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„Ich freue mich auf das, was kommt“

Stefanie Krebs-Pahlke, langjährige Vorsitzende des Personalrats Dahlem, geht in den Ruhestand

17.12.2015

Abschied von den Kolleginnen des Personalrats (v.l.n.r.): Stefanie Krebs-Pahlke (2.v.r.) mit Monika Fomenko (stellv. Vorsitzende), Dagmar Salzmann (stellv. Vorsitzende), Gilda Langkau (Personalratsvorsitzende) und Barbara Drewes (Personalrätin).
Abschied von den Kolleginnen des Personalrats (v.l.n.r.): Stefanie Krebs-Pahlke (2.v.r.) mit Monika Fomenko (stellv. Vorsitzende), Dagmar Salzmann (stellv. Vorsitzende), Gilda Langkau (Personalratsvorsitzende) und Barbara Drewes (Personalrätin). Bildquelle: Privat
Viel erlebt an der Freien Universität: Stefanie Krebs-Pahlke hat zunächst als Chemisch-Technische Assistentin gearbeitet, dann war sie mehr als drei Jahrzehnte im Personalrat tätig.
Viel erlebt an der Freien Universität: Stefanie Krebs-Pahlke hat zunächst als Chemisch-Technische Assistentin gearbeitet, dann war sie mehr als drei Jahrzehnte im Personalrat tätig. Bildquelle: Manuel Krane

Ihre Zeit an der Freien Universität liest sich wie eine Liste der Superlative: Mehr als 46 Jahre war Stefanie Krebs-Pahlke als Technische Assistentin am Fachbereich Biologie, Chemie, Pharmazie beschäftigt. In den vergangenen 35 Jahren ist sie bei jeder Wahl für den Personalrat Dahlem angetreten, und seit 2006 war sie dessen Vorsitzende. An diesem Freitag wird die engagierte Mitarbeiterin in den Ruhestand verabschiedet. Ein Gespräch mit Stefanie Krebs-Pahlke über ihre Arbeit im Personalrat und bei Amnesty International, über die Freie Universität Ende der sechziger Jahre und ihre Pläne für die Zukunft.

Frau Krebs-Pahlke, wie hat alles angefangen, wie sind Sie an die Freie Universität gekommen?

Damals, 1969, war es relativ einfach, Arbeit zu finden. Ich habe meine Ausbildung zur Chemisch-Technischen Assistentin am Letteverein in Berlin-Schöneberg gemacht. Dort wurden freie Stellen per Aushang ausgewiesen. Ich habe mir zwei oder drei Angebote angesehen und mich dann für die Freie Universität entschieden, genauer gesagt: für Professor Schultze vom Institut für Physikalische Chemie.

Was genau waren Ihre Aufgaben?

Ich habe als Technische Assistentin vor allem in der Katalyseforschung gearbeitet. Dabei ging es um Untersuchungen zu Grenzflächen zwischen Festkörper und Gas, also darum, was da molekular passiert. Es hat mir großen Spaß gemacht, so eng mit den Wissenschaftlern, Doktoranden und Studenten zusammenzuarbeiten – auf manchen Diplom- oder Doktorarbeiten steht mein Name.

Wie war die Atmosphäre damals, als Sie an die Freie Universität gekommen sind?

Es herrschte große Aufbruchsstimmung: Im Sommer 1969 war gerade das neue Berliner Universitätsgesetz in Kraft getreten, wodurch die Ordinarienuniversität durch die Gruppenuniversität ersetzt worden ist. (Die Fakultäten wurden damals durch Fachbereiche ersetzt, an die Stelle des Rektors trat ein auf sieben Jahre gewählter Präsident. In den Selbstverwaltungsgremien der Freien Universität herrschte eine Viertelparität: Neben den Professoren waren die wissenschaftlichen Mitarbeiter, die sonstigen Mitarbeiter und die Studentenschaft gleichberechtigt vertreten. Anm. d. Redaktion)

Ich hatte drei Jahre unpolitische Zeit am Letteverein hinter mir, dann kam ich nach Dahlem – und hier war was los. Ich habe mich zwar nicht hochschulpolitisch engagiert, war aber nach kurzer Zeit im Direktorium des Instituts (entspricht dem Institutsrat heute, Anm. d. Redaktion) für Physikalische Chemie am Fachbereich Chemie, wie er damals noch hieß.

1977 haben Sie dann zum ersten Mal für den Personalrat kandidiert. Wie kam es dazu?

Ich bin Mitte der siebziger Jahre in die Gewerkschaft eingetreten, das war die Zeit, als die Müllmänner, Bahn- und Busfahrer gestreikt haben und die Gewerkschaft öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) eine Lohn- und Gehaltserhöhung von elf Prozent durchgesetzt hat. Ein tolles Ergebnis – da wollte ich wenigstens ideell dabei sein. Über die ÖTV habe ich Kollegen an der Freien Universität kennengelernt, die mich motiviert haben, für den Personalrat zu kandidieren. 1980 bin ich dann das erste Mal als ordentliches Mitglied in den Personalrat gewählt worden.

