Lässt sich Geschlecht verkörpern?

Judith Butler (Berkeley) spricht über "intersexuelle Allegorien"

Nr. 81/2001 vom 27.04.2001

Auf Einladung des Sonderforschungsbereichs "Kulturen des Performativen" hält Prof. Dr. Judith Butler (University of California, Berkeley) am 8. Mai 2001 an der Freien Universität Berlin einen Vortrag zum Thema: "Jemandem gerecht werden: intersexuelle Allegorien"

Dieser Vortrag findet in deutscher Sprache statt. Wir laden Sie sehr herzlich dazu ein.

Judith Butler hält sich derzeit als Distinguished Senior Visitor an der American Academy in Berlin auf. In ihrem Vortrag knüpft sie an ihre Kritik an der biologischen Fundierung von Geschlecht an, die sie in ihrem Buch "Das Unbehagen der Geschlechter" entwickelt hat, und rückt sie in eine neue, ethisch begründete Perspektive. Dabei stellt sie den berühmt gewordenen Fall einer Person vor, die als Kind bei einem chirurgischen Unfall den Penis verlor. Sie wurde deshalb als Mädchen erzogen, nahm später aber eine männliche Geschlechtsidentität an. Butler diskutiert diesen zweifachen Geschlechtswechsel in Hinblick auf seine "allegorische Kraft", d.h. seine Fähigkeit, grundlegende kulturelle Werte zu veranschaulichen und zu kritisieren.

Anhand dieses Falls entwickelt Butler zahlreiche Fragen zum Charakter und zur Funktionsweise von Geschlecht sowie zur Stimmigkeit wissenschaftlicher Theorien über Geschlechtsidentität, Transsexualität und Intersexualität. Sie zeigt dabei die Schwierigkeit, einem anderen gerecht zu werden, und sucht deshalb nach einem Begriff des "Menschlichen", der ein Selbstverständnis jenseits normierender Zuschreibungen ermöglicht, die darüber bestimmen, welches Geschlecht man auf welche Weise zu verkörpern habe.

Judith Butler gehört nicht nur zu den wichtigsten feministischen Philosophinnen der Gegenwart. Sie vertritt zugleich eine der einflussreichsten Theorien von Performativität. Unter den Begriff der "Performativität" fallen allgemein die vielfältigen Aufführungs- und Inszenierungsformen von Kulturen sowie der Handlungsvollzug und die Wirklichkeitskonstitution durch Sprache.

Der 1999 begründete Sonderforschungsbereich "Kulturen des Performativen" befasst sich genau mit solchen Phänomenen. Er vereinigt dabei Disziplinen, die diese unter historischer (z.B. Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit) und zeitgenössischer Perspektive (z.B. Theaterwissenschaft, Linguistik, Erziehungswissenschaft) bearbeiten.

Termin:

Dienstag, den 8. Mai 2001: 16.00 Uhr.

Veranstaltungsort:

Henry-Ford-Bau der Freien Universität Berlin, Auditorium Maximum, Garystr. 35, 14195 Berlin-Dahlem (U-Bhf. Thielplatz)

Weitere Informationen

Volker Woltersdorff, Seminar für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin, Tel.: 030 / 838-50362 oder 61 28 89 60, E-Mail: punkpoet@chaos.in-berlin.de