiftung Preußische Seehandlung, E-Mail: mueller@stiftung-preussische-seehandlung.de