Freie Universität Berlin


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Mathematikdidaktikerin in Ost und West

Maike Vollstedt hält ihre Antrittsvorlesung an der Freien Universität Berlin

10.06.2013

Während eines Abstechers in das Amazonasgebiet übte Maike Vollstedt mit David, Patricia und Rachel Schreiben. Das Reisetagebuch mit den Schreibversuchen der Kinder hat sie heute noch.
Während eines Abstechers in das Amazonasgebiet übte Maike Vollstedt mit David, Patricia und Rachel Schreiben. Das Reisetagebuch mit den Schreibversuchen der Kinder hat sie heute noch. Bildquelle: Privat

An ihrer Bürowand hängt ein großformatiger Kalender mit einem Luftbild der Kieler Bucht, und Maike Vollstedts erster Satz lautet „Ich bin ein Nordlicht!“ Nach Kiel, Köln, Hamburg und Hongkong lebt die Mathematikdidaktik-Professorin nun in Berlin: An diesem Montag hält sie ihre Antrittsvorlesung an der Freien Universität: „Von Sinn und Mathematiklernen: Auf dem Weg zu einer sinnorientierten Fachdidaktik".

Maike Vollstedt hat an der Universität Kiel Mathematik und Englisch auf Lehramt studiert. In ihrer Freizeit ist sie gern auf Reisen, zum Beispiel in Südamerika. Dort suchte sie auch den Kontakt zu Schulen. „In Peru habe ich eine kleine, sehr einfache Schule besucht. Und auf einem Abstecher in das Amazonasgebiet habe ich mit drei Kindern Schreiben geübt – eine Situation, die mich sehr berührt hat“, sagt Maike Vollstedt. „Mein Reisetagebuch mit den Schreibversuchen der Kinder auf der letzten Seite habe ich heute noch.“

Forscherin Hongkong

Zurück in Deutschland entschied sich Vollstedt für eine Promotion: Sie bewarb sich bei einem DFG-Graduiertenkolleg zur Bildungsgangforschung mit dem Thema bilingualer Unterricht, also Mathematikunterricht auf Englisch. Das Thema fanden die Verantwortlichen im deutschen Sprachraum schwierig umzusetzen, als Person überzeugte die Doktorandin aber. Ihr wurde angeboten, das Thema im Rahmen einer Kooperation mit Hongkong  umzusetzen, wo Englisch in etwa 30 Prozent der Schulen Unterrichtssprache ist – und Vollstedt griff zu.

Wenige Monate später reiste die Mathematik-Didaktikerin für die erste Praxisphase nach Hongkong: zur Kontaktaufnahme mit den Schulen, zur Entwicklung eines Fragebogens für die empirische Forschung, zu ersten Befragungen auf Englisch. „Viele Kinder in Hongkong sprechen – neben Kantonesisch – Englisch wie eine zweite Muttersprache, insofern waren meine Befragungen auf Englisch aussagekräftig“, sagt Vollstedt. Über die Unterbringung in einer Wohnung mit Hongkonger Kolleginnen und Kollegen bekam sie schnell Kontakt zu einheimischen Lehrerinnen und Lehrern – und erfuhr viel über das Lehren und Lernen von Mathematik an Schulen dort.

PISA-Fragenkatalog

Im letzten Jahr ihrer Promotion, die die Nachwuchswissenschaftlerin 2010 mit Auszeichnung an der Universität Hamburg abschloss, trat sie eine Postdoc-Stelle am Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften (IPN) in Kiel an. Hier koordinierte und betreute sie die Sekundarstufen-Forschungsprojekte und war unter anderem auch in die Entwicklung des Fragenkatalogs eingebunden, den die 15-jährigen Schülerinnen und Schüler bei der PISA-Befragung im vergangenen Jahr beantworten mussten.

Nun ist Maike Vollstedt in Berlin angekommen und neue Kollegin von Professorin Brigitte Lutz-Westphal in der Mathematikdidaktik. „Brigitte Lutz-Westphal hat mich mit offenen Armen empfangen, wir arbeiten eng zusammen und ergänzen uns fachlich perfekt“, freut sich Vollstedt. „Im Moment betreue ich die Lehramts-Studierenden, die gerade ihr Schulpraktikum machen – das ist an der Freien Universität übrigens ein sehr intensives Arbeiten, was ich sehr gut finde und mir großen Spaß macht.“

Mathe und Musik

Einmal in der Woche fährt die Neuberlinerin nach Hamburg. Dort singt sie im Kirchenchor der Gemeinde Sankt Johannis in Harvestehude. „Momentan proben wir Abend- und Nachtlieder, noch lieber singe ich Oratorien oder Requien“, sagt Maike Vollstedt. Im Chor der Sankt Johannis-Gemeinde hat Vollstedt auch ihren Mann kennengelernt. „Wir sprechen zu Hause also nicht nur über den Mathematikunterricht, sondern manchmal auch über Musik“, sagt Maike Vollstedt.