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49 Jahre – und ein bisschen Wehmut

Frank Rosendahl, Leiter der Abteilung I, nach 49 Dienstjahren in den Ruhestand verabschiedet

21.03.2013

Frank Rosendahl im Kreise seiner Kollegen: Nach 49 Jahren feierte er seinen Abschied mit einer Feier im Botanischen Garten der Freien Universität.
Frank Rosendahl im Kreise seiner Kollegen: Nach 49 Jahren feierte er seinen Abschied mit einer Feier im Botanischen Garten der Freien Universität. Bildquelle: Bernd Wannenmacher
Gratulation durch den Präsidenten der Freien Universität, Professor Peter-André Alt (links).
Gratulation durch den Präsidenten der Freien Universität, Professor Peter-André Alt (links). Bildquelle: Bernd Wannenmacher
Abschiedsworte und -geschenk der Arbeitskollegen von Abteilung I, überbracht von Regina Adolphs und Günter Hauer.
Abschiedsworte und -geschenk der Arbeitskollegen von Abteilung I, überbracht von Regina Adolphs und Günter Hauer. Bildquelle: Bernd Wannenmacher
Kanzler Peter Lange (links) und Frank Rosendahl waren als Zuständige für den Haushalt der Universität langjährige Weggefährten.
Kanzler Peter Lange (links) und Frank Rosendahl waren als Zuständige für den Haushalt der Universität langjährige Weggefährten. Bildquelle: Bernd Wannenmacher
Der Direktor des Botanischen Gartens, Thomas Borsch (links), widmete Gartenliebhaber Frank Rosendahl zum Abschied einen Birnbaum.
Der Direktor des Botanischen Gartens, Thomas Borsch (links), widmete Gartenliebhaber Frank Rosendahl zum Abschied einen Birnbaum. Bildquelle: Bernd Wannenmacher
Das Ehepaar Rosendahl hat künftig mehr Zeit für Reisen und den Garten.
Das Ehepaar Rosendahl hat künftig mehr Zeit für Reisen und den Garten. Bildquelle: Bernd Wannenmacher

Genau einmal in seinen 49 Jahren an der Freien Universität machte Frank Rosendahl die Erfahrung, die Taschen voller Geld zu haben: Der langjährige Leiter der Abteilung für Personal- und Finanzwesen durfte vor Jahren gemeinsam mit Dekan Leo Brunnberg eine große Privatspende für den Fachbereich Veterinärmedizin bar in Empfang nehmen, „in fünf oder sechs Discounter-Tüten“. Um den Betrag einzuzahlen, blockierten sie für Stunden den Kassenschalter der Hausbank, wie Rosendahl bei seiner Abschiedsfeier im Botanischen Garten erzählte. Im Arbeitsalltag lautete die Devise ansonsten eher: Sparsam haushalten. Nach knapp 50 Jahren in der Verwaltung, unterbrochen nur durch ein halbes Jahr bei einem anderen Arbeitgeber, verabschiedete sich Frank Rosendahl Ende Februar in den Ruhestand. 

Als Frank Rosendahl 1964 eine Verwaltungslehre an der Freien Universität aufnimmt, beläuft sich das Budget der Universität auf 1,6 Millionen Deutsche Mark – das weiß er genau als „Haushälter“, wie er sich selbst bezeichnet. Auch wenn sich der Etat seit Rosendahls Anfangszeit vervielfachte – auf heute mehr als 270 Millionen Euro – sei seine Aufgabe nicht immer einfach gewesen, erzählt er, insbesondere nach der Wende. „Die 1990er Jahre waren geprägt von finanziellen Einschnitten.“

Spartanisch sah es in seiner letzten Dienstwoche im Februar auch im Büro an der Garystraße 65 aus: Die Bilder hat Frank Rosendahl bereits von den Wänden genommen, die Fensterbänke sind abgeräumt, nur Reihen voller Aktenordner werden bleiben. Nicht allerdings für einen Nachfolger, denn mit Rosendahls Ruhestand stehen organisatorische Neuerungen an: Die Abteilungen Personal- und Finanzwesen, die er zu Beginn des Jahres 2000 zusammengeführt hatte, werden künftig wieder separat arbeiten.

