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„Ich hatte eigentlich ein gutes Wassergefühl“

Tierpflegerin Linda Neumann bei der Schwimm-Weltmeisterschaft der Gehörlosen im texanischen San Antonio

29.09.2015

Die texanische Hitze machte Linda Neumann zu schaffen: Wegen Atemproblemen konnte sie nicht die selbst gesteckten Ziele erreichen.
Die texanische Hitze machte Linda Neumann zu schaffen: Wegen Atemproblemen konnte sie nicht die selbst gesteckten Ziele erreichen. Bildquelle: Jürgen Neumann
Linda Neumann ist schon bei mehreren Europa- und Weltmeisterschaften der Gehörlosen erfolgreich gestartet. Im US-amerikanischen San Antonio lief es in diesem Jahr nicht optimal.
Linda Neumann ist schon bei mehreren Europa- und Weltmeisterschaften der Gehörlosen erfolgreich gestartet. Im US-amerikanischen San Antonio lief es in diesem Jahr nicht optimal. Bildquelle: Jürgen Neumann
Die Teilnehmer der Deaflympics in San Antonio, Texas. Mit dabei die Tierpflegerin von der Freien Universität Linda Neumann.
Die Teilnehmer der Deaflympics in San Antonio, Texas. Mit dabei die Tierpflegerin von der Freien Universität Linda Neumann. Bildquelle: Jürgen Neumann

Linda Neumann kann auf einige sportliche Erfolge zurückblicken. Die gehörlose Schwimmerin holte bei den Deaflympics 2013 Silber über 400 Meter Freistil – ihre Lieblingsstrecke. Prompt wurde sie zur Juniorsportlerin des Jahres im Behinderten- und Gehörlosensport gewählt. 2014 holte die Berlinerin, die 2013 ihre Ausbildung zur Tierpflegerin an der Freien Universität erfolgreich abgeschlossen hat, Gold bei der Europameisterschaft. Im August startete die 22-Jährige nun bei der Schwimm-Weltmeisterschaft der Gehörlosen in San Antonio und erreichte den sechsten Platz über 400 Meter Freistil. Campus.leben sprach mit ihr über ihren geplatzten Medaillentraum und ihren Trainingsalltag.

Frau Neumann, sind Sie zufrieden mit der Weltmeisterschaft, auch wenn Sie vielleicht nicht das erhoffte Ziel erreicht haben?

Nein, ich bin sehr traurig und enttäuscht. Ich habe zwar alle Finalläufe erreicht, aber so hatte ich mir die Weltmeisterschaft nicht vorgestellt. Einen Tag nach meiner Ankunft in San Antonio konnten wir schon im Schwimmstadion trainieren. Ich war eigentlich glücklich, hatte ein gutes Wassergefühl und konnte dank der neuen Schwimmbrille beim Rückenschwimmen gut sehen. Aber das Atmen bereitete mir bei der heißen Luft von etwa 40°C Probleme. Die Anfangszeiten waren immer gut, aber ab 200 Metern fiel mir das Atmen immer schwerer, und zum Schluss übersäuerten die Arme. Ich war deshalb sehr unglücklich, und es gab viele Tränen. Meine Familie und meine Trainerin waren aber für mich da, worüber ich sehr dankbar bin. Der Mensch ist eben keine Maschine – das habe ich daraus gelernt. Es müssen viele Faktoren zusammenpassen, um gute Wettkampfergebnisse erzielen zu können. Das war bei mir diesmal leider nicht der Fall.

Wie sah Ihr Training für die Weltmeisterschaft aus?

Seit Mai habe ich versucht, zehn Mal pro Woche im Wasser zu sein und zudem zwei Mal wöchentlich Krafttraining zu machen. Ich habe also jeden Abend trainiert und an drei Tagen zusätzlich morgens vor der Arbeit. Im Juli habe ich eine Woche Urlaub genommen, in der ich dann volles Programm hatte – also zwölf Trainingseinheiten.

Die Vorbereitung war leider nicht optimal, da die Haupttrainingsphase in die Sommerferien gefallen ist. Die Hallenbäder schließen dann früher, und es ist schwierig für den Schwimmverein, in den Freibädern Wasserzeiten zu bekommen. Und wenn, sind sie auch noch verkürzt. So war ich viel in der Stadt unterwegs, um überhaupt trainieren zu können: Abends entweder im Sommerbad Wilmersdorf, im Olympiastadion, im Freibad der SG Neukölln, im Schlachtensee oder bei Fitness First. Die Anfahrtswege haben mich viel Zeit gekostet und außerdem fehlten mir die Trainingskameraden.

Wie ließen sich das intensive Training und der Wettkampf mit Ihrer Arbeit am Fachbereich Veterinärmedizin in Einklang bringen?

Meine Arbeitskollegen haben mich sehr unterstützt. An den Tagen, an denen ich zum Frühtraining ging, durfte ich etwas später kommen, worüber ich sehr dankbar war! Da ich meinen Sonderurlaub – zwölf Tage in zwei Jahren – vergangenes Jahr für die Europameisterschaft genommen habe,musste ich für die Weltmeisterschaft nun meinen regulären Urlaub in Anspruch nehmen.

Wie war die allgemeine Atmosphäre bei der Weltmeisterschaft?

Ich war etwas enttäuscht darüber, dass es keine richtige Eröffnungsfeier gab. In dem tollen, großen Schwimmstadion waren nur sehr wenig Zuschauer vor Ort. Das war in den anderen Jahren bei den internationalen Wettkämpfen ganz anders. Aber wir haben das Beste daraus gemacht, und es war sehr schön, sich mit den Sportlern aus den anderen Nationen auszutauschen.

Was sind Ihre nächsten Ziele?

Direkt nach der Meisterschaft habe ich überlegt, ob ich mit dem Leistungssport aufhören sollte. Inzwischen sehe ich es wieder positiver. Kommendes Jahr finden die „1st Swimming-European Championships Short course“ (25m) statt. Mal sehen, ob meine sportlichen Leistungen dafür ausreichen. Ein weiteres großes Ziel sind die Deaflympics 2017. Das wäre meine dritte Teilnahme beim größten Zusammentreffen der gehörlosen Sportwelt. Und beruflich würde ich mich sehr über eine feste Stelle als Tierpflegerin an der Freien Universität freuen.

Die Fragen stellte Marina Kosmalla

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Die Freie Universität Berlin fördert, auf Grundlage eines Kooperationsvertrages mit dem Olympiastützpunkt Berlin, in besonderer Weise studierende Athletinnen und Athleten, die einen A-B-C- oder Sonderkaderstatus haben. Gemeinsames Ziel der Vertragspartner ist es, eine erfolgreiche „Duale Karriere“ im Leistungssport und der akademischen Ausbildung zu ermöglichen. Beauftragter für die Spitzensportförderung an der Freien Universität und Ansprechpartner für alle Fragen rund um die Förderung der studierenden Spitzensportlerinnen und Spitzensportler ist Jörg Förster, Direktor des Hochschulsports, E-Mail: joerg.foerster@fu-berlin.de.

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