Neuer DFG-Sonderforschungsbereich zur Herzmuskelerkrankung

In Deutschland leiden etwa 500.000 Patienten an Dilatativer Kardiomyopathie (DCM)

Nr. 128/2004 vom 22.06.2004

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) richtet einen neuen Sonderforschungsbereich-Transregio zur Erforschung der entzündlichen Herzmuskelerkrankung „Inflammatorische Kardiomyopathie“ ein, an dem zehn Arbeitsgruppen der Charité – Universitätsmedizin Berlin, das Institut für Chemie/Biochemie der Freien Universität Berlin, das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin, das Deutsche Herzzentrum Berlin sowie sechs weitere Arbeitgruppen in Greifswald und Tübingen beteiligt sind.

In Deutschland leiden etwa 500.000 Patienten an Dilatativer Kardiomyopathie (DCM), meistens im Alter zwischen dreißig und fünfzig Jahren. DCM geht mit einer Vergrößerung beider Herzhöhlen einher und hat eine eingeschränkte Pumpfunktion zur Folge. Die Leistungsfähigkeit des Herzmuskels ist somit vermindert, es kommt zu einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz). Oft ist diese Krankheit mit einer Virusinfektion verbunden. Der Sonderforschungsbereich-Transregio „Inflammatorische Kardiomyopathie – Molekulare Pathogenese und Therapie“ wird den Bogen von der Grundlagenforschung zu experimentellen und klinischen Therapien schlagen.

Trotz der Häufigkeit der Erkrankung und der gesundheitsökonomischen Folge gibt es bis heute – im Gegensatz zu den anderen häufigen Erkrankungen auf dem Herz-Kreislauf-Gebiet – keine akzeptierten Diagnose- und Therapierichtlinien. Derzeit muss noch von einer ausgesprochenen diagnostischen und therapeutischen Unterversorgung der Patienten, die an diesem Krankheitsbild leiden, ausgegangen werden.

Typisch für diese Herzmuskelerkrankungen ist ein mehr oder weniger vergrößertes Herz und dadurch bedingt eine Leistungsschwäche. Dies macht sich bemerkbar in Form von Luftnot bei Belastung, z.B. beim Treppensteigen, Einkaufen oder später sogar in Ruhe. Oft kommt es zu einer raschen Einlagerung von Wasser in der Lunge oder in den Beinen, wodurch die Erkrankten zunehmen. In einigen Fällen können auch Schmerzen im Brustbereich auftreten. Häufig kommt es zu Herzrhythmusstörungen, die einen unregelmäßigen Pulsschlag auslösen. Schwere Formen der Herzrhythmusstörungen führen zu Müdigkeit und Schwindelanfällen bis zur Bewusstlosigkeit. Dies kann letztlich zum Herzstillstand führen.

Ziel des Sonderforschungsbereiches ist es deshalb, auf zellulärer und molekularer Ebene die konkreten Ursachen für die Inflammatorische Kardiomyopathie herauszufinden. Die Wissenschaftler wollen ferner die Virus-Wirt-Interaktion analysieren sowie neue experimentelle und klinische Therapieansätze entwickeln. Derzeit läuft bereits eine internationale Studie mit anti-viraler Therapie bei Virus-induzierter Kardiomyopathie.

Für die Einrichtung des Sonderforschungsbereiches-Transregio haben sich mehrere Universitätsklinika sowie universitäre und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen in Berlin, Greifswald und Tübingen zusammengeschlossen, die auf den für das Projekt relevanten Gebieten umfangreiche wissenschaftliche und/oder klinische Erfahrungen haben und eine hohe internationale Reputation genießen. Der neue SFB gliedert sich in das Konzept des „BioCampus Dahlem“ ein. Dabei sollen fachbereichsübergreifend die biowissenschaftlichen Disziplinen verstärkt zusammenarbeiten und -wirken. Sprecher des Sonderforschungsbereiches ist Prof. Dr. Heinz-Peter Schultheiss, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin.

Das Ziel der von der DFG geförderten Sonderforschungsbereiche ist die Schwerpunktbildung an Hochschulen durch die temporäre Einrichtung von Exzellenzzentren, die Förderung der interdisziplinären Kooperation und die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Die Förderung beginnt am 1. Juli 2004 und dauert vier Jahre.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Heinz-Peter Schultheiss, Direktor der Klinik für Kardiologie am Campus Benjamin Franklin der Charité, Tel.: 030 / 8445-2344, E-Mail: heinz-peter.schultheiss@charite.de