Freie Universität Berlin


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„Die Studenten sind das Wichtigste für mich“

Detlef Brose, Verwaltungsleiter des Fachbereichs Politik- und Sozialwissenschaften, arbeitet seit 40 Jahren an der Freien Universität

06.12.2011

Detlef Brose ist seit 1997 Verwaltungsleiter des Fachbereichs Politik- und Sozialwissenschaften. Für eine humorvolle Ausstattung seines Büros hat er gesorgt, Studierende lässt er immer ein.
Detlef Brose ist seit 1997 Verwaltungsleiter des Fachbereichs Politik- und Sozialwissenschaften. Für eine humorvolle Ausstattung seines Büros hat er gesorgt, Studierende lässt er immer ein. Bildquelle: Marina Kosmalla

Als er kam, war er 24, heute ist er 64. Vierzig Jahre an der Freien Universität, das bedeutet im Fall von Detlef Brose: vier verschiedene Arbeitsstellen, diverse Zusatzaufgaben, enge Kontakte mit Mitarbeitern, Wissenschaftlern und Studierenden. Für sie ist er immer da. Deshalb hängt an seiner Tür ein Schild: „Studierende jederzeit willkommen“.

Noch heute ist Detlef Brose heilfroh, dass er damals, am 1. Dezember 1971, den Wechsel vom Zehlendorfer Bezirksamt an die Freie Universität gewagt hat: „Sonst hätte ich mich anders entwickelt. Und bestimmt nicht zu meinem Vorteil.“ Im Rathaus habe es „wie Schule“ gerochen, an der Freien Universität habe dagegen „ein frischer Wind“ geweht. „Hin und weg“ seien er und seine mit ihm an die Hochschule wechselnden Bezirksamtskollegen gewesen, wie offen und unkompliziert hier alles lief – nicht nur die Materialausgabe: „Wenn man im Bezirksamt einen neuen Bleistift brauchte, gab’s den nur dienstags um 10 Uhr. Und dann musste man noch erklären, wo der alte war und warum es schon wieder ein neuer sein musste.“

Birnen vom Baum und Grillen im Garten

Detlef Broses Karriere an der Freien Universität begann in der Hauptkasse, damals Boltzmannstraße 3. Sechs Jahre blieb er dort, bis er 1978 in die gerade gegründete Abteilung für Forschungsförderung wechselte, einer Vorgängerin der heutigen Drittmittelverwaltung. Broses Aufgabe war es, für die Mediziner der Freien Universität Fördermittel und -programme aufzuspüren. Sein Büro befand sich damals in der Altensteinstraße 48, dem ehemaligen Wohnhaus des Chemikers und Nobelpreisträgers Otto Hahn. „Sehr malerisch“, schwärmt Brose noch heute. Vor dem Haus stand ein Birnbaum: „Im Spätsommer konnte ich die Früchte vom Fenster aus ernten.“ Im Garten wurde gegrillt und gefeiert, die Stimmung unter den Kollegen sei sehr gut und locker gewesen. „Viele trugen Cordhose,  T-Shirt und Sandalen – egal ob Professor, Mitarbeiter oder Abteilungsleiter.“ Nicht das Äußere sei entscheidend gewesen, sondern ob man „seine Sache gut“ machte.

Seine Leidenschaft für Film und Fernsehen entdeckt

Der nächste Wechsel stand 1984 an. Detlef Brose ging ins Hochschulfilmreferat. Angefangen hatte alles auf dem Campus Düppel mit einem engagierten Veterinärmediziner, Professor Erwin Becker. Der besaß „ein Faible fürs Fotografieren“ und ließ alle Forschungsarbeiten und Untersuchungen durch seinen Assistenten – den späteren Professor Werner Dewitz – fotografisch, später filmisch dokumentieren. Dewitz ließ bald „fachübergreifend“ filmen, unter anderem von Detlef Brose, der in Düppel seine Leidenschaft für den Film und andere Medien entdeckte. Das Referat mit Detlef Brose als Verwaltungsleiter wuchs und fusionierte schließlich mit dem Audiovisuellen Medienzentrum in Lankwitz zur Zentraleinrichtung Audiovisuelle Medien, die für die gesamte Universität zuständig war. Hier wurden Unterrichtsfilme hergestellt, die auf der Computermesse CeBIT oder der Industriemesse in Hannover gezeigt und ans Institut für den Wissenschaftlichen Film (IWF) verkauft wurden. Zum Beispiel „Die Venusfliegenfalle“, in der erstmals gezeigt werden konnte, wie eine Pflanze eine Fliege fängt.

