Hackenesch, Dr. Silke - HONORS Alumna

Ludwid-Maximillians-Universität

Amerika-Institut

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Schellingstr. 3 VG
80799 München

In 2012, Silke received her doctoral degree at the John-F.-Kennedy-Institute, Free University Berlin in 2012, with a thesis entitled “From Cocoa Slavery to Chocolate City: Chocolate as a Racial Signifier in the Constructions of Blackness.”

She has studied American Studies, Anglo-American History and Sociology at the University of Cologne, where she received her Master degree with a thesis on the “Political and Cultural Aspects of African American hair(styles).” Endowed with a scholarship by the German Academic Exchange Service, Silke spent one academic year at Duke University in Durham, North Carolina, focusing on Women’s Studies and African American Studies; and one semester as a ERASMUS-student at the Université de La Réunion, St. Denis, Ile de La Réunion, where she studied European colonialism and Atlantic slavery.

Silke has worked as a research assistant for the project “Koloniale Repräsentation auf Bildpostkarten in Deutschland, 1870-1930“, funded by the German Research Association (DFG), and was a tour guide at the exhibition “Projekt Migration” in Cologne. She has also been a “wissenschaftliche Mitarbeiterin” at the Department of Anglo-American History, University of Cologne where she taught classes on African American activism.

In June 2013, she received a position as Assistant Professor at the Amerika Institute of the Ludwig-Maximillians University in Munich.

 

’The Problem of America's Brown Babies’: Zur Geschichte der Adoption sogenannter brown babies in den USA der 1940 und 1950er Jahre

In keinem Land der Welt werden so viele Kinder aus dem Ausland adoptiert wie in den USA. Und auch wenn das Phänomen, dass weiße US-amerikanische celebrities, medienwirksam schwarze Kinder aus einem anderen Land adoptieren, auf einen gegenwärtigen Trend zu verweisen scheint, so sind zwischenstaatliche Adoptionen (die häufig eben auch transracial sind) tatsächlich seit dem Zweiten Weltkrieg ein in der amerikanischen Öffentlichkeit breit und kontrovers diskutiertes Thema. Grund dafür war die Tatsache, dass US-amerikanische Soldaten, die im Zuge von kriegerischen Konflikten in Europa und Japan, beziehungsweise später in Korea und Vietnam stationiert waren, Kinder mit den dort lebenden Frauen zeugten. Das Schicksal dieser Kinder wiederum zog breite mediale Aufmerksamkeit auf sich. So fragte beispielsweise die Nobelpreisträgerin für Literatur, Pearl S. Buck, in einem Ebony-Artikel im Juni 1958: „Should white parents adopt brown babies?“ Buck äußerte sich besorgt über das Schicksal von Kindern in Japan und Korea, die einen amerikanischen Soldaten zum Vater hatten. Da sie in ihren Herkunftsländern als half-Americans diskriminiert würden, sollten amerikanische Familien sie adoptieren. Dabei adressierte Buck einerseits explizit die afroamerikanische Leserschaft, Kinder afroamerikanischer Soldaten zu adoptieren, betonte aber andererseits, dass nicht eine übereinstimmende Hautfarbe, sondern ausschließlich Liebe und Zuneigung für das Wohl der Kinder wichtig sei.

Adoptionen erregen Aufmerksamkeit, irritieren zuweilen gar, da sie gängige Vorstellungen von Weiblichkeit und Mütterlichkeit, Zugehörigkeit, Identität und Familie herausfordern und gegebenenfalls unterlaufen. Dies gilt erst recht für transracial adoptions, die seit ihrem Aufkommen in den späten 1940er Jahren als deviant, unkonventionell oder revolutionär angesehen wurden. Bis dahin war es in den USA gängige Praxis, dass Behörden der Kinderfürsorge bestrebt waren, ein match zwischen Adoptiveltern und Kindern herzustellen, also weitestgehende Übereinstimmung in Bezug auf Hautfarbe, sozialen Status, Bildung und Religion zu gewährleisten. Diese Praxis sollte sich nach Ende des Zweiten Weltkrieges, der in der Historiographie der Adoption Studies häufig als „watershed moment“ definiert wird, grundlegend ändern. Die Hauptgründe für den Anstieg der intercountry adoptions (also zwischenstaatliche, beziehungsweise internationale Adoptionen), war ein „Engpass“ an verfügbaren weißen Babies in den USA; die Tatsache, dass US-amerikanische Soldaten im Ausland stationiert waren und dort mit den einheimischen Frauen Kinder zeugten; sowie humanitäre Aspekte. Dabei waren vor allem weiße Mittelklassefamilien aufgefordert, ein Kind aus einer desolaten Nachkriegsgesellschaft heraus zu holen. Dass schwarze Familien in geringerem Maße an einer internationalen Adoption interessiert zu sein schienen, war freilich der Diskriminierung der Adoptionsagenturen geschuldet.