Durch Ihre Arbeit im Personalrat waren Sie immer ganz nah an den Sorgen der Beschäftigten. Was hat sie besonders umgetrieben?

Schwierig war die extreme Sparsituation in den neunziger Jahren. Nach der Wiedervereinigung wurde ja praktisch aus allen Berliner Universitäten eine neue herausgespart, das hat die Freie Universität stark zu spüren bekommen. Für die Beschäftigten hieß das, dass viele Stellen nicht wieder besetzt und zum Teil wichtige Dauerstellen im Mittelbau abgebaut wurden, etwa für die Betreuung von Praktikanten in den Naturwissenschaften oder im Sprachunterricht.

Wie konnten Sie als Personalrat helfen?

Wir haben viele Gespräche geführt, um die Ängste zu nehmen. Glücklicherweise musste niemand betriebsbedingt gekündigt werden. Manche hatten aber Angst, auf andere Stellen umgesetzt zu werden. Alle mussten mehr arbeiten, weil Stellen nicht wieder besetzt wurden.

Wie lernt man es, solche Gespräche zu führen?

Man muss sich auf die Menschen einlassen – das war am Anfang für mich auch nicht ganz einfach. Aber man lernt es. Man muss die Menschen mit ihren Sorgen ernst nehmen und sich Zeit für sie nehmen.

Haben Sie sich auch als Schülerin schon sozial engagiert?

Ich war in keiner speziellen Funktion, aber die Klassensprecher oder Schulsprecher haben mich immer gern mitgenommen und gesagt: „Du musst dann reden.“ Vielleicht liegt da mein Talent: Dinge diplomatisch und ruhig vorzutragen. Das hat mir auch im Personalrat geholfen.

35 Jahre lang waren Sie im Personalrat Dahlem – wie hat sich die Arbeit im Laufe der Jahrzehnte verändert?

Wir sind präsenter geworden, bestimmt auch durch die neuen Medien und die elektronische Korrespondenz. Allein durchs E-Mailen erreicht man die Menschen viel schneller als früher. Die Aufmerksamkeit für unsere Arbeit ist mal größer, mal kleiner, das hängt auch vom Gegenüber ab. Insgesamt finden wir aber meistens ein offenes Ohr, wenn wir als Personalrat irgendwo anrufen.

Welche Ergebnisse Ihrer Arbeit sind Ihnen besonders wichtig?

Wir haben in den achtziger Jahren gemeinsam mit dem Gesamtpersonalrat eine Rahmendienstvereinbarung zur Informations- und Kommunikationstechnologie erarbeitet. Die Arbeit daran hat mir viel Spaß gemacht und war wichtig. Die Vereinbarung ist in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder aktualisiert worden, weil sich ja gerade in diesem Bereich viel verändert hat. Ich hoffe dennoch, dass sie in den kommenden Jahren nochmal grundlegend überarbeitet wird.

Ihr Kontakt zur Freien Universität wird auch in Ihrem Ruhestand nicht abreißen – im April sind Sie über Amnesty International, für die Sie sich engagieren, an einer Ausstellung zur Flüchtlingssituation beteiligt.

Die Ausstellung befasst sich mit der Situation an den Außengrenzen Europas und wird im Foyer der Universitätsbibliothek der Freien Universität gezeigt werden. Amnesty und die Bibliothek haben schon einige Male zusammengearbeitet, ich habe mich immer sehr darüber gefreut, dass früher Herr Naumann, jetzt Herr Kende die Projekte unterstützen. Durch die vielen Bibliotheksnutzer, die jeden Tag durch das Foyer laufen, erhalten Ausstellungen dort große Aufmerksamkeit.

An diesem Freitag ist Ihr letzter Arbeitstag an der Freien Universität – mit welchem Gefühl sind Sie in diese Woche gegangen?

Es ist gut, dass das Ende meiner Berufstätigkeit mit dem Jahresende zusammenfällt. Ich denke, das Gefühl, „das ist aber komisch, da gehst du jetzt nie wieder hin“, das wird erst Mitte Januar kommen, wenn die Betriebsferien vorbei sind und man normalerweise morgens aufstehen müsste, um zur Arbeit zu gehen.

Und wie geht es im nächsten Jahr weiter?

Ich habe mir eine neue Aufgabe gesucht, die mich hoffentlich nicht mehr 40 Stunden in der Woche beschäftigen, aber doch ausfüllen wird: als Mediatorin. Die Ausbildung habe ich berufsbegleitend gemacht. Nun hoffe ich, dass ich das, was ich in meiner Tätigkeit an der Freien Universität gelernt habe und was ich gerne mache – nämlich Gespräche zu führen und Menschen wieder zusammenzubringen – weiterführen kann. Ich freue mich auf das, was kommt!

Die Fragen stellte Christine Boldt