„Wie funktioniert im Gehirn das Gedächtnis?“

Deutsche Zoologische Gesellschaft zeichnet Neurobiologen Randolf Menzel aus

Nr. 109/2004 vom 07.06.2004

Die Deutsche Zoologische Gesellschaft (DZG) hat dem Neurobiologen Professor Dr. Randolf Menzel die mit 10.000 Euro dotierte Karl-Ritter von Frisch-Medaille verliehen. Der Forscher der Freien Universität Berlin wurde für seine herausragenden Leistungen auf dem Gebiet des neuronalen Lernens und der Gedächtnisbildung geehrt.

Wie funktioniert das Gehirn? Dies lässt sich auch nach Jahrzehnten intensiver Forschung noch nicht vollständig beantworten. Bei der Frage „Wie funktioniert im Gehirn das Gedächtnis?“ ist die Forschung schon weiter – dank den Arbeiten von Randolf Menzel. Sie bieten neue Einblicke in das Zusammenspiel von Nervenzellen im Gehirn bei Prozessen wie Erinnerung und Lernen verstehbarer machen. Grundlegende Fragestellungen erforschte Menzel am Modell der Honigbiene – seine Ergebnisse lassen sich in vielen Aspekten auf den Menschen übertragen.

Die DZG begründet die Preisvergabe damit, dass es Menzel in vorbildlicher Weise gelungen sei, unterschiedliche Forschungsdisziplinen zu verbinden. Um ein tieferes Verständnis für die Vorgänge im Gehirn zu gewinnen, hatte der Zoologe die Methoden der Neurobiologie, Verhaltensbiologie und Ökologie sowie Biochemie und Molekularbiologie verknüpft. Er entschlüsselte damit die Mechanismen des Kurz- und Langzeitgedächtnisses von Bienen. Bei der Frage, wie sich die Insekten an Gerüche erinnern, ließ sich die Gedächtnisspur im Bienenhirn sogar bis hin zu einzelnen Nervenzellen und speziellen Verschaltungsmustern der Zellen zurückverfolgen. Dieser grundlegenden Forschung an Bienen ist es zu verdanken, dass die Biologie heute diese unterschiedlichen Gedächtnisphasen als Anpassung des Gehirns an das jeweils spezifische ökologische Umfeld versteht.

Randolf Menzel wurde 1940 in Marienbad geboren. Er studierte Biologie, Chemie und Physik in Frankfurt und Tübingen. Seit 1976 forscht und arbeitet er an der Freien Universität Berlin. Für seine Arbeiten über das Gehirn der Honigbiene wurde Menzel bereits mehrfach ausgezeichnet. Unter anderem erhielt er 1991 den Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und den Körberpreis für die Europäische Wissenschaft. Er ist Mitglied mehrerer Akademien im In- und Ausland. Menzels Arbeiten stehen in einem besonderen Verhältnis zum wissenschaftlichen Werk des Namensgebers der Medaille. Auch Karl Ritter von Frisch arbeitete an Bienen und entschlüsselte deren komplexe Kommunikation. Der Forscher, Lehrer und Nobelpreisträger lebte von 1886 bis 1982.

Die Karl Ritter von Frisch-Medaille ist mit 10.000 Euro dotiert. Mit der Hälfte seines Preisgeldes vergibt der Laureat ein Stipendium an einen Nachwuchswissenschaftler seiner Wahl, um diesen bei einem wissenschaftlichen Arbeiten zu unterstützen. Die DZG verleiht die Karl Ritter von Frisch-Medaille bereits zum 13. Mal. Der Georg Thieme Verlag, der Spektrum Akademischer Verlag und des Springer Verlag stiften ihn gemeinsam. Mit dem Wissenschaftspreis werden alle zwei Jahre hervorragende und originelle Leistungen von Zoologen ausgezeichnet.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Randolf Menzel, Tel. 030 / 838-53930, E-Mail: menzel@neurobiologie.fu-berlin.de