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Dem Virus auf der Spur

Professor Alex D. Greenwood erforscht an alter DNA, ob Krankheitserreger am Artensterben mit schuld sind

03.09.2010

Der Genetiker Alex D. Greenwood stammt aus Pittsburgh im US-Staat Pennsylvania und ist Experte für Virologie, Retrovirologie und alte DNA im Bereich der Wildtierforschung
Der Genetiker Alex D. Greenwood stammt aus Pittsburgh im US-Staat Pennsylvania und ist Experte für Virologie, Retrovirologie und alte DNA im Bereich der Wildtierforschung Bildquelle: privat

Der Biologe ist Sonderprofessor für Wildtierkrankheiten des Fachbereichs Veterinärmedizin der Freien Universität Berlin und Leiter der Forschungsgruppe Wildtierkrankheiten des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW).

Wenn es um die Artenvielfalt auf der Erde geht, ziehen Tierschützer eine düstere Bilanz: Über 800 Tierarten sind nach Angaben des International Union for Conservation of Nature (IUCN) in den vergangenen Jahren ausgestorben, rund 17.000 weiteren Spezies droht das Aus.

Artensterben ist dabei kein Phänomen allein unserer Zeit. Seit jeher sind im Verlauf der Erdgeschichte Tierarten entstanden, aber auch wieder verschwunden. Die Gründe für das historische Artensterben untersucht Alex D. Greenwood, Sonderprofessor für Wildtierkrankheiten des Fachbereichs Veterinärmedizin der Freien Universität Berlin und Leiter der Forschungsgruppe Wildtierkrankheiten des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW).

Der aus Pittsburgh im US-Staat Pennsylvania stammende Genetiker ist Experte für Virologie, Retrovirologie und alte DNA im Bereich der Wildtierforschung. Vor seiner Berufung nach Berlin war der Biologe Assistant Professor im Fachbereich Biologische Wissenschaften der Old Dominion University in Norfolk/Virginia (USA).

Virus-Nachweise 100 Jahre später

„Durch moderne gentechnische Verfahren ist es uns möglich, alte DNA von konservierten Tieren aus Museumsbeständen zu untersuchen und beispielsweise frühere Infektionen durch Retroviren zu bestimmen“, erklärt Alex D. Greenwood. Retroviren sind Krankheitserreger, die tierische Zellen befallen. Sie infizieren Säugetiere, Vögel, Amphibien, Reptilien und Fische, sind dabei aber meistens sehr spezifisch auf eine Art beschränkt.

Wie die Retroviren in das Genome gelangen, ist noch unklar. Alex Greenwood geht dieser Frage nach, indem er DNA aus Museumsstücken entnimmt und diese untersucht. Erst kürzlich gelang es ihm, Pathogene aus Sammlungsstücken ausgestorbener Arten zu isolieren. So konnte er nachweisen, dass ein eingeschleppter Krankheitserreger die nur auf der Weihnachtsinsel vorkommenden Rattenarten Rattus nativitatis und Rattus macleari aussterben ließ.

Schuld daran waren möglicherweise Rattenflöhe, die 1899 im Pelz von Hausratten von Bord des Versorgungsschiffs S.S. Hindustan auf die Insel gelangten. Die Flöhe übertrugen einen Protist-Parasiten, der die Rattenpopulation der Insel in wenigen Jahren dahinraffte.

Dass der Nachweis dieser Epidemie rund 100 Jahre später von Alex D. Greenwood erbracht werden konnte, verdankt der Biologe der Sammelleidenschaft der auf den Handelsschiffen mitreisenden Naturwissenschaftler des 19. Jahrhunderts. Diese konservierten Proben der beiden ausgestorbenen Rattenarten, die schließlich in den Naturkundemuseen von Cambridge, Oxford und London landeten.

Die genetische Analyse der alten Ratten-DNA erbrachte erstmals den Nachweis, dass ein bestimmter Krankheitserreger mit der Ausrottung einer Säugetierart in Verbindung steht. Eine Erklärung, die Alex D. Greenwood nun auch für andere ausgestorbene Säugetiere wie die Karibische Mönchsrobbe erbringen will.