Der Mensch in der Biotechgesellschaft

Ringvorlesung an der Freien Universität zu Bioethik und Biopolitik

Nr. 232/2002 vom 18.10.2002

Klonen, Gentests oder Stammzellforschung – die Biotechnologie ist im Begriff, den Menschen zu verändern. Aber welche moralischen Prinzipien sollen für die Forschung gelten? Die Freie Universität lädt die Öffentlichkeit in diesem Wintersemester zur neuen Ringvorlesung „Bioethik und Biopolitik“ im Rahmen der Reihe Universitätsvorlesungen ein. Die Ringvorlesung versucht zu klären, wie die neuen Biotechnologien unsere Gesellschaft von morgen beeinflussen werden: Kann Biopolitik demokratisch kontrolliert werden? Wer wird für Unfälle beim Klonen von Lebewesen, wer für Todesfälle bei Gentherapien haftbar gemacht? Sollen Gene patentiert werden? Welche neuen Gesetze macht die Biotechnologie nötig?

Viele hochrangige Redner haben ihre Teilnahme zugesagt: die Biologin und Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard, der evangelische Bischof Wolfgang Huber und der ehemalige Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin werden ebenso Position zur Bioethik beziehen wie der F.A.Z.-Herausgeber Frank Schirrmacher, die frühere Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer oder der Mediziner Detlev Ganten vom Nationalen Ethikrat. Auch der Freiburger Philosoph Klaus Theweleit und die ehemalige Vorsitzende der Ethikkommission des Bundestages, Margot von Renesse, tragen neben weiteren hochkarätigen Referenten aus den Bereichen Medizin, Biowissenschaften, Philosophie, Journalismus, Jura und Politik ihre Standpunkte zu den neuen Technologien vor. Zudem hat der derzeit wohl meist diskutierte Zukunftsforscher, Jeremy Rifkin aus Washington, ebenfalls seine Teilnahme an der Ringvorlesung in Aussicht gestellt.Jeweils zwei Referenten diskutieren in jeder Veranstaltung aus ihrer fachlichen Sicht miteinander und dem Publikum, um Antworten auf die drängenden Fragen der Bioethik zu finden. Dabei sollen die Naturwissenschaften und die Philosophie einander näher gebracht werden. Zum Auftakt am Donnerstag, den 24. Oktober, sprechen der Klonforscher Rudolf Jaenisch aus den USA und der Wissenschaftsjournalist Gero von Randow. Sie diskutieren über die konkreten und ethischen Grenzen der Klontechniken.

Zeit:

Donnertag, 18.00 – 20.00 Uhr, in Ausnahmefällen auch Freitag, 16.00 – 18.00 Uhr.Beginn: 24. Oktober 2002.

Ort:

Freie Universität Berlin, Habelschwerdter Allee 45, Hörsaal 1b, 14195 Berlin.

Programm:

24.10.2002
Wie utopisch sind Klonversuche am Menschen?

  • Prof. Dr. Rudolf Jaenisch, Molekularbiologe, Whitehead Institute, MIT, Cambridge
  • Dr. Gero von Randow, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

31.10.2002
Züchtungsphantasien: Die neuen Technologien als Wiedergänger der Geschichte?

  • Prof. Dr. Heinz Dieter Kittsteiner, Philosoph und Kulturwissenschaftler, Viadrina Universität Frankfurt/Oder
  • Prof. Dr. Eckhard Wolf, Veterinärmediziner, Ludwig-Maximilians-Universität München

07.11.2002
Gibt es ein Ethos der Biotechnologie?

  • Prof. Dr. Slavoj Zízek, Philosoph, Ljubljana/New York
  • Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin, Kulturstaatsminister der Bundesregierung a.D., Berlin

14.11.2002
Patentrecht als biopolitisches Steuerungselement?

  • Dr. Christian Gugerell, Direktor am Europäischen Patentamt München
  • Dr. Otmar Kloiber, Mediziner, Sachverständiger für die Enquête-Kommission „Recht und Ethik in der modernen Medizin“des Deutschen Bundestags, Bundesäztekammer, Köln

21.11.2002
Patentrecht als biopolitisches Steuerungselement?

  • Prof. Dr. Christiane Nüsslein-Volhard, Biologin und Nobelpreisträgerin für Medizin,Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie, Tübingen
  • Prof. Dr. Volker Gerhardt, Philosoph, Humboldt-Universität zu Berlin

28.11.2002
Heilsbringer Forschung? Die Debatte um embryonale Stammzellen undPräimplantationsdiagnostik nach dem Bundestagsbeschluss

  • Bischof Prof. Dr. Wolfgang Huber, Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg
  • Prof. Dr. Claus Bartram, Mediziner, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

29.11.2002, 16 Uhr
Wann endet die Würde eines Menschen?

  • Prof. Dr. Robert Spaemann, Philosoph, Ludwig-Maximilians-Universität, München
  • Dr. Margot von Renesse, SPD, ehemalige Vorsitzende der Enquête-Kommission „Recht und Ethik in der modernen Medizin“ des Deutschen Bundestags

05.12.2002
Debattenkultur: Embryonale Stammzellen „nein“,Abtreibung „ja“ – ein Widerspruch?

  • Prof. Dr. Daniel Callahan, Philosoph, The Hastings Center, Garrison, New York
  • Prof. Dr. Jens Reich, Molekularbiologe und Bioethiker, Max-Delbrück-Centrum, Berlin

12.12.2002
Grüne Gentechnik, vergoldete Nahrung? Ethische Prinzipien der neuen Ernährung

  • Prof. Dr. Wolfgang Friedt, Biologe, Justus-Liebig-Universität Gießen
  • Prof. Dr. Klaus Ammann, Biologe, Universität Bern

19.12.2002
Gentests, Genetischer Determinismus und Versicherungsschutz –Was sind die gesellschaftlichen Folgen?

  • Prof. Dr. Jörn Walter, Molekularbiologe, Universität des Saarlandes
  • Dr. Achim Regenauer, Medizinischer Direktor der Münchener Rückversicherungsgesellschaft

17.01.2003, 16 Uhr
Biokultur: Ein Blick in die Zukunft der Menschheit?

  • Prof. Dr. Klaus Theweleit, Philosoph, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
  • Prof. Dr. Detlev Ganten, Mediziner, Max-Delbrück-Centrum, Berlin

23.01.2003
Reproduktionsmedizin und die Rolle der Frau in der Biotechnologie

  • Andrea Fischer, Bundesgesundheitsministerin a.D., Bündnis 90/Grüne, Berlin
  • Prof. Dr. Heribert Kentenich, Mediziner, Chefarzt der gynäkologischen Abteilungder DRK-Kliniken-Westend Berlin

30.01.2003
Bioethik contra Biotech-Ökonomie?

  • Prof. Dr. Jeremy Rifkin, Zukunftsforscher, Washington D.C. – angefragt
  • Prof. Dr. Burghardt Wittig, Molekularbiologe, Freie Universität Berlin/Mologen AG, Berlin

07.02.2003, 16 Uhr
Die Vermittlung von Bioethik und Biopolitik in einer Demokratie

  • Dr. Frank Schirrmacher, Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
  • Prof. Dr. Peter Glotz, Politik- und Kommunikationswissenschaftler, Universität St. Gallen

Weitere Informationen

Dr. Mirjam Schaub, Sascha Karberg, Telefon: 030 / 70 50 96 60, E-Mail: schaub@zedat.fu-berlin.de, karberg@jb-schnittstelle.de, im Internet unter: www.netzeitung.de/bioethik