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Filmen und Forschen in Afrika

Tobias Wendl erhält deutschlandweit erste Professur für die Kunst Afrikas an der Freien Universität

16.04.2010

Tobias Wendl will mit der neuen Stiftungsprofessur Akzente setzen.
Tobias Wendl will mit der neuen Stiftungsprofessur Akzente setzen. Bildquelle: privat
Durch Ausstellungen die Kunst Afrikas kreativ vermitteln ist Wendl ein wichtiges Anliegen.
Durch Ausstellungen die Kunst Afrikas kreativ vermitteln ist Wendl ein wichtiges Anliegen. Bildquelle: Tobias Wendl

Zeitgenössische Fotografien, Kinofilme und Videoinstallationen – das sind nicht unbedingt die Artefakte, die man bei der Kunst Afrikas sofort vor Augen hat. Für Tobias Wendl gehören sie ebenso zur Kunstgeschichte des Kontinents wie die allgemein bekannten Masken und Skulpturen. Sein Fokus liegt neben der „alten“ und der zeitgenössischen Kunst Afrikas auch auf dem Bereich der Visuellen Kultur. Wendl ist seit dem 1. März 2010 der erste Inhaber der “Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Professur für die Kunst Afrikas“ am Kunsthistorischen Institut (KHI). Initiiert wurde die Professur durch die gleichnamige Stiftung. Sie stellt die Mittel bereit und ermöglicht dem Inhaber, ein in Deutschland bisher nicht existentes wissenschaftliches Feld zu bespielen.

Der Münchner sieht gerade darin die Herausforderung: „Das Schöne ist, dass wir keine Altlasten erben, sondern alles ganz neu gestalten können“, sagt Wendl. Er gilt als ausgewiesener Kenner der alten afrikanischen Kunst und der aktuellen afrikanischen Kunstszene. International beachtet wurden neben seinen Publikationen seine zahlreichen Kunstprojekte und Ausstellungen - „Ästhetische Beiprodukte der Forschung“ wie er sie nennt. Wendl lehrte an den Universitäten in München, Köln, Frankfurt a. M. und Bayreuth. In der Wagner-Stadt hat er acht Jahre lang das Afrika-Zentrum der Universität geleitet und zu einem wichtigen Standort der deutschen Afrika-Forschung geführt.

Praxis statt reine Theorie

Dabei war eine Uni-Karriere zunächst gar nicht sein Ziel. Nach dem Abitur wollte Wendl erst einmal praktisch arbeiten und verdiente sein Geld als Architektur-Fotograf. Dann lockte ihn doch die Universität. In München studierte er Ethnologie, Moderne Literatur, Psychologie und Linguistik. Eigentlich wäre er gerne freiberuflicher Filmemacher geworden. „Irgendwann habe ich aber gemerkt, das Filmen und Forschen zusammen viel besser funktioniert um zu überleben.“

Sein Professor und späterer Doktorvater weckte in ihm das Interesse für Afrika: „So habe ich früh eine Leidenschaft entwickelt, die mich nicht mehr losgelassen hat.“ Mittlerweile reist Wendl seit 30 Jahren regelmäßig nach Afrika. Zunächst vor allem nach Westafrika. Mit dem Ende der Apartheid richtete er seinen Blick in den 1990er Jahren auf Südafrika. Die Kunstszene am Kap ist für ihn die spannendste des ganzen Kontinents.

Eine breite Öffentlichkeit erreichen

Sein Wissen will Wendl über universitäre Institutionen hinaus einer breiten Öffentlichkeit vermitteln und den internationalen Austausch zur Afrikanischen Kunst antreiben – und das gelingt seiner Meinung nach mit Bildern manchmal besser als mit Büchern: „Durch Filme und Ausstellungen wurde mir bewusst, dass für visuelle Arbeiten ein sehr großes Interesse besteht und man damit auch ein größeres Publikum bedienen kann.“

Erfahrung, die er an die Studierenden weitergeben will. In seinem ersten Semester an der Freien Universität gibt es am KHI eine Veranstaltung zur alten Afrikanischen Kunst und ihrer Rezeptionsgeschichte, ein Regionales Seminar zur zeitgenössischen Kunst in Südafrika, eines zur Geschichte und den Hauptströmungen des afrikanischen Kinos sowie ein Forschungskolloquium.

Historisches modern beleuchten

Wichtig ist Wendl eine moderne Ausstattung: Am KHI will er eine international konkurrenzfähige Fachbibliothek und eine Bilddatenbank einrichten unter besonderer Berücksichtigung der Medien- und Videokunst. Ein Medienlabor soll praktische Übungen ermöglichen: „Die Studierenden sollen neue Formate des wissenschaftlichen Arbeitens kennenlernen, damit sie von vornherein stärker in die Berufspraxis einsteigen können.“