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Feind und Helfer

Die Alexander von Humboldt-Stipendiatin Nadine Rossol forscht an der Freien Universität zur erzieherischen Rolle der Polizei in Deutschland von 1920–1950

21.09.2011

April 1933: Eine Razzia der Polizei mit SA-Hilfspolizisten im Berliner Scheunenviertel.
April 1933: Eine Razzia der Polizei mit SA-Hilfspolizisten im Berliner Scheunenviertel. Bildquelle: Bundesarchiv, Bild 102-02940A / unbekannt / CC-BY-SA
Nadine Rossol, Alexander von Humboldt-Stipendiatin an der Freien Universität Berlin.
Nadine Rossol, Alexander von Humboldt-Stipendiatin an der Freien Universität Berlin. Bildquelle: Melanie Hansen

Die Kölner Polizei im Nationalsozialismus – ihre Begeisterung hielt sich zunächst in Grenzen, als Nadine Rossol, damals noch Geschichtsstudentin, den inhaltlichen Schwerpunkt ihres Praktikums im NS-Dokumentationszentrum Köln erfuhr. „Ich wollte viel lieber zum Theater im Nationalsozialismus arbeiten“, sagt Nadine Rossol. Doch dann habe sie die Geschichte der Polizei gefesselt – und bis heute, als Wissenschaftlerin, nicht losgelassen. Seit August forscht Nadine Rossol als Alexander von Humboldt-Stipendiatin am Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität.

Ihr Thema für die nächsten zwölf Monate: die erzieherische Rolle der Polizei in der Weimarer Republik, im Nationalsozialismus, in der frühen Bundesrepublik und der DDR. Nadine Rossol wird untersuchen, welche Methoden die Polizei in den verschiedenen politischen Systemen eingesetzt hat, um pädagogisch auf die Bevölkerung einzuwirken.

Im Dritten Reich etwa führten Polizisten im Auftrag nationalsozialistischer Wohltätigkeitsvereine Sammelaktionen durch – die Hilfe kam jedoch explizit nur „arischen“ Einwohnern zugute. Jüdische Mitbürger gingen leer aus. „Mit solchen Maßnahmen ergriff die Polizei buchstäblich Partei. Der Bevölkerung offenbarte sie dadurch, wer die vermeintlichen unordnungsstiftenden Störenfriede der Gesellschaft waren“, sagt die Wissenschaftlerin.

Nach ihrer Dissertation ist die Arbeit im Rahmen des Alexander von Humboldt-Stipendiums Nadine Rossols zweites großes Forschungsprojekt. Dass sie dieses Vorhaben an der Freien Universität umsetzen kann, freut sie besonders: In ihrer Doktorarbeit zum Thema „Staatsrepräsentationen in der Weimarer Republik“ beschäftigte sich die Historikerin unter anderem mit dem Reichskunstwart Edwin Redslob, dem späteren Mitbegründer des Tagesspiegels und der Freien Universität. „Es ist schön, an der ehemaligen Wirkungsstätte von Redslob zu forschen“, sagt die 33-Jährige. „Außerdem freue ich mich, wieder in Deutschland zu sein.“

Studium in royaler Begleitung

Wissenschaftlich gearbeitet hat Rossol nämlich bisher nur im Ausland: Nach dem Abitur zog es sie nach Schottland. An der University of St Andrews studierte sie Geschichte und Italienisch – und das in royaler Begleitung: Während Nadine Rossols letzten Jahres nahm der britische Thronfolger Prinz William sein Studium an der altehrwürdigen Hochschule auf.

Gesehen hat sie den berühmten und ehemaligen Kommilitonen jedoch nie – was in einer Kleinstadt wie St Andrews schon erstaunlich sei. „Unsere Freizeitgestaltung war dann wohl doch zu unterschiedlich“, vermutet Nadine Rossol, die im Anschluss an ihr Studium an der University of Limerick in Irland promovierte.

Erst Schottland, dann Irland – und seit einem Jahr England. Am geschichtswissenschaftlichen Institut der University of Essex arbeitet die Wissenschaftlerin als Dozentin für Neuere europäische Geschichte. Vor allem ihre Kurse über das Dritte Reich seien immer gut besucht: „Die Engländer haben nach wie vor sehr großes Interesse am Nationalsozialismus“, sagt Nadine Rossol.

Aber auch ihre polizeigeschichtlichen Seminare kommen bei den Studenten gut an. Wenn Nadine Rossol etwa über die Kriminalität in Großstädten des 19. Jahrhunderts spricht oder die Organisation der britischen Polizei im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, hören die Seminarteilnehmer gespannt zu. Und vielleicht sind ihre Studenten bald ebenso mit dem „Polizei-Virus“ infiziert wie die Historikerin selbst.