„Verstehen Sie auch etwas vom Radio?“

Im August 1995 erreichte Brose unverhofft ein Anruf des damaligen Präsidenten der Freien Universität, des Jura-Professors Johann Wilhelm Gerlach. Mitte Januar wolle man ein Uni-Radio in Betrieb nehmen. Ob er sich die Organisation zutraue? „Na klar“, sagte Brose und packte an. Wie ein Tonstudio aussieht, habe er sich beim damaligen SFB angeschaut, mit Unterstützung der Technischen Abteilung sei ein kompletter Radiobetrieb an der Dahlemer Thielallee aufgebaut worden. „Wir hatten einen Haufen technischer Probleme, die heute lachhaft sind, aber damals gab es die ganzen Komprimierungsverfahren für Daten eben noch nicht.“ Doch pünktlich zum 15. Januar 1996 konnte das Uni-Radio starten, ein Gemeinschaftsprojekt aller Berliner Universitäten und Fachhochschulen sowie der Universität Potsdam. Gesendet wurde auf der ehemaligen Frequenz der amerikanischen Streitkräfte 87,9 MHz, die durch den Abzug der Alliierten freigeworden war. Etwa zehn Jahre lang waren Brose und das Uni-Radio eins: „Der Intendant, so haben sie mich genannt.“

„Und dann kam ich ans OSI“

Seit dieser Zeit, vermutet Brose, habe der Präsident wohl gedacht: „Der lässt sich nicht so leicht erschüttern“. Zumindest setzte Gerlach „den Intendanten“ 1997 als Verwaltungsleiter des damaligen Fachbereichs Politische Wissenschaften ein. „Das Otto-Suhr-Institut war in einem erbärmlichen Zustand, vor allem baulich.“ Aber auch der Draht zwischen den Studierenden und der Unileitung sei reparaturbedürftig gewesen. Detlef Brose setzte auf „vertrauensbildende Maßnahmen“ und auf Offenheit. „Ich habe den Studierenden gesagt: Ich sage euch, wenn ich etwas für euch tun kann, und ich sage euch, wenn ich nichts tun kann.“ So hat er sich erfolgreich dafür eingesetzt, dass die Studierenden und ihr Café ein neues Quartier fanden: Seit inzwischen elf Jahren residiert das „Rote Café“ in einem eigenen – rotgetünchten – Gebäude zwischen Ihnestraße und Henry-Ford-Bau. Als 1999 die Fachbereiche zusammengelegt wurden, bekam Brose die Publizisten in Lankwitz dazu, die Soziologen in Wilmersdorf und die Ethnologen, die in einer großen Villa im Dahlemer Dohnenstieg residierten. „Ich habe dafür gekämpft, dass alle nach Dahlem kommen“, sagt Brose – und er hatte Erfolg.

Mit Leib und Seele

Ob er mal daran gedacht habe, die Freie Universität zu verlassen? „Nein, nie.“ Geärgert habe er sich zwar manchmal, aber das hätte er nie nach außen getragen. „Ich bin mit Leib und Seele FU-Mitarbeiter.“ Am 30. September 2012 endet seine Dienstzeit formal, verlängern kann er noch um höchstens drei Jahre. Wie es ihm bei dem Gedanken an den Abschied gehe? „Furchtbar“, sagt Detlef Brose. „Ich habe zwar genug zu tun, bin in der Freiwilligen Feuerwehr und habe viele Hobbies. Aber ich bin einfach so verwurzelt in dieser Uni, dass es mir sehr schwer fallen wird, nicht mehr hier zu arbeiten.“