Freie Universität Berlin


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Dank und Anerkennung

Im Porträt: Professor Nikolaus Schwentner und Professor Hans-Heinrich Limbach

28.03.2011

Die Freie Universität verabschiedet ihre Professorinnen und Professoren
Die Freie Universität verabschiedet ihre Professorinnen und Professoren Bildquelle: David Ausserhofer
Professor Nikolaus Schwentner
Professor Nikolaus Schwentner Bildquelle: Marina Kosmalla
Professor Hans-Heinrich Limbach
Professor Hans-Heinrich Limbach Bildquelle: Privat

Zwischen dem Ruf an die Freie Universität und schließlich der Emeritierung oder Pensionierung verläuft ein ganzes Wissenschaftlerleben. Wer als Professorin oder Professor vor der Verabschiedung steht, hat meist viele Jahre an der Freien Universität verbracht, hat Spuren in Forschung und Lehre hinterlassen, Generationen von Studierenden ausgebildet und begleitet, wissenschaftliche und freundschaftliche Verbindungen zu Mitarbeitern und Kollegen geknüpft. In dieser Serie stellen wir Wissenschaftler aus Anlass ihrer Emeritierung oder Pensionierung vor. Heute:

Nikolaus Schwentner, Professor für Experimentalphysik am Fachbereich Physik der Freien Universität, studierte von 1965 bis 1971 an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, wo er 1975 auch promoviert wurde. 1980 habilitierte er sich an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und kam zwei Jahre später an die Freie Universität.

Einfach ausgedrückt beschäftigt sich Schwentner mit der Wechselwirkung von Licht und Materie. „Licht stimuliert in kondensierter Materie eine Vielzahl von Prozessen, denen wir mit modernen spektroskopischen Methoden, insbesondere Synchrotronstrahlung und neu entwickelten Lasern, nachspüren und in Kooperation mit theoretischen Gruppen analysieren“, sagt der Experimentalphysiker.

Im Rahmen von Gastprofessuren an verschiedenen Instituten der University of California konnte er nicht nur neueste Entwicklungen aufgreifen, sondern erhielt auch einen Einblick in die US-amerikanische Wissenschaftslandschaft: „Ich habe den Eindruck gewonnen, dass wir statt der stark herausgehobenen einzelnen Forscherperson sehr erfolgreich auf Teamwork auf der Ebene der Doktoranden, Postdocs und Professoren setzen“ sagt Schwenter. „Die wissenschaftliche Arbeit am Fachbereich wurde stets durch intensive Kooperation mit Kollegen aus der Physik, Chemie und aus außeruniversitären Instituten beflügelt.“

Gute und schlechte Zeiten

Heute kann Schwentner auf fast 30 Jahre an der Freien Universität zurückblicken. An vieles erinnert er sich gern. So war er während seiner gesamten Zeit in die verschiedenen Sonderforschungsbereiche eingebunden, bei deren Etablierung der Fachbereich immer „eine sehr glückliche Hand hatte und immer noch hat“. Außerdem widmete er sich aufgrund der zunehmenden Studentenzahl mit Vergnügen den damit einhergehenden wachsenden Herausforderungen im Grundstudium.

Als Vorsitzender der Strukturkommission, als Prodekan und Dekan des Fachbereichs Physik musste Schwentner sich jedoch auch mit weniger erfreulichen Dingen im Hochschulalltag beschäftigen, die häufig dem Sparzwang geschuldet waren und sich auf die personelle Besetzung auswirkten. „Die personelle Ausdünnung bei steigendem Aufgabenvolumen belastet die jungen Kollegen sehr.“

Seine gewonnene Freizeit im Ruhestand möchte Nikolaus Schwentner für bisher zurückgestellte Interessengebiete und Reisen nutzen.

Hans-Heinrich Limbach, Professor für Physikalische Chemie am Fachbereich Biologie, Chemie, Pharmazie studierte von 1962 bis 1969 Chemie zunächst in Bonn und anschließend in Freiburg. Dort wurde er 1973 promoviert und habilitierte sich 1980. Nach Stationen in den USA und Freiburg kam er 1990 an die Freie Universität. „Die Entscheidung zwischen Düsseldorf, Essen und Berlin war nicht einfach“, sagt Limbach. „Neben persönlichen Gründen haben auch die neuen Perspektiven für die Hauptstadt  nach dem Mauerfall eine große Rolle gespielt. Bei der Freien Universität haben mir vor allem das hohe Ansehen der Grundlagenwissenschaften, die internationale Ausrichtung, die Departmentstrukturen sowie die Diskussionsfreudigkeit gefallen.“

Besonders engagierte sich Limbach, wenn es um die weiterführende Ausbildung von Studierenden ging. 1997 initiierte er den ersten Masterstudiengang an der Freien Universität: den zweisprachigen „Master of Science in Chemistry“, der eine große Zahl internationaler Studierenderanzog. Zudem war Limbach seit 2005 Vorsitzender des Gründungsausschusses und in den Jahren 2007 und 2008 Gründungsdirektor der Dahlem Research School der Freien Universität (DRS). Als fächerübergreifende Förder- und Betreuungsstelle für Promovenden bildet die DRS einen wichtigen Bestandteil des Zukunftskonzepts „Internationale Netzwerkuniversität“ der Freien Universität. Unter ihrem Dach werden Studierende aus Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften in allen Phasen ihrer Promotion intensiv begleitet und auf den Einstieg in die Berufstätigkeit vorbereitet.

„Die spannenste Frage war, ob und inwieweit Doktorandinnen und Doktoranden nach einem langen Studium überhaupt noch von einer Zusatzausbildung profitieren können, um sich besser für ihre berufliche Zukunft zu wappnen“, erinnert sich Limbach. Nach seiner Erfahrung waren die Teilnehmer an Doktorandenprogrammen am meisten für ein Training im Bereich der Kommunikation dankbar, zum Beispiel um wissenschaftliches Diskutieren zu üben, das Auftreten vor einem größeren Publikum oder Bewerbungsgespräche bei.

Neben seiner Forschungstätigkeit hat Limbach verstärkt Aufgaben des Wissenschaftsmanagements und der Wissenschaftspolitik übernommen, zum Beispiel als Koordinator des European Network „Localization and Transfer of Hydrogen“, Sprecher des DFG Graduiertenkollegs 788 „Wasserstoffbrücken und Wasserstofftransfer“ und als Vorsitzender der Themenkommission der Deutschen Bunsengesellschaft für Physikalische Chemie. Diese Gesellschaft verlieh ihm 2005 für seine wissenschaftlichen Leistungen die „Walther-Nernst-Denkmünze“. Von der Universität St. Petersburg wurde er zum „Honorary Professor of  Physics“ ernannt.

Konkrete Pläne für den Ruhestand hat Hans-Heinrich Limbach noch nicht – nur so richtig ruhig wird es wohl nicht werden: „Am liebsten bin ich dort, wo ich gebraucht werde. Da gibt es sehr viele Gelegenheiten im In- und Ausland."