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Zwischen Stall und Stellenüberhang

Verwaltungsleiter des Fachbereichs Veterinärmedizin Christian Laiblin ist seit 40 Jahren an der Freien Universität

29.11.2013

Der Veterinärmediziner Dr. Christian Laiblin ist seit 40 Jahren an der Freien Universität beschäftigt.
Der Veterinärmediziner Dr. Christian Laiblin ist seit 40 Jahren an der Freien Universität beschäftigt. Bildquelle: Bernd Wannenmacher

Kann man eine Kuh umwerfen? Die Antwort lautet: ja. Auch wenn die Vorstellung, einen Menschen gegen ein 550 Kilogramm schweres Rindvieh antreten zu lassen, zunächst seltsam anmutet – es geht. Und Christian Laiblin, Verwaltungsleiter des Fachbereichs Veterinärmedizin, weiß, wie es geht. Wer wie er seit mehr als vier Jahrzehnten an der Freien Universität beschäftigt ist, weiß vieles und kann viel erzählen. Schließlich kennen nur wenige den Fachbereich so gut wie der promovierte Tierarzt. Das Problem ist nur: so richtig viel Zeit hat er dafür nicht.

Nicht nur das Wissen um die besondere Technik, eine Kuh umzuwerfen, hat Laiblin in seiner Zeit als leitender Tierarzt der Klinik für Klauentiere am Fachbereich jahrelang an angehende Veterinäre weitergegeben.

Die Routine aus dem Stall könnte eine Metapher sein für seine Arbeit als Verwaltungsleiter. Zeigt sie doch, was ein einzelner Mensch in zehn Jahren alles bewegen kann. Und dass es meistens mehr ist, als man denkt. Wenn man Christian Laiblin fragt, wie er diese Zeit erlebt hat, kommt er deshalb auch zuerst auch auf seine Tätigkeit als Tierarzt davor zu sprechen. „Wenn Sie dreißig Jahre Klinik hinter sich haben, dann wirft Sie nichts mehr um.“

Ein Verwaltungsmensch? Nicht unbedingt

Umso überraschter war er dann doch, als ihm, dem Experten für Rinder und deren Krankheiten, vor zehn Jahren der Posten des Verwaltungsleiters angeboten worden ist. „Meine Familie und alle Bekannten haben nur gesagt: ‚Bist Du bescheuert, was willst Du denn da?‘“, erzählt Laiblin. Er selbst habe sich mit der Aussicht jedoch bald angefreundet. Schließlich hatte er als Praktiker und in der Lehre „alles gesehen und alles gemacht“. „Dieses Angebot war etwas ganz Neues, und auf so etwas hatte ich gewartet.“

Über seine ersten Schritte als Neuling in der Verwaltung amüsiert er sich heute noch manchmal. „Von einer Ablage hatte ich keine Ahnung – ich habe mir bei wichtigen Schriftstücken nur gemerkt, in welcher Zentimeterhöhe sie im Papierstapel stecken.“ Eine mitleidige Mitarbeiterin hätte ihm dann irgendwann einmal alle Ordner systematisiert. Trotzdem sehe man es seinem Schreibtisch bis heute an: „Eigentlich bin ich kein Verwaltungsmensch.“

Gefordert war er von Anfang an. Seine erste Aufgabe war gleich eine wenig angenehme: Der Fachbereich musste im Jahr 2003 seinen Stellenüberhang reduzieren. „Das war nicht einfach, Menschen, die jahrelang auf einer Stelle gearbeitet haben, von einem anderen Bereich zu überzeugen“, sagt er. Da habe er durchaus die eine oder andere Nacht schlecht geschlafen. Die folgenden Jahre brachten die Budgetierung des Fachbereichs, die Einführung von SAP und weitere Umstellungen. „Manchmal kam ich mir vor wie der Mann, der aus dem 20. Stock springt und im Fallen bei jedem Stockwerk sagt ‚Das ist ja noch mal gut gegangen’“, sagt Christian Laiblin. Es gelang ihm, den großen Fachbereich erfolgreich durch zehn turbulente Jahre voller Unabwägbarkeiten zu manövrieren.

Ein paar enge Freunde und viele Sympathien

„In diesem Job macht man sich nicht nur Freunde“, sagt Laiblin, und fügt hinzu, dass man als Verwaltungsleiter damit leben müsse. Dass die Zahl derer, die seine Arbeit schätzen, doch erheblich ist, merkte er spätestens dieses Jahr – als er seine letzte Vertragsverlängerung bis 2014 bekanntgab: seinen endgültigen Abschied vom Büro in Düppel. Er habe daraufhin viele „positive Mails“ bekommen aus der ganzen Universität. Eine Bestätigung und Anerkennung, natürlich. Auch wenn er das selbst so nicht sagen würde.

Welche Qualifikationen ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin idealerweise mitbringen müsste – diese Frage lässt Christian Laiblin offen. Er lobt stattdessen seine Mitarbeiter und die Kollegen aus anderen Bereichen der Universitätsverwaltung. Dort gilt Laiblin als loyaler und geschickter Diplomat. Einer, der mit Berliner Schnauze und offenen Worten zwar bisweilen anecke. Aber eben nicht um des eigenen Egos willen, sondern stets im Dienst seines Fachbereichs.

Die Zeit danach

Einen Fachbereich Veterinärmedizin ohne ihn, das können und wollen sich manche nicht so recht vorstellen. Wie sehr ihm seine Aufgabe nach wie vor Spaß macht, daran lässt Christian Laiblin selbst auch keinen Zweifel. Heute habe er schon mit dem Dekan, einer Autovermietung und dem Personalrat zu tun gehabt. „Vom Hausmeisterjob bis zur Ausschreibung im sechsstelligen Bereich – das landet alles bei mir“, sagt er.

Das alles klingt nicht so recht nach Abschiednehmen. Und eigentlich hat Christian Laiblin auch gar keine Zeit, noch länger zu erzählen, was er vielleicht für die Zeit nach Düppel ab Oktober 2014 plant. Er wird gebraucht. Das Präsidium und die Bauabteilung warten nach dem Gespräch schon auf seinen Rückruf. Aber wenn er denn ein Fazit ziehen müsste über das Verwaltungsleiterdasein, sagt Laiblin, dann wäre es vielleicht dieses: „Wenn man es physisch und psychisch aushält, ist es der beste Job, den es gibt.“