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Von der Lochkarte zum multimedialen Lernen

Professor Nicolas Apostolopoulos feiert 40-jähriges Dienstjubiläum an der Freien Universität

03.11.2010

Prof. Dr. Nicolas Apostolopoulos leitet das Center für Digitale Systeme der Freien Universität (CeDiS)
Prof. Dr. Nicolas Apostolopoulos leitet das Center für Digitale Systeme der Freien Universität (CeDiS) Bildquelle: CeDiS / Freie Universität Berlin

Seit vier Jahrzehnten lehrt, arbeitet und forscht Nicolas Apostolopoulos an der Freien Universität. 40 Jahre, in denen er viele Veränderungen miterlebt und manches vorangetrieben hat. „Die digitalen Technologien haben enorme Fortschritte gemacht, die Universität hat sich stark gewandelt“, sagt der Leiter des Center für Digitale Systeme (CeDiS). „Die Neuerungen waren immer mit spannenden Aufgaben verbunden.“

Mit 18 Jahren kam Nicolas Apostolopoulos von Athen nach Berlin, um an der Freien Universität Betriebswirtschaft zu studieren. Der erste Eindruck glich einem „mittleren Kulturschock“, wie er sagt. „In den späten sechziger Jahren wurde hier in Berlin alles in Frage gestellt: Die Studentenbewegung war in vollem Gange, es wurde viel protestiert, demonstriert und lebhaft diskutiert.“ Diese Zeit habe ihn persönlich, aber auch akademisch sehr geprägt. „Erst während des Studiums an der Freien Universität habe ich die Bedeutung der Freiheit des Denkens wirklich zu schätzen gelernt.“

Über die betriebswirtschaftlichen Fragen hinaus galt sein Interesse schon früh der Statistik und Informationsverarbeitung. Nach dem Diplom begann Apostolopoulos ein zusätzliches Informatikstudium. „Heute erscheint es unglaublich, wie umständlich damals die Benutzung von Computern war“, erinnert sich Apostolopoulos an die Anfänge der Datenverarbeitung an der Freien Universität um das Jahr 1967. „Man musste mit Lochkarten zu einem Operator gehen, der wiederum nach einer Dreiviertelstunde einen Ausdruck mit den Ergebnissen lieferte – und wenn man Pech hatte und sich im Programmcode vertippt, musste man noch einmal von vorn anfangen.“ Am Fachbereich Wirtschaftswissenschaft, wo er 1982 promovierte, leitete er von 1989 bis 1997 das wirtschaftswissenschaftliche Rechenzentrum.

E-Learning für die Freie Universität

Seit Mitte der neunziger Jahre beschäftigte sich Apostolopoulos im Rahmen von Drittmittelprojekten intensiv mit dem Einsatz von Computern in der Lehre, 1998 gründete er mit Unterstützung der Hochschulleitung das Center für Digitale Systeme (CeDiS), das Kompetenzzentrum der Freien Universität für E-Learning und Multimedia.

Als dessen Leiter gestaltet er seitdem den digitalen Umbruch an der Freien Universität mit. Er führte E-Learning an der Universität ein und baute zentrale Dienste für alle Bereiche der Universität auf – zum Beispiel eine zentrale Lernplattform, das zentrale Content Management System, die Gestaltung und Umsetzung eines neuen Corporate Designs sowie die Bereitstellung von Web 2.0-Technologien. „Diese vielfältigen Themen und Aufgaben können nur mit einem interdisziplinären, hochmotivierten und leistungsfähigen Team erfolgreich bewältigt werden“, sagt Apostolopoulos.

Digitale Medien und Technologien für die Forschung

Grundlage aller größeren Vorhaben bilden dabei drittmittelgestützte Forschungsprojekte. Sie liefern nicht nur die wissenschaftlichen Erkenntnisse, sondern sichern auch die erforderliche Finanzierung. So akquirierte Apostolopoulos mehrere große Drittmittelprojekte: Nach der Integration des "Visual History Archive" des Shoah Foundation Institutes in Forschung und Lehre an der Freien Universität zog Apostolopoulos die Entwicklung eines weiteren multimedialen Archivs an die Hochschule:„Zwangsarbeit 1939-1945" ist eine beeindruckende Sammlung von Schicksalen und Lebensgeschichten ehemaliger Zwangsarbeiter, festgehalten in 2000 Stunden Audio- und Video-Interviews.

Seit 2008 gibt Apostolopoulos nun seine Erfahrung und sein Wissen als Honorarprofessor für Medienpädagogik am Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie weiter. „Diese Auszeichnung bedeutet mir sehr viel und  ist für mich der Antriebsmotor für alle Herausforderungen“, sagt er.

Und davon gibt es einige. Den strategischen Schwerpunkt der kommenden Jahre sieht der Wissenschaftler in der Ausweitung des Potenzials digitaler Medien und Technologien auf den Forschungssektor und in der weiteren Verzahnung von Forschung und Lehre. Themen wie E-Humanities, E-Publishing und die Entwicklung weiterer multimedialer Archive sind daher neue Arbeitsfelder, die ihn und das CeDiS-Team beschäftigen.