Ein genereller Anstieg der Adoptionsraten war nach Wayne Carp auch darin begründet, dass Elternschaft zu einer patriotischen Notwendigkeit geworden war und sowohl Mutterschaft als auch Kleinkinder in den Medien glorifiziert wurden. Ein Vater zu sein bedeutete hingegen, ein verantwortungsvoller Mann und Bürger zu sein, Unfruchtbarkeit und alternative Lebensentwürfe wurden in der Folge zunehmend marginalisiert. Darüber hinaus hatte die Berichterstattung über die war babies in Europa und Asien dazu geführt, dass amerikanische Familien – vor allem vor dem Hintergrund der Ideologie des Kalten Krieges – benachteiligten Kindern ein Leben in Freiheit und Demokratie ermöglichen wollten. Allein zwischen 1946 und 1953 organisierte die US-amerikanische Sektion des International Social Service knapp 6,000 Adoptionen; hunderte weitere Kinder sind durch inoffizielle Adoptionen in die USA gelangt. Die Kinder stammten zum Großteil aus Griechenland, Deutschland und Japan. Zwischen 1953 und 1957 kam es dann aufgrund des Koreakrieges zu einer zweiten „Hochphase“ der internationalen Adoptionen; hier dominierten vor allem Adoptionen von mixed-race Kindern.

Mit Bezug auf diese beiden distinkten Phasen in der Geschichte der Adoption in den USA widmet sich das vorliegende, globalgeschichtlich angelegte Forschungsprojekt zum einen den Diskursen um die war babies in der US-amerikanischen Gesellschaft und zum anderen den involvierten Akteuren und ihren Erfahrungen. Dabei liegt ein Schwerpunkt der Studie auf den Kindern aus Deutschland und, in vergleichender Perspektive, den Kindern aus anderen europäischen Ländern sowie Korea. Des Weiteren konzentriert sich die Studie dabei auf die Kinder, deren Väter afroamerikanische GIs waren. Eine Analyse der Diskurse um diese Kinder in den USA erlaubt neue Einblicke in die Konstruktion und Verhandlung von race beziehungsweise mixedrace. In ihrer Studie Blue-Ribbon Babies hat Christine Ward Gailey denn auch darauf hingewiesen, dass aus Korea adoptierte Kinder eine „challenge“ darstellten „to a black-andwhite segregated society.“ Darüber hinaus stellte die Adoption von mixed-race Kindern die bis dato vorherrschende Praxis des matching auf den Kopf und führte zu einem Aufweichen der Segregation in der Familie. Betrachtet man die Familie als Mikrokosmos des Staates, und bezieht man das zeitgleiche Erstarken der Bürgerrechtsbewegung mit in die Analyse ein, so wird die Wichtigkeit der Geschichte dieser Kinder, die bislang kaum Erwähnung in der Historiographie gefunden hat, deutlich. Dabei ist Kindheit nicht nur eine zentrale Kategorie für die (rassifizierte) Identitätsbildung; Kindheit verknüpft darüber hinaus das Politische mit dem Privaten sowie das Häusliche mit dem Staatlichen. Aus diesem Grund sollen die Childhood Studies und konkreter die Adoption Studies zwei konzeptionelle Felder sein, in denen sich diese Studie verortet. Eine offene Frage, die diesem Projekt zugrunde liegt, lautet in diesem Zusammenhang, wie Kinder als Akteure in der Erzählung sichtbar gemacht werden können, oder ob sie als Subalterne positioniert sind, deren Stimmen nicht gehört werden. Zwar erlauben ihre Schilderungen Einblicke in die kindliche Erfahrung, doch sind diese retrospektiv, also im Erwachsenenalter, aufgeschrieben worden. Hier ist es ein Anliegen des Projektes, Reibungen und Brüche zwischen Ego-Dokumenten und anderen Quellen wie Zeitungsberichte und adoption records aufzuspüren und zu ergründen, wie diese rationalisiert werden, um so näher an die Erfahrung der Kinder heran zu kommen.

 

Articles 

„Should Negro Women Straighten their Hair? Zum umkämpften Terrain von Attraktivität und Haarfrisuren afroamerikanischer Frauen”, in the PDF-Magazine KM Magazin - Kultur und Management im Dialog, January 2013.

„Chocolate, Race, and the Atlantic World: A Bittersweet History”, im Special Issue zum Black Atlantic in Comparativ: Zeitschrift für Globalgeschichte und vergleichende Gesellschaftsforschung, eds. by Nora Kreuzenbeck and Patricia Wiegmann, Vol. 21, Nr. 5, 2011, 31-49.

“In the Doing of Hair, One Does Race: Afroamerikanische Hairstyles als Technologien des Selbst”, in Das schöne Selbst. Zur Genealogie des modernen Subjekts zwischen Ethik und Ästhetik, eds. by Jens Elberfeld and Marcus Otto. Bielefeld: Transcript Verlag, 2009, 285-311.

“The Wrong Nigga to Fuck Wit! Die Hip Hop Kultur als zeitgenössische Form des Black Freedom Struggle?“ in Testcard: Beiträge zur Popgeschichte 14: Discover America, April 2005, 108-13.

“African American Hairstyles zwischen politischem Widerstand und kultureller Ausdrucksform“, in Testcard: Beiträge zur Popgeschichte 13: Black Music, July 2004, 26-31.

Reviews

Review of David Ciarlo. Advertising Empire: Race and Visual Culture in Imperial Germany. Cambridge: Harvard University Press, 2011, in German Historical Institute London Bulletin May 2013.

Review of Nell Irvin Painter. The History of White People. New York, W. W. Norton & Company 2010. Published on H-Soz-u-Kult, 05. October 2012.

Review of Jacqueline Goldsby. A Spectacular Secret. Lynching in American Life and Literature. Chicago, IL, The University of Chicago Press 2006. Published on H-Soz-u-Kult, 29th January 2008.

Review of Susannah Walker. Style and Status. Selling Beauty to African American Women, 1920-1975. Lexington, KY: The University Press of Kentucky, 2007. Published on H-Soz-u-Kult, 05th August 2007.