Würdigende Worte bei der Abschiedsfeier

Durch sein Wirken an den Schnittstellen der Verwaltung habe er stets „den Laden zusammengehalten“, sagte Kanzler Peter Lange bei der Abschiedsfeier im Botanischen Garten. Beide kennen sich seit Beginn der 1990er Jahre an der Freien Universität. „Zwischen dem Beauftragten für den Haushalt und demjenigen, der ihn operativ umsetzt, muss es passen“, beschreibt Rosendahl selbst das Verhältnis. Doch Arbeitsatmosphäre und -alltag hätten sich während der vergangenen 50 Jahre auf dramatische Art und Weise verändert, betonte Lange, vor allem durch den Computer.

Der Präsident der Freien Universität, Professor Peter-André Alt, würdigte Rosendahls Verdienste: „Frank Rosendahl hat 49 Jahre – davon 13 Jahre in leitender Position – für die Zentrale Verwaltung der Freien Universität gewirkt. Er ist so alt wie unsere Hochschule, die er in allen wichtigen Phasen seit Ende der 1960er Jahre administrativ mitgestaltet hat – dafür sind wir ihm außerordentlich dankbar.“

Stationen außerhalb der zentralen Universitätsverwaltung absolviert Rosendahl Mitte der 1970er Jahre in der Verwaltung der Frauen- und Kinderklinik in Charlottenburg, die damals zur medizinischen Fakultät gehörte. „Dann wurde ich Leiter der Drittmittelabteilung, die damals nur eine Hand voll Mitarbeiter hatte.“ Unter dem Kanzler Kurt Hammer stieg er zum persönlichen Referenten auf, bevor er als Referatsleiter in die Haushaltsabteilung zurückkehrte.

Die 1960er Jahre: Zwischen den Stühlen

Bleibende Erinnerungen haben insbesondere die 1960er Jahre hinterlassen. Rudi Dutschke und Benno Ohnesorg hat er ebenso erlebt wie die Unruhen auf dem Campus: „Einmal stürmten Studierende das Verwaltungsgebäude in der Harnackstraße, sie warfen Akten aus den Fenstern und verbrannten sie im Garten“, erzählt Rosendahl. „Wir Mitarbeiter hatten uns eingeschlossen, und draußen brannte es lichterloh – da hatte ich wenig Verständnis.“ Und das, obwohl er sich selbst politisch zu den Linken zählte, „in meinem Büro hing ein Poster von Che Guevara“. Als „ganz schlimm“ bezeichnet er denn auch die Zeiten nach dem Radikalenerlass von 1972, als Personalstellen die politische Gesinnung von Bewerbern beim Verfassungsschutz prüfen mussten.

Nur einmal wagte Frank Rosendahl einen „sogenannten Ausflug“ in die Arbeitswelt außerhalb der Freien Universität: Nach der Wiedervereinigung wurde er Referatsleiter für Inneres im Finanzministerium Brandenburg. „Selbst in meiner relativ hohen Position hatte ich doch wenige Entscheidungsmöglichkeiten, im Vergleich zur Freien Universität war das ein Unterschied wie Tag und Nacht.“ Dass er wieder dorthin zurückgekehrt sei, habe er nie bereut.

Der Universität wünscht Rosendahl vor allem „ein gutes Ergebnis der Hochschulvertragsverhandlungen für die Jahre 2014 bis 2017.“ Für ihn persönlich gelte es nun, „sich zu Hause zurechtzufinden“. Theater- und Opernbesuche, viel Gartenarbeit und Reisen im „alten Europa“ hat er sich mit seiner Frau vorgenommen. „Vermissen werde ich das Miteinander mit den Kolleginnen und Kollegen“, sagte Rosendahl abschließend bei der Feier. „Das zeitliche Korsett, in dem man manchmal steckte, wird mir aber weniger fehlen.“ Und er ahnt, dass er zu Hause bestimmt auch die eine oder andere Träne noch verdrücken wird.