Privatbibliothek des Kunsthistorikers Kurt Weitzmann geht an die Freie Universität Berlin

Rund 7.000 Bände gehen ans Kunsthistorische Institut

Nr. 231/2002 vom 18.10.2002

Das Kunsthistorische Institut (KHI) der Freien Universität Berlin erbt die Privatbibliothek des Byzantinisten Kurt Weitzmann. Der deutsche Kunsthistoriker, der 1935 in die USA ausgewandert war, verstarb 1993 in Princeton. In seinem Testament verfügte er, dass seine gesamte Bibliothek (rund 7000 Bände) an das KHI gehen solle – ohne dass die Freie Universität für Transportkosten und Zoll aufkommen müsse.

In Berlin hat er die schönste Zeit seines Lebens verbracht: der deutsche Byzantinist Kurt Weitzmann (1904 bis 1993). Hier – und an den Universitäten in Münster, Würzburg und Wien – studierte er Kunstgeschichte und Archäologie, promovierte 1929 an der Friedrich-Wilhelms-Universität und heiratete 1932 seine Ehefrau Josepha Fiedler, eine russischstämmige Berlinerin, deren Onkel Konstantin Korovin einer der führenden russischen Impressionisten war. 1993 starb der nach Amerika ausgewanderte Weitzmann und verfügte in seinem Testament, dass seine gesamte Bibliothek an das Kunsthistorische Institut (KHI) der Freien Universität übergehen solle. "Eines Tages erhielten wir eine E-Mail, in der es hieß, dass die Bücher per Schiff auf dem Weg zu uns seien", erzählt Wolfgang Beyrodt, Leiter der KHI-Bibliothek. "Für uns entstehen keinerlei Transportkosten. Die einzige Verpflichtung ist der Entwurf eines Exlibris, aus dem die Herkunft der Bücher hervorgeht und in dem Kurt Weitzmanns Lehrer Adolph Goldschmidt gedacht wird."

Die Bücher sind in 131 Transportkisten so verpackt worden, wie sie in den Weitzmann’schen Bücherregalen standen. Eine genaue Rekonstruktion der Bibliothek ist deshalb möglich. Die Sammlung umfasst nicht nur wertvolle Bände zu den Spezialgebieten Weitzmanns, sondern auch zur amerikanischen Kunst seiner Zeit. "Das ist mehr als nur eine Fachbibliothek zur abendländischen Kunstgeschichte", erklärt Wolfgang Beyrodt. In dem Nachlass, der rund 7000 Bände zählt, findet sich auch amerikanische Alltagsliteratur, wie zum Beispiel Belletristik und Magazine.

Der Kunsthistoriker Kurt Weitzmann gilt als Pionier in den Bereichen der russischen Ikonen und der byzantinischen (Buch-)Malerei. Er forschte zahlreiche Male in Russland, auf dem griechischen Berg Athos und der Halbinsel Sinai, wo er in Klöstern wertvolle Ikonenschätze entdeckte. Sein besonderes Interesse galt der Religion der Ostkirche.

1935 wurde Weitzmann Mitglied des "Institute for Advanced Study" in Princeton (USA). Bald darauf bekam er eine Professur für Kunstgeschichte an der renommierten Universität von Princeton. Für seine wegweisenden Beiträge zur internationalen Kunstgeschichte verlieh die Freie Universität Kurt Weitzmann 1982 die Ehrendoktorwürde. Spätestens seit diesem Zeitpunkt fühlte er sich nicht nur Berlin, sondern auch dem Kunsthistorischen Institut der Freien Universität in besonderer Weise verbunden. Das Ehepaar Weitzmann war mit vielen Berliner Kunsthistorikern der Nachkriegszeit befreundet, wie es sich in den unterhaltsam geschriebenen Memoiren Kurt Weitzmanns nachlesen lässt ("Sailing with Byzantium from Europe to America: the memoirs of an art historian", München: Editio Maris, 1994).

Weitere Informationen

Dr. Wolfgang Beyrodt, Leiter der Bibliothek des Kunsthistorischen Instituts, Tel.: 030 / 838-54550, -53867, E-Mail: khibib@zedat.fu-berlin.de