Roman eines Schicksalslosen

Literatur-Nobelpreisträger Kertész liest am 4. Dezember an der Freien Universität Berlin

Nr. 199/2003 vom 02.12.2003

"Denke ich an einen neuen Roman, denke ich an Auschwitz", sagte der Nobelpreisträger für Literatur des Jahres 2002 Imre Kertész in einem Interview. Tatsächlich drehen viele seiner Werke um das Unfassbare des Holocaust. Als junger Mann war der ungarische Schriftsteller nach Auschwitz und von dort nach Buchenwald verschleppt worden. Am 4. Dezember wird Imre Kertész auf Einladung des Fachbereichs Philosophie und Geisteswissenschaften um 18 Uhr eine Lesung über "Die exilierte Sprache" halten.

Kertész Werke sind geprägt von der Erfahrung zweier Diktaturen. Nach seiner Befreiung kehrte Kertész nach Ungarn zurück, wo er seit 1948 als Redakteur arbeitete, aber schon 1952 als zu kritisch entlassen wurde. Seit dem lebt er als freier Schriftsteller und Übersetzer deutschsprachiger Autoren wie Friedrich Nietzsche, Arthur Schnitzler, Siegmund Freud, Elias Canetti und Hugo von Hofmannsthal, die sein schriftstellerisches Werk maßgeblich beeinflusst haben.

Der internationale Durchbruch erfolgte mit seinem Roman "Mensch ohne Schicksal", der autobiographische Züge wiederspiegelt und 1990 auf deutsch erschien. 1993 kam das "Galeerentagebuch" heraus, das in Skizzen die Zeit von 1961 bis 1991 schildert. Nach dem Umbruch in Ungarn konnte Kertész vermehrt öffentlich auftreten und erhielt zahlreiche Ehrungen. So bekam er 1997 den Leipziger Buchpreis für Europäische Verständigung, 2000 den Herder-Preis, 2001 den Ehrenpreis der Robert-Bosch-Stiftung und 2002 den Hans-Sahl-Preis.

Auf Deutsch liegen unter anderem folgende Werke von Kertész vor: Kaddisch für ein Nichtgeborenes Kind (1992); Galeerentagebuch (1993); Roman eines Schicksalslosen (1996); Ich - ein anderer (1998) und Fiasko (2000).

Imre Kertész wird am Donnerstag, dem 4. Dezember 2003 um 18 Uhr in der Silberlaube, Habelschwerdter Allee 45, im Hörsaal 1 a zum Thema: Die exilierte Sprache eine Lesung mit Diskussion abhalten. Anschließend besteht die Möglichkeit mit Kertész bei einem Empfang zu sprechen.